00 Gauge GNR Stirling Single No 1 Dampflok, Rapido Trains Inc.

  • Mich faszinierten schon immer die Englischen Single Dampflokomotiven, speziell die späten Varianten Bj. von 1870 bis 1895, Normalspur. (Als Vergleich, die Gotthard Dampflok A 3/5 201 u. 202 hatten Bj. 1894). Adhäsion immerhin 16 Tonnen, Gesamtgewicht 66 Tonnen. Zugkraft 50 kN. Geschwindigkeit offiziell 100-110 km/h. Inoffiziell 120-140 km/h. Triebraddurchmesser 2463 mm. Länge 15,30 Meter.



    Reduziert zum Maximum! Nur das absolut Notwendige ist vorhanden. Aber das Vorhandene war von bester Qualität. Sie war DIE englische Schnellzug Dampflok von 1870 bis 1916. Am Schluss ihrer Karriere mutete man ihr zu viel Gewicht zu, teils 200 - 300 Tonnen, wohlverstanden als zierliche Single. Die Ae 6/6 hatte (alleine) ab 1952 auch nicht mehr wie 650 Tonnen am Zughaken, bei 6 Triebachsen. Es wurde auf Verschleiss gefahren. Die No 1 überlebte als Einzige ihrer Art über das Jahr 1916 hinaus und ist bis heute in fahrbarem Zustand. Schwere Stirling Single Schnellzüge hatten immer Priorität. Weniger aus Freundlichkeit ihrer noblen Passagiere wegen, sondern aus der Notwendigkeit heraus. Bereits mittelschwere Züge konnten vor einem geschlossenen Signal nicht mehr aus eigener Kraft anfahren. (Schiebelok notwendig)


    Abgesehen von einer äusserst billig fabrizierten Kinderspielzeug-Lok gab es dieses Modell nicht. (vor einiger Zeit produzierte mal Aster die Stirling Single in Spur I) Es dürfte denn auch nicht so einfach sein, eine gute Modell-Konstruktion in H0 zu erreichen. Ähnlich wie beim Vorbild, wenn zu viel Gewicht auf den Vorlaufachsen ist, fehlt die Adhäsionskraft, ist zu viel Gewicht auf der Treibachse, schwankt sie hin und her.


    Modell im Auftrag vom Britischen National Railway Museum York. Sonderserie 2017/2018.

    Modell in gemischter Bauweise Metall/Kunststoff. Äusserst fein detailliert. Im Modell ist nicht nur die grosse Triebachse angetrieben, sondern auch noch die Nachlaufachse.

    Einwandfreie Laufeigenschaften.




    Das Modell gibt es in mindestens 3 Varianten: Digital mit Decoder, Digital maximal, mit Sound. Und die Variante als reine Analog DC-Version, (ohne Decoder) für arme Leute meinte der humorvolle Verkäufer an der Ausstellung. Er sagte, in England sei ein ganz anderes Preisniveau als in der CH üblich. Analog sei in England noch weit verbereitet. Wenn auch weniger aus Überzeugung, sondern aus rein finanziellen Gründen. Er wunderte sich ein wenig, dass ich beim Bestellen auf Analog beharrte. Gott sei dank, wie sich jetzt richtigerweise herausstellte. Habe nichts dagegen, dass es die billigste Variante ist, so umgeht sie Zitat: "We prefer awesome SLOW Speed Thingy. This feature will automatically adjust the Back-EMF". -> Digitalversion. Das würde mich begeistern, wenn es eine Rangier Krokodil wäre, oder eine E(e) 3/3 Rangierlok u. dergleichen. Aber doch nicht bei einer der schnellsten Dampflok ihrer Zeit! Die soll sausen was das Zeug hält, tut sie auch :thumbsup:.




    Ich habe Freude, dass das Modell überhaupt angekommen ist, hatte es an einer Ausstellung Ostern 2017 in England bar bezahlt. Es gab keinen Beleg(!). Es würde Juli bis September 2017 werden. Nun gut, es dauerte knapp 1 Jahr länger, die Freude ist nun um so grösser. Ich hätte dieses Modell auch von Märklin oder HAG oder Roco, Fulgurex, Jouef gekauft, einfach vom nächst besten Anbieter, welcher dieses Modell heraus brachte. Hersteller ist Rapido, Made in China. Der Spruch, Plunder von China gilt nicht mehr pauschal, ganz im Gegenteil. Hoffentlich wird es in 50 Jahren nicht umgekehrt sein, das die dort sagen, kannst auch einfache Qualität aus Europa haben. Für Märklin wird es nicht einfacher werden, aber noch hat Märklin die längste Erfahrung aller Modellbahn Hersteller.



    Das Rapido Modell ist perfekt gefertigt, kostete incl. Zoll und Versand in die Schweiz, also mit Porto und MWSt. 250.- Englische Pfund. Das Modell Stirling Single GNR No 1 soll allein durch die Vorbestellungen bereits ausverkauft sein. Also gibt es doch eine gewisse Nachfrage nach Modellbahnen...

  • Danke Hermann, für diesen tollen Bericht - viel dazugelernt und deine Begeisterung quasi miterleben dürfen, schön!


    Ein kleiner Tipp am Rande (ganz am Rande...): Du vergleichst da nicht Äpfel mit Birnen, eher Äpfel mit "Härdöpfel" mit den Anhängelasten.

    Deine 650t der Ae 6/6 stellen natürlich den Wert auf 26 Promille Steigung dar, die No 1 würde mit den maximalen vorkommenden 300t in gleicher Steigung vermutlich stehen bleiben;)


    (hoffe, dass wir nun trotz meinem kleinen Einwand uns auf das Thema No 1 einlassen - ich finde den Bericht wirklich toll und erfrischend - und nicht an den Gewichten der Ae 6/6 weiter "bohren" - war halt einfach schon früh dran heute8))

  • die No 1 würde mit den maximalen vorkommenden 300t in gleicher Steigung vermutlich stehen bleiben ;)

    Berg ab wäre die No 1 schneller und Berg auf würde die Ae 6/6 als Gentleman im Hintergrund schieben. 650 Tonnen ist so viel und so lang, dass die schiebende Lok gar nicht mehr gesehen werden würde. 1 so grosse Triebachse auf 6 Laufachsen ist bergauf kaum zu gebrauchen...


    Klar, ist die Ae 6/6 als reine Adhäsion E-Lok viel stärker. Ca. 50-70 Jahre vor der GNR Stirling waren die Bahn-Ingenieure ja gar nicht sicher, ob die Reibung per se überhaupt ausreichen würde? Zum Glück haben die mutigeren gewonnen. Man stelle sich vor, der neue Stadler Giruno SBB RABe 501 würde im Flachland z.B. von Olten nach Luzern mit nur 30 km/h - in der Ebene - per Zahnrad vorwärts kriechen.


    Im Modell stimmt es noch fast: Die billig gefertigten Modellbahn-Loks im unteren Preisbereich um 1900 - 1930 herum, hatten reine Blei Antriebsräder. Statt Stahl oder Zinkguss. Blei ergibt einen guten tiefen Schwerpunkt, ist aber viel zu weich und zu schmierig auf Weissblech-Gleis. Reibungswert nahe bei 0.


    Gruss

    Hermann