SBB plant den Abbau von Billettautomaten

  • Gemäss diesem Artikel im Tagesanzeiger beabsichtigen die SBB die Anzahl der Billetttautomaten zu reduzieren. Als Kriterium gilt die Anzahl der täglich verkauften Billette. Spontan fällt mir die Station Mogelsberg ein. Dort besteht oder mindestens bestand nur ein Halt auf Verlangen. Im ZVV könnte ich mir vorstellen, dass es an der Station Winkel am Zürichsee gleich aussieht. Eine typische Pendlerhaltestelle. Die BLS hat den Abbau an einigen Stationen bereits durchgeführt, bietet aber einen Billettkauf im Zug an. Ob die SBB eine solche kundenfreundliche Lösung anbietet, ich bezweifle es. Gemäss der gezeigten Statistik wird doch immer noch die Mehrheit der Billette über die Automaten verkauft, auch wenn deren Anteil am sinken ist.


    Seit kurzer Zeit habe ich betreffend des Billettkaufes auf eine Smartphone Lösung gewechselt. Ein Grund war unter anderem, dass dort wo ich die Billette typischerweise beziehe die Automaten sehr gut nachgefragt sind und ich immer das Risiko hatte in der verfügbaren Zeit kein Billett zu bekommen. Daher sind speziell in diesem gekürzten Artikel von 20min die Fotos sehr ungünstig gewählt. Diese Automaten am Zürcher Hauptbahnhof dürften garantiert noch lange Zeit nicht ansatzweise in die sehr umsatzschwachen Zahlen rutschen. Zu den am besten genutzten Automaten dürften wohl diese am Flughafen Zürich gehören. Dort muss fast immer angestanden werden.


    Einerseits habe ich für die geplante Massnahme durchaus Verständnis, betrachtet man das nur aus rein wirtschaftlichen Gründen mit den Augen des Betreibers. Anderseits stört es mich, dass der Kunde immer stärker gezwungen wird die Hardware zu stellen, für deren uneingeschränkte Funktionsfähigkeit verantwortlich zu sein und dann komplette Kaufabwicklung selber tätigen muss. Fairerweise müsste ein Billett am Schalter teurer sein oder das per Smartphone gekaufte Billett günstiger.


    Im professionellen Bereich geben auch heute noch viele Firmen mit denen ich zu tun habe Rabatte für Online Bestellungen. Schliesslich sparen sie damit Personal im Innendienst ein.


    Der Billettkauf per Smartphone ist bequem und meist einfach, hingegen wird der Kunde immer gläserner. Ganz speziell gilt das für die Check-In Lösungen wie es z.B. Fairtiq anbietet. Sie können fast metergenau meine Fahrt verfolgen. Käme die Lösung von Google, ich müsste sicher noch damit rechnen, dass in der Nutzungszeit noch das ganze Smartphone nach verwertbaren Daten abgescant wird.


    Bequemlichkeit hat seinen Preis, heute wird dafür fast immer mit Daten bezahlt. Wann wird die erste Billett App beim Öffnen zuerst 30 Sekunden Werbung abspielen bevor sie genutzt werden kann? ;)

  • Der allgemeine Verkaufs-Psychologische Vorgang im Handling mit dem Verkauf von billett-losen elektronischen Bahn-Reisen würde ich auch nicht unterschätzen. Das Tempo des Kauf-Vorgangs ist zu Gunsten des Anbieters viel schneller. Und die Kundschaft wünscht - mit dieser Methode - kaum je von sich aus, den laufenden Vorgang abzubrechen. Es gibt keine Diskussionen mehr und basta.


    Nimmt beim klassischen bezahlen sichtbar das Bargld ab und man erhält zeitnah ein Papier-Ticket wo alle relevanten Daten aufgedruckt sind, für dass, was man bezahlte, empfindet man viel eher: oh das ist preiswert, -normal, oder aber -schweineteuer. Jedenfalls man empfindet etwas, was auch immer.


    Machts nur Pieps, oder der Swiss Pass sogar ganz lautlos geworden, so ist es viel leichter (z.B. von der Gondelbahn-Betreiberin) einen überhöhten Preis durchzusetzen, da vorerst die Empfindungen des Kunden wegbleiben. Die Kundschaft soll das Matterhorn schön finden (was es ja auch ist) und sich nicht in Gedanken über Fahrpreise vertiefen können.


    Klassische ausgedruckte Fahrscheine wecken beim Kunden Emotionen hervor, seien es gute oder schlechte. Der moderne mensch funktioniert einfach. Das ist zugegeben viel rationeller, aber nicht unbedingt besser?


    Gruss

    Hermann

  • Hermann,


    Für mich spielt deine Betrachtungsweise keine Rolle. Geld ist für mich eine Zahl, es spielt mir keine Rolle ob das auf einer Banknote, einem Billett oder einer elektronischen Abrechnung steht. Ich weiss immer wieviel ich ausgebe und das vor Fahrantritt.


    Mit der Check-In Methode besteht tatsächlich die Gefahr den Überblick zu verlieren. Ich steige ein und aus und habe am Ende des Tages einen Preis angegeben. Manchmal sogar nur provisorisch. Die endgültige Abrechnung folgt erst am darauffolgenden Tag. Ob ich den korrekten Preis bezahlt habe, muss ich selber überprüfen.