Freude an Märklin-‘Gussklötzen‘

  • Genau, Hermann: meine Anlage ist für das vollständige Befahren durch Kroko 3015 und Alt-Hag Ae 4/7 nicht geeignet... dafür wurde sie bewusst nicht konzipiert. Schlanke Tunnelportale (auch in Kurven) gehen vor.:D

    Gruss Roger


    84 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • ... fremde Guss Klötze, (fremd = bezogen auf Märklin) dafür 2-motorig.


    2-motorige Loks gibt es mehr als angenommen. :). Bei Märklin und HAG eher weniger üblich, da dies weder zwingend erforderlich, noch (früher) ganz exakt möglich war, (Grund = Feldspule mit je 1 Draht Vor-/Rückwärts). Ganz nach dem Moto: besser 1 guter starker Motor, als 2 eher schwache Motoren. Früher war man weniger anspruchsvoll u. bevorzugte andere Prioritäten. Auch ältere Kleinbahn DC-Motoren laufen selten exakt gleich schnell, bei Loks ohne Haftreifen ist dies kein "Drama". Nun, eine 2-motorige Kleinbahn Lok ist ganz sicher nicht stärker, als eine 1-motorige HAG Lok...


    Ansonsten, die Polarität interessiert nicht, ist ein 2. Motor vorhanden oder nicht. Berühren sich "+" und "-" gibt es Kurzschluss. An dieser Tatsache führt kein Weg vorbei. Eine Rad-Seite muss vollständig isoliert sein, egal ob zufällig auf der isolierten Seite Zahnräder vorhanden sind oder nicht. Oder aber die Lok ist nach dem Märklin System ausgeführt: Achse = die selbe Polarität (Masse) und ein Mittelschleifer "liefert" den Strom.


    Die Isolation der Radsätze wäre schon ein ganz eigenes Thema für sich. Begonnen hat Trix-Express 1935. Bedenkt man, dass damals kaum geeignete Kunststoffe vorhanden waren, schon gar keine Auswahl, darf die Qualität als ausgezeichnet gelten. Jetzt 84 Jahre später(!), laufen die Räder bei vielen Modellen "lose" auf dem "Presssitz". Die später nachfolgenden z.B. HAG und Märklin HAMO DC hatten keine solchen Probleme, ihre Isolier-Büchsen halten auch heute noch. Manche Firmen führten die Isolation unauffällig durch, in dem nicht eine Büchse, sondern der ganze Radstern aus Kunststoff besteht, oft bei Jouef, Lima, Roco. Wiederum andere Hersteller wählten/wählen eine Isolierung, welche viel Präzision erfordert: Metropolitan, Fulgurex u. spätere weitere Hersteller isolieren nicht die Nabe, sondern sehr unauffällig die Rad-Bandage. Umgekehrt unübersehbar dagegen Trix-Express: geizte in den 1960-er Jahren nicht mit Haftreifen, dies hatte auf die Elektrik keine Auswirkung: Trix-Express Loks = für JEDE der 3-Schienen mindestens 1 Schleifer.


    So entwickelte jeder Hersteller sei eigenes Konzept. Ein paar Beispiele von 2 motorigen Loks, manche davon bringen mehr Zugkraft auf die Gleise als erforderlich wäre. Es ist wie bei klassischen Autos: 1 Zylinder ist etwas gar wenig, würde aber noch knapp funktionieren. 2-, 3-, 4- Zylinder erfüllen alles was man braucht. 8-12 Zylinder, dort stehen am Autosalon unübersehbar (noch) die meisten Leute..., nicht etwa dort wo die vernünftigen Auto auf Kundschaft warten. Doch ewigs dauert nichts, in einigen Jahren wird es möglicherweise weder den Autosalon geben, noch 6-Zylinder Autos an aufwärts, da ein anderer Zeitgeist vorherrschen wird. Jede Epoche hat ihre Möglichkeiten.


    ;)2-motorige H0 Loks, die wird man unbefristet lange haben dürfen...


    Kleinbahn Ae 6/6 Modell Typ 1, 1. Ausführung um ca. 1958?

      


    Kleinbahn Lok vom Transalpin Triebzug OBB 4010, Modell ab 1973.

      


    Lima SNCF E-Lok Kapitole BB-9291, ab ca. 1964

    Von Lima gibt es meines Wissens, original ab Werk keine 2-motorigen Loks. ... aber fast: es gab eine Zeit lang sozusagen Loks mit Eineinhalb Motoren. Die schon damals nicht mehr aktuelle Lima Konstruktion bestand aus so wenig wie nur möglichen Einzelteilen. Das Motorgehäuse vom 2. Motor diente als Verbindung zum Rest der Lok. Eine separate Konstruktion für das antriebslose Drehgestell wäre aufwändiger gewesen. Mit derart wenig Aufwand kommt man nie mehr zu einer 2.-motorigen Lok. Selbst die Verkabelung, konnte 1:1 vom Lima Modell ohne Änderung übernommen werden. Es musste einfach nur von einem identischer Teilespender der Rotor eingesetzt werden. Die Lok läuft vorzüglich:).

    Für die Modellbahner muss es ein schreckliches Modell sein. im Gegensatz zum Vorbild ist das Modell ganz extrem hochbeinig geraten, mehr als bei allen anderen Lima Modellen. Das ist halt so bei dieser doch auch schon über 50 jährigen Lima Konstruktion.



    hier nun ein ganz typisches Beispiel der "Guss Klotz" Epoche. Dies bezieht sich nicht nur auf das Äussere, auch im inneren geht es Gussklotzig weiter:D. VB Modelle aus Frankreich waren nicht die günstigsten, schon gar nicht 2-motorig. In unseren Breitengraden sind französische VB Loks aus den 1950 eher selten zu finden. Das Modell läuft noch ausgezeichnet. Das Vorbild war in Zusammenarbeit mit der SLM entstanden.

      


    Hermann Spur 0 Re 4/4 II, 2-motorig. Bj. um 1995 herum. 2 Motoren ist bei Hermann Spur 0 ganz der übliche Standard. Etwa 30 Jahre lang wurde der sehr bewährte Motor eigener Fertigung verwendet. Ab ca. mitte 1990-er Jahren kamen Maxon Motoren zum Einsatz. Hermann Spur 0 Modelle bieten ausgezeichnete Laufeigenschaften. Wenn einem wunder nimmt, wie was wo funktioniert, wie bei einer H0-Lok einfach aus Gwunder / Interesse daran herum schrauben und öffnen, ist weniger eine gute Idee. Einerseits ist ein Aufschrauben von der Qualität her nicht nötig, Hermann Loks laufen ewig! Anderseits ohne genau Kenntnisse wie die Modelle firmenspezifisch konstruiert wurden, wird einem die Lok auseinander fallen. Gelingt es einem, das Lok-Puzzle wieder zusammen zusetzen, hat man wieder eine neue Konstruktion kennen gelernt. Der Märklin Bananenstecker dient als Verbindung zur Dachleitung (Oberleitung).

      

  • hier der Urahne alle H0 Gussklotz Lokomotiven

    Trix-Express E-Lok Nr. 20/55 (auch wenn auf dem Gehäuse 20 052 geprägt ist!)

    Bj. ab 1935 - bis ca. 1952 in zahlreichen Varianten betreffend Kpl., Puffer, Radspeichen, Farbnuancen.


    Trix-Express E-Lok 20/55 grün. Bj. um 1948. Noch mit Trix-Wechselstrom Motor und Umschalt-Relais. El. Lampen waren noch nicht vorhanden!



    Urahne der Märklin Gussklotz Epoche dürfte die HS 800 darstellen. Es ist die um 1 Achse verkürzte Reichsbahn E-18. Modell-Bj. 1938 - 1949. Einseitig beleuchtet, mit Wechselstrom Motor, Relais und parallel dazu auch eine "Handstange" um von Hand die Fahrtrichtung zu ändern. Es gibt noch die um 1 Jahr ältere Märklin Guss Lokomotive: "HS 700" Bj.1937-1938. Die HS 700 hatte noch kein Relais, Fahrtrichtung nur von Hand schaltbar.


    Märklin E-Lok HS 800, Ausführung Bj. 1940.



    Die 1. Märklin H0 E-Lok RS 700 Bj. 1935-1939 streng genommen noch nicht mal ein Gussklotz, sondern ein "Blech-Klotz" :D. Foto fehlt... Chassie = Guss, Gehäuse = Blech. Die Märklin Spur 0 Lok RS 66/129210 Fantasie, diente als Vorlage! 1935 war von Märklin weder vorgesehen noch geplant, dass zu Gunsten H0 bereits 1955 das Märklin Spur 0 Kapitel enden würde. Die Spur I endete bereits 1937, erschien aber wieder in moderner Form ab 1968.

  • Die 1. Märklin H0 E-Lok RS 700 Bj. 1935-1939

    Schöne Lok, gefällt mir. Man sieht gut, dass sie das damalige elektr. Rennpferd der DRG darstellt (die noch schnellere E 19 kam m.W. in weinroter Farbe daher). Dieses Modell dürfte auf dem heutigen Markt allerdings etwas teurer sein, als die kürzlich von mir erstandene E 18 (Mä 3024) in grün (< CHF 100.00, ohne OVP).

  • Guten Abend René

    schön dass noch anderen Leuten alte schnelle Renner gefallen. Tatsächlich war die Deutsche E-19 für längere Zeit eine der schnellsten Loks überhaupt. Versuchsweise bis zu 225 km/h, bis die Franzosen mit ihren ersten Nachkriegsloks mitmischten... Der Alltag einer E-19 dürfte weit weniger spektakulär gewesen sein, wohl um die 100-110 km/h herum, vielleicht kurz max 140 km/h.


    hier von Märklin die E-19 Version, Nr. 3769 Modell Bj. 1994-98. Dieses Guss Modell E-19.12 rot ist mit Euro 115.- (Koll 2019) nicht übertrieben hoch bewertet!



    von den älteren Loks gibt es meines Wissens keine originale Märklin E-19 im Katalog Angebot. Das wäre noch spannend wieso nicht? Einerseits gibt es Nazi Grössen welche der Modellbahn sehr zugeneigt waren. Es gab von Märklin auch den Führer-Wagen 351 F, anderseits, zumindest in Nürnberg, befand sich fast die ganze Spielzeug Produktion mehr oder weniger in jüdischen Händen. Die hatten bestimmt kein Interesse, von sich aus das NS-Regime durch ihre Modelle zusätzlich zu propagieren, sondern ganz andere Sorgen. Es soll Prototypen und Muster der Märklin E-19 geben, sprich normale HS 800 rot lackiert und mit den damaligen Signeten versehen. Aber Eingang in das Katalog Programm fanden die E-19 nie! Diese Loks blieben offiziell grün! (wenn auch in verschiedenen grün, blau, grau Farbton Nuancen).


    Eine der ersten E-19 in rot kam erst nach dem Krieg von Fleischmann in Spur 0, Modell-Bj. ab 1952. Ob man diese Lok als "Modell" bezeichnen kann, da scheiden sich die Geister. Ihre Länge entspricht etwa dem korrekten H0-Modell von Märklin. Heute würde man von Spielzeug Lok sprechen. Der Guss ist recht dünnwandig und oft rissig, viele Modelle sind zerfallen.




    Märklin fertige die E-18 ab 1937 mit der HS 700 bez. 1 Jahr später mit dem Relais als HS 800.


    Die 1. Märklin H0 Lok RS 700 ist keine E-18, sondern ein Fantasie Modell, ohne Vorbild. CH Kunden sehen in ihr eine extrem verkürzte Ae 4/7, die Deutschen erkennen eine E-44. Ich habe derzeit kein solches Modell in H0/00. "Nur" in Spur 0. In dieser Grösse war es ein sehr preiswertes Einsteiger Modell. Aber bei weitem nicht "billig". Allein das sie elektrische Frontlampen hatte, ein Umschalt-Relais und demzufolge einen elektrische 20-Volt Motor, damit war man bereits in der oberen Hierarchie angekommen. Märklin schien der Spur H0 / 00 noch nicht so zu trauen, das Modell RS 700 hat kein Vorbild, sondern entspricht einer Verkleinerung der Spur 0 Spielzeug Lok RS 66/12910.


    Märklin Spur 0 Version RS 66/12910 sind an Börsen günstig zu haben, es gibt derzeit kaum Nachfrage, sie war ein häufiges Standard Modell 1932-54. Wirklich gut erhaltene perfekte Exemplare findet man kaum noch. Bespielt sind sie trotz des Alters von 65-87 Jahren immer noch häufig zu finden. Preis: je nach Interesse u. Zustand CHF 120.- bis maximal 650.- Im Schnitt um CHF 200.- herum. Die "alten" Sammlerpreise haben sich halbiert, mindestens... Wobei es geht gar nicht so per se um den Preis, wenn schon die schönen Keiser und Hermann Spur 0 Modelle - relativ- günstig zu haben sind, will (fast) niemand mehr 87-jährige 2-achsige Einsteiger-Modelle. Das überwiegende Sammler-Interesse fehlt in der heutigen Epoche. Dass die Lok beleuchtet sei, lockt heute niemand mehr zum Kaufe hervor.



    Etwas anderst verhält es sich mit der RS 700, dem kleinen Vertreter in Spur H0 / 00.

    Auch diese Lok war 1935 ein preiswertes Einsteigermodell. Doch abgesehen vom Blech-Gehäuse ist der Guss (Fahrwerk u. Vorbauten) oft zerfallen. Es gibt immer wieder schlecht restaurierte Modelle und die Replica Packung 0050 von 1985, diese Loks sind technisch einwandfrei, sogar mit Schwungmasse, aber reichlich kitschig ausgeführt! Diese 50 Jahre H0 Jubiläum Loks 1935-1985 haben wenig bis nichts mit der RS 700 von 1935 gemeinsam.


    Gute Modelle RS 700 sind selten zu finden, ein Preis CHF 1000.- an aufwärts ist (wenn perfekt!) gerechtfertigt. Selbst in der Koll Ausgabe 2019, der Jhrg. 2019 bewertet allgemein die Modelle teils extrem günstig, steht die RS 700 immer noch mit Euro 700.- bis 900.- im Katalog. Ich habe (noch?) keine RS 700, dafür ein original Märklin Spur 00 Katalog aus dem Jahre 1939, Schweizer Ausgabe. Darin ist die 1. Märklin H0/00 E-Lok von 1935 abgebildet.

      


    1939 gab es noch kein H0 Krokodil, besten Falles ein H0-Krokodil Prototyp aus Blech.

    Das Mass der Dinge war die Deutsche Stromlinien-Dampflok SK 800. Sie kostete (damals) 4 x mehr, als die E-Lok RS 700.


  • Thema Fahrzeug Breiten bei Nenngrösse H0,

    Massstab 1:87. Normalspurweite: 1435 mm = 16,49 mm. (+/- 16,5 mm) in H0. Also sind alle H0 Modelle +/- in etwa gleich breit? Von wegen... Je nach Hersteller waren früher die Differenzen riesig. Nicht nur 2-4 mm, fallweise auch bis zu 16 mm


    Das hat mich veranlasst, ein paar H0 Modelle zu messen. Alle Modelle = Vorbild 1435 mm Spurweite. Klar, auch beim Vorbild differieren die Fahrzeug-Breiten innerhalb der selben Spurweite erheblich, eine Draisine soll noch von 1-2 Männern vom Gleis getragen werden können, ohne gleich einen Kranen beauftragen. Dass die Motordraisine, Basis Ford? ein Camion für Gleisbetrieb mit max. 22,0 mm Breite weniger als die Häfte der Conti Settebello Breite aufweist, hätte ich dann doch nicht erwartet.


    Somit ist der Conti FS ETR 300 Settebello der vorläufige König der Gussklötze, man bekommt für das bezahlte Geld am meisten H0-Volumen;).


    Als Vergleich die maximale Fahrzeugbreite der hier fotografierten H0 Fahrzeuge;

    Tenshodo Lieferwagen für Eisenbahnen, Modell (motorisiert) Breite: 22,0 mm.

    Märklin Triebwagen 3124 Micheline: Breite 31,0 mm.

    ACME FS ETR 300 Settebello: Breite 34,5 mm

    Conti FS ETR 300 Settebello: Breite 50,5 mm. (dafür pro Wagen 7 cm zu kurz in den Längen).

    Fleischmann 1334 Ae 6/6: Breite 38 mm. (das ist nicht so schlimm, da nicht verkürzt! FLM = Lüp 21,8 mm / 1:87 = 21,149 mm.

    Märklin Ur-Gussklotz Bj 1935 RS 700: Breite ca. 34,5 mm. Breite nahe am Original, wenn es eins gäbe. DB E-44 oder SBB Ae 4/7



      

  • Naja, der breite ‚Settebello‘ ist am Vorbild auch nicht näher als Märklins zweiachsige Ae 4/7.....:D

    Hermann, danke für den interessanten Vergleich.:thumbsup:

    Gruss Roger


    84 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.