Dampf vom Rheinhafen zur VHS-Bahn

  • Als wir, 24 Schiffsjungen,1952 auf dem Schulschiff LEVENTINA der Schweizerischen Reederei AG in Basel,

    so quasi die 4 monatige RS in Sachen Schifffahrt auf dem Rhein absolvierten, mussten (durften ?!) wir 2x wöchentlich auf der Hafendampflok Heizerdienst und Rangiergehilfe leisten.

      

    Da die charmante E 3/3 nicht mehr existiert, habe ich sie als Modell nachgebaut.

    Der Schulschiff Kapitän begründete diesen Einsatz mit der Tatsache, dass unsere Reederei stolze Besitzerin des Seitenrad-Dampfschleppers BERN sei und wir mit einem Einsatz auf der BERN als Schiffsjunge /Matrose/Steuermann rechnen müssten.

    Das tat meiner Begeisterung für die kleine Dampflok keinen Abbruch, im Gegenteil, ich wusste, sollte ich irgendwann mal an Land gehen, würde ich Dampflok - Führer werden.

    Da die kleine Lok die Güterwagen von den Kaigeleisen zum Sammelbahnhof brachte, begegneten wir respektvoll den wuchtigen, imposanten Ce 5/6 der SBB.

    Diese mussten die Züge dann über den DB Bahnhof Friedlingen D zurück in die Schweiz nach Muttenz bringen. Keine einziger Güterwagen konnte von der Schweiz in den Rheinhafen oder zurück gelangen, ohne zuerst via Deutschland das Ziel Hafenbahnhof Klybeck-Quai zu erreichen.

    Einmal editiert, zuletzt von traumbahn77 () aus folgendem Grund: Ergänzungen

  • Guten Morgen Jack


    Tolle Erinnerungen!


    Wie oft seid ihr dann zu Dampflokfahrten gekommen?


    Du kennst bestimmt auch die weitere Geschichte des Dampfers (ich bin auch ein sehr grosser Dampferfreund, Stichwort Gallia:love:)?

  • Keine einziger Güterwagen konnte von der Schweiz in den Rheinhafen oder zurück gelangen, ohne zuerst via Deutschland

    traumbahn77

    Könnte es sein, dass du irgendwas verwechselst? Ich kenne zwar im Grossraum Basel nicht jedes Gleis im Detail, aber vom Bahnhof Kleinhüniger Hafen berührte man in Richtung Schweiz nie Deutsches Hoheitsgebiet. Allerdings führte die Strecke der Grenze entlang nach dem zur DB gehörigen Bad. Bahnhof; dieser liegt auf Schweiz. Hoheitsgebiet (Personenbahnhof); danach gings über die Rheinbrücke (Verbindungsbahn) in Richtung Basel RB (Muttenz) oder Basel PB.


    Sicher interessant waren eure Einsätze als Heizer auf einer E 3/3. Gehörte diese Lok zum SBB Fuhrpark oder war sie im Besitz der Hafenbahn? Hatteat du danach mal Heizerdienste auf dem Dampfschlepper BERN zu leisten?

  • Hallo Renè

    Ich darf Dir erläutern, dass es wirklich so war und heute noch ist, dass alle, auf der Schiene vom Rheinhafen Kleinhüningen

    in die Bahn umgeladenen Güter und umgekehrt diesen Weg rollen müssen.

    Übrigens wird dieser Auftrag schon seit einiger Zeit, zuerst von Ce 6/8 und Be 6/8, dann von Re 6/6 erledigt,

    da ja die ganze Strecke elektrifiziert wurde.

    Wenn Du Lust hast, können wir ja mal eine kleine Exkursion vor Ort machen, ich würde Dir dann einiges darüber aus erster Hand erklären können.


    Ein direkter Bahnanschluss in die Schweiz könnte nur mit dem geplanten Bau des Hafenbeckens 3 realisiert werden.

    Ob dieses Projekt zu Stande kommt ? Es wird wohl schon noch eine Menge Wasser den Rhein hinunterfliesen.

    Die E 3/3 war im Besitz der Schweizerischen Reederei.

    Auf der BERN war ich als Ablöser- Schiffsjung nur 3 Wochen eingesetzt. Auch die LUZERN wurde umgebaut zum Dieselschlepper LUZERN.

      

  • Hallo Christian


    Was die Geschichte der BERN anbelangt, sie wurde auf der Werft Bernighaus in Köln - Deutz zur BASILEA, dem ersten Passagierfahrgastschiff - Frachtschiff umgebaut.


    Wie schon erläutert, bewegten sich unser Fahrten nur auf den Geleisen der Hafenbahn, also im Raum Klybeck Quai.

    An den Eisatztagen fuhren wir so in etwa 20 - 30 mal hin und her, aber meinerseits nur im Führerstand mit der Kohlenschaufel oder neben der Lok mit helfen beim ankuppeln der Wagen oder bei Rangierbewegungen, bedenke, dass wir ja zu der Zeit 15 - 16 jährige Buben waren!

    Es war in Etwa ein Job zur "Auflockerung des Dienstbetriebs."


    jack

    2 Mal editiert, zuletzt von traumbahn77 () aus folgendem Grund: Korrektur

  • Hallo Christian


    Wie geschrieben, wurde die LUZERN zum Diesel-Schlepper LUZERN umgebaut.


  • Danke Jack für deine Infos! Ja, früher wurde manches „früher“/in jüngeren Jahren absolviert... Mein Vater war auch mit 19 Jahren fertig ausgebildeter Dorfschullehrer und damit nur drei Jahre älter als seine ältesten Schüler...

    Man vergisst Solches schnell oder kommt gar nicht drauf - danke für den Nachtrag, wie alt ihr damals gewesen seid. Ihr fuhrt ja damals sicher auch bis nach Holland? Bestimmt auch ein Thema als angehende Matrosen weit weg von zu Hause.


    Zu den Gleisen... Ja, da liegt wohl „Lukas“ richtig;)


    Hier ein Link, wo solche Fragen auf der Karte im Verlaufe der Jahre angeschaut werden können:

    https://map.geo.admin.ch/mobil…E=2612404.05&N=1270423.75


    Der Weg führt natürlich über DB bzw. Früher DRG Betriebsgebiet, jedoch immer auf Schweizer Teritorium.

  • Lieber Jack,


    Ich muss René alias Lukas recht geben! Er hat dies richtig geschrieben, Basel Bad Bahnhof ist zwar deutsche Hoheitsgebiet, liegt aber in der Schweiz. Alle anderen Gleise von Basel SBB und Basel RB nach Basel Kleinhüningen sind auf schweizer Staatsgebiet!


    Ich bin etliche Jahre selbst in den Kleinhüninger Hafen gefahren und habe mich damals auch schlau gemacht, wo die Grenze verläuft, auch kannte ich sämtliche Gleise welche mit den Bm 4/4 befahren werden durfte. Im Anhang zwei Ausschnitte aus den Swisstopo Karten auf welchen ich die Strecke von der Rheinbrücke bis in den Hafen mit blauen Pfeilen eingezeichnet habe.


    Im übrigen fuhren die Ce 6/8 nicht in den Kleinhüninger Hafen, diese wurden damals im Güterverkehr hauptsächlich am Gotthard gebraucht.
    Erst gegen ende der Karriere wurden einige Be 6/8 III nach Basel versetzt und erledigten unteranderem Züge vom BsRB nach BsKH. René wird im Dep. Biel mit den C-Chläppere ja auch noch gefahren sein?

    Gruess Tinu





    11652 war 3 Minuten schneller :D

  • Hallo Jack ein tolles Bild der „Luzern“!


    Mir ist da natürlich die „Stadt“ näher (DS Stadt Luzern III, 1928, Vierwaldstättersee), sie wird von den Dampferfreunden so genannt.


    Sie absolvierte im Januar ihre Probefahrt der aktuellen grossen Revision. Schade, wird sie nun unter diesen C-19 Umständen fertig...


    Infos gibt es hier:https://generalrevision.ch/

  • René wird im Dep. Biel mit den C-Chläppere ja auch noch gefahren sein?

    Ja und ach du Schande, ich habe die Ce 6/8 II 14276 von Lausanne kommend kurz vor Biel in Brand gesetzt.
    "Ihr Jungen wisst halt nicht mehr, wie man diese Lok zu bedienen hat", war der lapidare Kommentar eines 30 Jahre älteren Kollegen. - "Wenn man ventiliert [kühlt], ist's doch logisch, dass die Ventilatormotoren zu brennen beginnen", setzte er noch einen drauf! :crylaugh:
    Und der Depotchef erklärte mir danach, dass sein Bestand an Reservemotoren grösser sei, als der effektive Bestand an 'Krokodilen' (?). :S

    Gruss, René
    ++

    Einmal editiert, zuletzt von Lukas ()

  • @ Jack

    eine kleine Exkursion

    Vor etlichen Jahren haben wir mal das Museum für Rheinschifffahrt - Verkehrsdrehscheibe Schweiz - besucht. Klein, aber interessant. Muss dort wieder mal vorbei, sind auch ein, zwei kleine Dioramen zur Schnittstelle Hafen/Bahn ausgestellt ...


    In meinem persönlichen Sammelsurium befindet sich auch ein Bahnhofsplan des ehemaligen Bhf. Kleinhüniger-Hafen, vermutlich Stand 60er Jahre. Müsste mal prüfen, ob ich den hier publizieren darf ...

  • Hallo René


    Die Verkehrsdrehscheibe Schweiz ist noch am, oder evt. schon, neu gestaltet worden.


    Das mit dem Bahnhofsplan wäre super, diesen zu sehen.

    Ich habe den "Eisenbahn Bogen" offensichtlich zu weit gespannt.

    Für uns Jungs war hinter dem Hafenbecken 2 einfach Deutschland.


    Habe noch ein interessantes Detail zu einem der speziellen Einsätze der C 5/6.

    In unserer Flotte hatten wir 12 Tankschiffe mit den Namen von Alpenblumen.

    6 davon waren sogenannte Dunkle, denn sie transportierten vorwiegend Schweröl, was bedeutete, dass man, in Basel an der Löschstelle angekommen, zuerst mit Dampf die Ladung soweit aufheizen musste, dass sie pumpbar war.

    Hier kam nun, zu meiner Fahrenszeit, ob am Klybeck Quai oder in Birsfelden, die C 5/6 als Heissdampfspender zum Einsatz.

    Dies bedeutete für die Schiffsbesatzung, meinerseits auf dem TMS VIOLA, einen zusätzlichen freien Löschtag, der zum Bummeln und Einkaufen in der Stadt genutzt wurde.


    jack

  • die C 5/6 als Heissdampfspender

    Jetzt wo du's sagst: Auch in Biel konnte ich als Kind oft beobachten, wie neben dem Lokdepot mit dem Dampf von Dampfloks Kesselwagen ausgeblasen wurden. Mir wurde damals gesagt, das sei zum Reinigen der Kesselwagen ... und Schweröl wurde damals im Depot wohl keines verwendet.

  • Nun etwas weiter auf meinem Weg,

    Auf dem Schulschiff wurde uns das grossartige Projekt SCHIFFBAR MACHUNG DES HOCHRHEIN an den Bodensee vorgestellt.

    Der Käpten schaute uns tief in die Augen und sagte: Ihr seid dereinst die Schiffsführer, die an den Ufern des Bodensee, von Rotterdam, Antwerpen, Amsterdam etc. herkommend, Euere Ladung löschen werdet. Kauft Euch dann frühzeitig ein Häuschen am Rhein, wenn Euere Kinder zur Schule gehen.

    Wau, dachten wir und erstarrten förmlich vor Ehrfurcht.

    1958 löste sich auch beim letzten die Ehrfurcht, als das Projekt sang und klanglos beerdigt wurde.

    Das hiess für uns , die wir vorwiegend aus dem Binnenland kommend, ich aus dem Zürcher Weinland,

    dass das Ende der Strippe Basel sein und bleiben wird.

    Da begann eine eigentliche Landflucht, weil im gleichen Zeitraum auch der Stern über unserer stolzen Reederei zu sinken begann.

    1960 ging auch ich an Land. Ich zog die Schiffer Klamotten aus, zügelte nach Eglisau, wo meine Vater für u.A. auch für mich, eben dieses Häuschen am Rhein bereitgestellt hatte.

    Ich zog das Soldatengewand an und ging wiederum in eine 2Jährige Lehre, die des Berufssoldaten.

    Doch es waren auch Märklin Damflokomotiven in meinem Seesack !

    jack

  • Da sich die Plätze der Berufsausbildung auf den verschiedensten Waffenplätzen der Infanterie in der ganzen Schweiz befanden, erhielt ich, der ich 10 Jahre als Jungmann im Ausland war, als traumhafte Zugabe die eindrückliche Gelegenheit, zum Einen meine Heimat, zu andern die Sprach- und Kultur Regionen der Schweiz vor Ort kennen zu lernen.


    Und welch eindrückliches Erlebnis, die noch vorhandenen Bahnbetriebswerke z.B. Rotonde Sargans, Delémont, Lokschuppen Rapperswil, noch mit musealem Dampfinhalt in der dienstfreien Zeit erforschen zu können.


    Ich kletterte in meinem Combinaison auf allen möglichen Dampflok's herum.


    Im Jahr 1993 pensioniert, meldete ich mich sofort im VHS Luzern und konnte dort peu à peu den Betrieb als Lokführer der Dampfbahn übernehmen und praktizieren.

    Ich durfte viele Schulklassen praktisch lehren, eine (Mini )Dampflok aufzuheizen, fahrbereit zu erstellen und in Betrieb zu nehmen.


    Als die Chinalok QJ Quin Jan ins Museum kam, durfte ich zudem, diese Museum - Konform zurecht machen und betreuen.

    Ich war verliebt in sie und bekam die Chance, sie ins Technische Museum Sinsheim zu beheimaten und dort wiederum museumskonform zu präsentieren.


  • Hoi jack

    Sehr interssant sind deine Geschichten und Bilder aus der Süsswasser Matrosenzeit. War früher auch mal mein Traum, um meinem Namen gerecht zu werden, aber es kam dann halt anders. Ein Grossonkel hatte es bis zum Schiffsingenieur geschafft und war auf den Weltmeeren unterwegs. Bis ins hohe Alter ist er immer wieder nach Hamburg gereist, um wieder mal Seemannsluft zu Schnuppern. Eine Frage habe ich noch, die Dampfbahn damals im Verkehrshaus könnte es diese gewesen sein mit Dir ?




    Gruss Ernesto

  • hallo Ernesto


    Das war sie, so etwa um 1990.


    Diese ist die Ausführung um 2006, meiner Pensionierung als Chef Dampfbahn im Verkehrshaus.



    Gruss jack

  • Hallo Tinu

    Prima, besten Dank für den pic-fein bekleideten Zugchef !

    Habe diese Herren noch in bester Erinnerung, halfen sie doch oft,

    den überschweren Seesack ein Schippers hinauf ins Gepäcknetz zu bugsieren.


    Dank an alle, die sich bei der Richtigstellung der Zufahrtslinie via Badischer Bahnhof engagiert haben.

    Habe den Bahnbogen etwas zu weit gespannt, hätten wir mit unserm Schleppi - Löckeli, wie wir es nannten, auch mal da hinauf dampfen können, hätten wir es life erlebt und den Bahnduft der grossen, weiten Welt atmen können.


    Und natürlich einen ganz speziellen Dank für den perfekten Plan der Eisenbahnanlage Hafen-Bahn-Kleinhüningen !!!


    Als ich/wir, im zweiten Beruf in der Region Bure mit den Schützenpanzern das Land umpflügten,

    pflegten wir zu sagen, I ha garnid gwüsst, dass d'Schwyz do no Land het.


    jack

    Einmal editiert, zuletzt von traumbahn77 () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Region Bure mit den Schützenpanzern

    Ich will deinen thread nicht verwässern, trotzdem Quizfrage: Wie kamen die Panzer nach Bure? Mit der Eisenbahn, natürlich; für operative Eisenbahner eine nicht ganz alltägliche Arbeit - die Steilrampe hoch.