Ist die digitale Geschwindigkeit abhängig vom Gefälle?

  • Liebe Forumisti

    Beim analogen Fahren ist es klar. Geht es auf der Anlage bergauf, wird der Zug langsamer, am Trafo muss man aufdrehen um die Geschwindigkeit konstant zu halten. Aber wie ist es beim digitalen Fahren? So wie ich das verstehe, ist die Impulsbreite je nach Fahrstufe anders. Also fährt der Zug innerhalb des "Stottertakts" immer noch analog. Die Gesetze der Physik müssten also sich genau gleich auswirken. Was mich unsicher macht, sind die Aussagen wie "lastunabhängige Fahrgeschwindigkeit". Wenn das stimmen soll, müsste doch die Fahrstufe bei einer Steigung erhöht werden, sonst würde der Zug langsamer. Ich kann mir vorstellen, dass man das regeln kann. Aber wie merkt die Zentrale die grössere Last?

    Kann mir da jemand auf die Sprünge helfen?

    Herzliche Grüsse

    Oski

    signatur_egos.jpg

    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • Guten Morgen Oski


    Das „merkt“ der Decoder (misst es, Stichwort Gegen-EMK).


    Die Fahrstufe der Zentrale ist der Sollwert, der Decoder regelt in der Lok nach, wie ein eingebauter Lokführer. Das ist schon toll, was da heute möglich ist;)

  • Hallo Oski


    Die Decoder messen konstant die Drehzahl des Motors (mit Gegen-EMK). Sinkt die Drehzahl des Motors wegen grösserer Last, so regelt der Decoder nach und verbreitert die Impulsweite. Der Motor wird wieder schneller. Oder umgekehrt.


    Die Fahrstufe der Zentrale ist dabei lediglich die Sollgeschwindigkeit.


    Gruss

    Teddy


    PS: Christian war schneller...

  • Das muss man sich so vorstellen:

    Ein Motor ist auch ein Generator. Wenn man von Hand an der Motorwelle dreht, wird eine elektrische Spannung induziert, welche an den Anschlussklemmen abgegriffen werden kann.

    Diese Spannung entsteht auch wenn der Motor elektrisch angetrieben wird. Je schneller sich der Motor dreht, desto höher steigt die induzierte Spannung an den Anschlussklemmen. Diese Spannung kann der Decoder messen. Aus der Differenz der beiden Spannungen, die vom Decoder angelegte Spannung und die vom Motor induzierte Spannung, kann der Decoder erkennen wie gross die Korrektur sein muss. Ist die Differenz null, hat der Motor den Sollwert erreicht.


    Fällt jetzt die Strecke ab und die Lok wird schneller, wirkt diese Kraft ja auf den Motor welcher rascher dreht und eine höhere Spannung abgibt. Aus der daraus enstehenden Spannungsdifferenz, kann der Decoder erkennen, dass er zurückregeln muss.

  • Hallo Oski


    Das Ganze findest du im Decoderbeschrieb unter dem Abschnitt Lastregelung, diese kann auch ausgeschalten werden, wenn man die nicht möchte.

  • Hallo Christian, Teddy und Dani

    Besten Dank für die Erklärung der Gegen-EMK. Das hörte ich meines Wissens noch nie. Aber vorstellen kann ich es mir jetzt. In Wikipedia findet man das zwar auch, aber eure Erklärungen sind mindestens so gut.


    Hallo Michel

    Besten Dank für den Tipp. Das habe ich sofort nachgeschlagen in ESU V4. Das ist gut beschrieben und hat eine Tabelle mit den notwendigen CV-Werten für verschiedenste Motorhersteller.


    Warum habe ich das überhaupt gefragt? Im Java Programm muss ich für jede Lok eine Geschwindigkeitstabelle mit den Fahrstufen als Input hinterlegen. Klar, hätte ich auf der Anlage einen Rundkurs ohne Steigungen, müsste ich das Lastverhalten nicht kennen. Aber eben, ich habe eine kleine Steigung und wieder ein kleines Gefälle im Rundkurs. Wenn ich Eichfahrten mit konstanter Fahrstufe machen soll, muss der Decoder die Geschwindigkeit regeln.

    Ich berechne nachher auch den Fahrweg mittels der Eichgeschwindigkeit. Das Anhalten vor einem roten Signal soll einigermassen am richtigen Ort sein. Diese Anforderung wird umso besser erfüllt, je genauer der Decoder die Geschwindigkeit halten kann.


    Nun danke ich alle Beteiligten nochmals herzlich, dass ihr einem alten Klaus auf die Sprünge geholfen habt.

    Liebe Grüsse aus Winterthur

    Oski

    signatur_egos.jpg

    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • Hallo Oski


    Gerade der ESU LP V4.0 beherscht auch das einmessen seiner Lastregelungswerte, dies hat mir schon oftmals zu einem sehr sanften Fahrverhalten der Fahrzeuge verholfen, wird ebenfalls gut beschrieben.


    Die Decoder können meiner Meinung nach die Geschwindigkeit sehr gut halten, hatte da im Bereich H0m einmal einige Tests mit dem Train Controller gemacht, da waren Halte vor den Signalen in + / - 10mm möglich, dies trotz wechselnder Gefälle / Steigungen zwischendurch.

  • Hallo Michel

    Das ist eine gute Nachricht, danke. Ich habe im Programm eine gerechnete Reserve von 10 cm vor dem Signal vorgesehen. Würden diese 10 cm überfahren, gäbe es eine Verletzung des Sicherheitsabschnittes im Block, was dann vom Programm ausgewertet würde. Wenn also +/- 1 cm zu erreichen sind, wäre das völlig ausreichend.

    Gruss Oski

    signatur_egos.jpg

    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!