Tunnel-Oberleitung bei der ChRB

  • Nicht, dass ich technisch mitreden könnte. Ich denke aber, die Haltbarkeit wird uns noch überraschen. Es ist ja nicht nur das Material, sondern auch die Drucktechnik. Gerade grössere Elemente werden nicht "am Stück" gedruckt, sondern mit einer Wabenstruktur ausgefüllt. Das macht die Teile unglaublich zäh - wenn man sie richtig auf den Drucker legt...


    Ich habe jetzt seit einigen Jahren Verbindungselement im Einsatz, welche ich im Unterbau meiner Anlage im Verbund mit Metallprofilen einsetze. Da kommt einiges an Belastung drauf, aber das Zeugs zeigt noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Geschichtet sind sie so: 1.4mm oben/unten, 3mm Wabenstruktur, liegend gedruckt.


    Aus PLA übrigens. Naja, wegen Sturzi werde ich jetzt wohl mal PET ausprobieren...

  • Mit 100% Füllgrad arbeiten wäre völlig sinnbefreit, da kann man die Teile gleich spanend herstellen. ABS ist sicher ein hochwertiger Kunststoff aber nicht so einfach zu drucken wie PLA. Es gibt noch weitere Kunststoffe die sich ähnlich gut drucken lassen wie PLA aber sonst eher Eigenschaften wie ABS haben. Ich weiss jetzt nicht gerade welche das sind. Wir kaufen unsere Filamente meistens im 3D Printerstore oder bei Fabru. Soweit ich weiss funktioniert auch nicht jeder Typ Kunststoff auf allen Druckern gleich gut. Interessanterweise bestehen sogar bei gleichem Werkstoff in unterschiedlichen Farben Unterschiede im Druckverhalten.

    Gruss Erwin



    Wer rast, der verpasst das Leben.


    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Jetzt habe ich auch noch den Querträger konstruiert. Ich kann damit nicht nur 4 Gleise abdecken, wie anfänglich vermutet, sondern sogar bis zu 6. Mit einer Länge von 312 mm ist das das Maximum, das ich mit meinem Drucker herstellen kann. Das Druckbett erlaubt eine Maximalgrösse von 250 x 210 mm. Aber wenn man das Objekt diagonal druckt, kommt man auf etwas mehr als 320 mm (Pythagoras lässt grüssen).


    Ich habe mal zwei Varianten erstellt:




    Andere Varianten sind natürlich möglich und die werde ich je nach Bedarf herstellen.


    Was ich bis jetzt gemacht (und gezeigt) habe, sind erste Prototypen. Jetzt warte ich mal ab, bis wir den Schattenbahnhof bauen. Dann werde ich erst ein paar Gleise mit dieser Art Oberleitung ausrüsten und dann im Betrieb testen. Erfahrungen sollen einfliessen können, bevor ich Masten, Ausleger und Querträger im grossen Stil produziere.


    Über weitere Erfahrungen und Entwicklungen werde ich dann im Thread "ChRB (Christoph-Röbi-Bahn) - dritte Anlage" berichten.

  • Ganz toll gemacht, Röbi. Ganz spontan denke ich, dass sich die erste Variante besser bewähren wird: ein besserer Stand auf der Anlage und keine langen Ausleger aussen, verspricht bessere Stabilität dieser Teile.

    Gruss Roger


    95 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Die Variante 2 ist von der Mechanik her die bessere. Die Querträger sind von Stütze zu Stütze immer gleich lang.


    @Röbi


    Falls du deinen Drucker im Programm unterbrechen kannst, in den Querträger ein Metallstück einlegen und dann fertig drucken. So erreichst du bei der Variante 1 mehr mechanische Stabilität.

    Gruss Erwin



    Wer rast, der verpasst das Leben.


    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Hoi Röbi

    Mir gefallen diese Querträger auch. Ich sehe das wie Roger: die langen Ausleger ergeben grössere Momente und damit auch grössere Durchbiegungen. Allerdings sind die Kräfte sehr klein und wenn der Materialquerschnitt gross genug ist, kann das aufgefangen werden.

    Gruss Oski

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    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • Vielen Dank für eure aufmunternden Rückmeldungen.


    Es werden wahrscheinlich beide Varianten (und noch einige dazu) gebraucht. Im Schattenbahnhof hat es wegen der Weichen, Weichenantriebe und der diagonalen Gleisverbindungen nicht an jeder beliebigen Stelle Platz für einen Mast. Deshalb braucht es eine flexible Vielfalt von Trägern.


    @Erwin:

    Deine Idee ist genial. Diese langen Queträger werden nämlich systematisch leicht krum, sobald ich sie von Druckbett abnehme (man sieht es sogar auf den Bildern). Das passiert auch wenn ich die Träger bis zum vollständigen Abkühlen auf dem Druckbett lasse. Weil das Material (PETG) elastisch bleibt bis fast zum Bruch, kann ich es nicht geradebiegen. Mit anderen Worten: In kaltem Zustand ist das PETG sehr gut elastisch, aber kaum plastisch verformbar. Ich habe schon daran gedacht, die langen Varianten noch dicker zu drucken, aber das sieht dann wieder klobig aus. Bei den kurzen Varianten ist es kein Problem, da ist die Krümmung vernachlässigbar und man sieht sie kaum.


    Deine Idee ist DIE Lösung für das Problem :thumbup:. Ich konstruiere bei den langen Varianten im Kern der Querträger eine Aussparung in Längsrichtung, die genau zu einem bestimmten Metallprofil passt (wenn es nicht Sonntag wäre, wäre ich jetzt schon im Baumarkt, um einen geeigneten Profilstab zu suchen). Ich kann im Slicer (*) bei jeder beliebigen Layerhöhe eine Pause festlegen. Diese Pause soll stattfinden unmittelbar bevor die Aussparung zugedeckt wird (in der 3D-Terminologie spricht man da von Bridging, oder Überbrückung). Dann lege ich den Profilstab ein und lasse weiterdrucken. Ein paar Minuten später sieht man nichts mehr vom Stab. Der Querträger wird am Ende genau gleich aussehen, wie die beiden gezeigten Prototypen und niemand (ausser Erwin, ich und die anderen Leser dieses Threads) wissen, dass da Metall zur Versteifung drin ist.


    Sobald ich ein Muster eines geeigneten Metallprofiles habe, werde ich wiederum einen Prototypen herstellen. Dessen Herstellung werde ich selbstverständlich hier mit Bildern dokumentieren.


    (*) Der Slicer ist ein Software-Programm, der jedes Detail des Druck-Ablaufes festlegt. Der Slicer erstellt dann eine gcode-Datei, die in den Drucker geladen wird. Der Drucker druckt dann genau nach Vorgabe der gcode-Datei.

  • Hoi Röbi

    Im Architektur Modellbau gibt es Lieferanten für kleinste Profile.

    Hier ein Link: Profile aus Messing.

    Gruss Oski

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    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • Deine Idee ist genial.

    Röbi,


    Es ist nicht wirklich meine Idee. Das wurde mir im Januar 2019 von der Firma 3D-Model gezeigt. Die auf einer Markforged gedruckten Hebel unten sind ein Beispiel wie Metallteile in 3D gedruckte Teile integriert werden können. In diesem Fall eine Lagerbüchse, eine Gewindebüchse und am dunklen Streifen erkennbar, ein Versteifungsprofil.


    Mit Tempern kann die Eigenschaften des Kunstoffes, je nach Material, nach dem Drucken gezielt verbessert werden. Bei PET-G wird eine Temperatur von 90°C bis 110°C angegeben. Allenfalls lässt sich damit ein vorheriger Verzug wieder korrigieren. Einfach einmal versuchen.


    Gruss Erwin



    Wer rast, der verpasst das Leben.


    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • @Oski: Danke für den Tip und den Link. Das sieht gut aus. Da werde ich bestimmt etwas finden, was mir zusagt. Ich denke am ehesten an ein Flachprofil, das ich dann hochkant einbaue. Wahrscheinlich 2 x 5 mm.


    @Erwin: Mit Tempern habe ich es schon probiert. Das kam nicht gut. Muss allerdings sagen, dass ich es im Backofen bei 100° gemacht habe. Da ist erstens die eingestellte Temperatur sehr ungenau und zweitens weiss ich nicht welche Temperatur die richtige wäre. 90° bis 110° scheint mir bei meinem Material zuviel. Der Ausleger ist stark geschrumpft, sodass die konischen Zapfen (*) für die Verbindung mit dem Mast, merklich dünner und damit unbrauchbar wurden.

    Mir passt die Lösung mit einem eingelegten Metallprofil wesentlich besser.


    Ich habe mal aus Gwunder eine Kaffeetasse aus PETG gedruckt. Die Idee war, dass wegen der hohlen Wände ein bessere Isolation entsteht und damit der Kaffee länger warm bleibt. Das Warmhalten hätte schon funktioniert, wenn der Kaffee nicht ziemlich schnell durchs Material hindurch ausgelaufen wäre. Facit: Gegenstände aus PETG, die additiv hergestellt wurden, haben (wie du schon mal richtig festgestellt hast) ganz andere Eigenschaften als z.B. Spritzguss-Produkte. Ich denke, der Haupt-Unterschied ist, dass gedruckte Teile weniger dicht sind als solche aus Spritzguss. Das ist vermutlich auch der Grund für die Undichtheit und für das starke Schrumpfen beim Tempern.


    (*) sieht man auf den letzten beiden Bildern nicht, sind aber vorhanden wie bei den früher gezeigten Auslegern.

  • Mit dem FDM Drucker bekommt man typischerweise keine dichten Teile hin. Schon gar nicht wenn der Wasserdruck höher ist. Mit SLM, also Metalldruck ist das hingegen absolut kein Problem.

    Gruss Erwin



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  • Die Pieper'sche Verstärkung: Vollerfolg!


    Die Messing-Profile, die ich dank Oski's Tip bei "Wieser Modellbau-Artikel" gefunden habe, sind angekommen.


    Um das auszuprobieren, drucke ich einen weiteren Querträger, diesmal mit einer Verstärkung nach dem Vorschlag von Erwin.


    Das Messingprofil hat einen Querschnitt von 2 x 4 mm. In den Träger ist eine Aussparung mit den selben Abmessungen einkonstruiert. Der Drucker pausiert unmittelbar, bevor er die Aussparung zudeckt.


    Ich lege das Profil ein. Es passt wunderbar und ist oben genau bündig.


    Nach dem Weiterdrucken wird der Messingstab zugedeckt.


    Der Querträger ist fertig gedruckt, befindet sich aber noch auf dem Druckbett zum Abkühlen. Vom Messingprofil sieht man nichts mehr. Ohne Zerstörung des Trägers wird man es auch nie mehr sehen.


    Der fertige Träger ist bolzengerade und sehr stark. Ich werde nun alle Querträger ab einer Länge von ca. 200 mm mit einer solchen Verstärkung fertigen.

  • Hoi Röbi

    Gratuliere zu deinem Erfolg! Du bist einfach Spitze!

    Herzliche Grüsse

    Oski

    signatur_egos.jpg

    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • Ich gratuliere ebenfalls!^^


    Zufälligerweise war ich heute persönlich im neuen Geschäft von Wieser Modellbau (und habe ebenfalls Modellbau-Material gekramt.)

    Das Geschäft folgte mir dieses Jahr von Höngg nach Altstetten - so, dass der Laden nach meiner Versetzung wieder nur 200 m von meiner Dienststelle entfernt liegt.:love:

    Gruss Roger


    95 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Lieber Röbi,

    ich bin nicht sicher, ob Du meine Mitteilung in den Konversationen gelesen hast. Jedenfalls danke ich Dir zusätzlich noch an dieser Stelle, dass ich von Deinem neu erworbenen Können in Sachen 3-D-Druck auf eine ganz besondere Weise einen praktischen Nutzen und eine liebe Erinnerung an dich erhalten habe. :)

    Gruss Roger


    95 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Röbi,


    Schön, dass es funktioniert. Du hast deinen Drucker scheinbar gut im Griff. Mit welcher Software arbeitest du?

    Gruss Erwin



    Wer rast, der verpasst das Leben.


    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • ich bin nicht sicher, ob Du meine Mitteilung in den Konversationen gelesen hast. Jedenfalls danke ich Dir zusätzlich noch an dieser Stelle, dass ich von Deinem neu erworbenen Können in Sachen 3-D-Druck auf eine ganz besondere Weise einen praktischen Nutzen und eine liebe Erinnerung an dich erhalten habe.

    Ja, Roger, ich habe es natürlich gelesen und es hat mich sehr gefreut. :thumbsup:

  • Schön, dass es funktioniert. Du hast deinen Drucker scheinbar gut im Griff. Mit welcher Software arbeitest du?

    Danke, Erwin. Habe mich ja auch intensiv mit der Materie auseinandergesetzt.

    Die Konstruktionen mache ich mit OpenSCAD (bin halt immer noch ein Programmierer und daher liegt mir das am besten). Slicen tue ich mit dem Prusa-Slicer. Das passt am besten zu meinem Prusa-Drucker und zum Prusa-Filament, welches ich meist verwende.