Erfahrungen Blecheisenbahn Spur 0

  • Hallo zusammen!


    Ich habe von meinem Grossvater noch eine alte Spur 0 Blecheisenbahn.

    Dieses fährt rein mit Uhrwerk und nicht mit Strom. In diesen diversen Schachteln sind noch recht zahlreich Lokomotiven, Gleismaterial und ganz viele Zubehöre dazu.

    Mich nimmt nun wunder hat jemand Erfahrung mit solchen Stücken und was für Gleisanlagen kann man damit bauen?

    Für mich ist klar nicht elektrifizieren und behalten um damit zu fahren.


    Gruss BLS Bruneli

    :spiteful: :spiteful: :spiteful: :spiteful: :spiteful: :spiteful:

  • Hast Du irgendwo ein Firmenlogo gefunden? Könntest Du eventuell ein paar Bilder einstellen?


    Es kommt drauf an, wie alt die Blechbahn ist und deshalb auch, was für Schienenmaterial Du verwenden kannst.

    Gruss


    Roland

  • Hallo Spiezer Bruneli,

    schön dass Du die Blechbahn weiter verwenden willst :thumbsup: . Auch eine Uhrwerkbahn bereitet viel Freude und ist bei sorgfältiger Behandlung unkaputtbar. Und eine schöne Blechbahn hat eine Aura, da sind die meisten modernen Bahnen noch weit davon entfernt.


    Vielleicht weiss jemand anderst darüber mehr? Ich kann Dir meinerseits nicht viel darüber berichten, weil "Spur 0" und "Uhrwerk" sind viel zu wenig Anhaltspunkte / Stichworte. Es gibt locker an die 60 Uhrwerkhersteller von 1892 bis mindestens 1955 von Billigstqualität bis sehr hochstehende Modellbau Mechanik. Genaugenommen jeder Hersteller mit seinen spezifischen Eigenheiten. Ohne Fotos kann ich nicht wissen was Du hast, entsprechend auch keine Sinn gebende Auskunft liefern. Ausser langweilige Allgemein Floskeln.


    Nach 1955 ging der Anteil Uhrwerkbahnen, (bis auf ein paar Billighersteller) stark zurück, Märklin ist halt eben doch der Marktführer. Beendet Märklin etwas, folgen die Mitbewerber diesem Trend auch. Ebenso umgekehrt: Abgesehen von den Digital Vorläuferin wie Trix EMS etc, beginnt Märklin mit etwas, z.B. 1985 mit Digital, folgten (leider?) alsbald sämtliche anderen Hersteller diesem Trend auch.


    Vor 1892: Uhrwerk Eisenbahnen gibt es ab etwa 1850 vereinzelt als Manufaktur-Produkte. Nicht unbedingt finanziell, aber kulturell sind solche Stücke äusserst wertvoll. Aber es gab vor 1892 noch gar keine Normgleise, oder teils gar überhaupt keine Gleise, geschweige normierte Spurweiten und oder normierte Nenngrössen. Die Wahrscheinlichkeit dass jemand eine Eisenbahn vor 1892 hat, ist nahe 0. Und wenn selten mal doch, sind die Objekte meist total verbastelt und somit uninteressant. Die guten Modelle vor 1892 befinden sich zu 99,9% längstens in Museen.


    Die grössten Auflagen / Stückzahlen hatten die Spur 0 Uhrwerk Eisenbahnen von 1920 bis 1955.


    Nachteile der Uhrwerk-Eisenbahn:

    Speziell die alten Ausführungen: Kaum Drehmoment / Zugkraft. Es ist gar nicht mal die begrenzte Reichweite, gute Exemplare bringen es immerhin an die 50 - 100 Meter zurückgelegte Strecke. Hat man nur schon minimale Ansprüche, ist ein vernünftiger Fahrbetrieb nicht wirklich möglich. Fährt die Lok alleine, oder mit zu leichtem Zug, zischt er viel zu schnell davon, bis zur nächsten Kurve oder Weiche... Der Leader Märklin hat schon gar nicht erst verheimlicht, dass auch seine Produkte meist entgleisen, sondern Märklin hat immer wieder erwähnt, das Märklin-Produkte bei Entgleisungen keinen Schaden nehmen würden. Schade hat Buco seine Lokomotiven äusserlich etwas gar einfach spielzeughaft gestaltet. Denn mechanisch waren seine Produkte top(!). Buco hatte eine echte Null-Stellung und ein sehr gutes Verhältnis Tempo zu Zugkraft. Bei Buco sind Entgleisungen nicht (mehr) üblich. Doch Buco kam damit 20 Jahre zu spät, Uhrwerk Eisenbahnen waren viel beliebter als Brio-Bahn, oder überhaupt keine Modellbahn. Doch gegen das elektrische 20 Volt System hat auch ein einwandfreies Uhrwerk keine Chance zu bestehen.


    Märklin verwendete auf Wunsch als potentielle Möglichkeit auch brachiale Methoden, letztendlich zwecklos, seinen Uhrwerkbahnen Manieren beizubringen: Um mehr Zugkraft aufzubringen, konnte man in den Zug einen Kraftwagen einfügen. Im Grunde ein weiteres separates Uhrwerk, in einem Güterwagen verkleidet. Und / oder gab es je nach Hersteller auch einen Bremswagen, dieser verhinderte das ungewollte viel zu schnelle losschiessen des Zuges, aber wenn ohnehin das Drehmoment schwach ist, verlängerst ein mechanischer Bremswiderstand ganz sicher nicht die ohnehin limitierte Reichweite des Zuges.


    Hochwertige Loks namhafter Hersteller aus Göppingen und Nürnberg hatten eine echte Untersetzung was den Namen verdient. Das war und ist der einzige vernünftige Weg, damit das Modell nicht zu schnell davon schiess, mehr Zugkraft hat und eine längere Reichweite. Aber eine Untersetzung war teurer und schwierig zu erreichen, da der Platz, insbesondere seine Breite durch die Spurweite begrenzt ist. Auch müssen die Lokomotiven-Zahnräder eine Mindest-Materialdicke haben, es wirken wesentlich mehr Kräfte auf die Mechanik, als vergleichsweise an einer Uhr. Zu dünne, zu billig ausgeführte Zahnräder verbrauchten sich viel zu schnell. Zudem ist bei gut untersetzten Modellen das ständige Uhrwerkaufziehen mit der Zeit ein Kraftakt.


    Ideal sind einfach Anlagen und man braucht das Uhrwerk ja beim 1.mal nicht voll aufzuziehen, wenn man noch nicht sicher ist, wie schnell die Lok fährt, bez. ob das aufgestellte Gleisoval das Tempo verträgt.


    Anlage Möglichkeiten: theoretisch unendlich!!! es gab schon sehr früh nahezu sämtliche Weichen und Weichenkombinationen jeder Art auch als Modell. Aber auch da liegt ein Widerspruch: Schnellfahrweichen haben ein Verhältnis von 1:20 bis 1:30. (Gab es damals noch gar nicht). Eine übliche klassische Weiche hat ein Verhältnis von etwa 1:9. Nie und nimmer kann das bei Uhrwerkbahnen eingehalten werden. Einerseits fahren Uhrwerkbahnen entweder gar nicht, oder aber viel zu schnell, nur langsam kaum. Gleichzeitig ist der Abzweigwinkel der Weichen um Grössen viel zu steil. Das harmoniert schlecht zusammen. Massstäblichkeit im heutigen Sinne gab es noch gar nicht, egal welche Spurweite, zu den Pionierzeiten sollte die Anlage auf einem Tisch Platz finden. Also definierte auch der Tisch und nicht die Nenngrösse/Spurweite den Platzbedarf. Vereinfacht ausgedrückt: der damalige Massstab 1:45 entsprach (zu Beginn) etwa dem heutigen H0 Durchmesser.


    An Anlage Vorlagen zum Träumen fehlte es wahrlich nicht, was aber nicht sehr funktionell war. Auch wenn seitenweise Riesenanlagen und die Stücklisten dazu aufgeführt wurden, mehr als 90 % der effektiv verkauften Gleisanlagen waren ein Kreis, bestenfalls ein Oval mit einem Überholgleis und einem Abstellgleis mit Prellbock. Mehr gab es da im Durchschnitt nicht, bez. alles was da darüber hinaus ging, beschränkte sich auf ganz wenig Leute.


    Wahrscheinlich wollte schon vor über 100 Jahren der Hersteller gut verkaufen und seine Kundschaft träumte von Grossanlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein entgleisungsfreier Betrieb in so derart ineinander verschachtelten Anlagen möglich war? Wahrscheinlich dürfte so eine Anlage. mit viel Zubehör äusserst imposant ausgesehen haben, aber Fahrbetrieb dürfte nur auf einem Teilbereich statt gefunden haben. Solche Anlagen waren primär für das Auge gedacht und der effektive Fahrbetrieb musste man sich in seiner Fantasie vorstellen.


    Zum finanziellen Wert

    Das Rollmaterial wird heute meist überschätzt, eine 2-achsige Standardlok welche zig tausendfach produziert wurde, dazu fehlt heute die Nachfrage. Wert nahe 0.- Gut erhaltene Uralt Loks, oder modellgetreue Uhrwerkloks finden gute Nachfrage und erstaunlich gute Preise, aber solche Objekte dürfen weder bespielt sein und die Auflagen waren gering, nach 80 bis 130 Jahren lassen sich kaum noch solche anspruchsvolle Modelle in Sammlerqualität finden.


    Beim Zubehör ist es eher umgekehrt: Bing und Märklin, um die bekanntesten zu nennen, hatten nicht nur Bahnhöfe, sondern das komplette Sortiment im Angebot. Wohl waren die Ausführungen nicht (ganz) massstäblich, aber insofern vorbildgetreu, was es 1:1 gab, war auch ohne wenn und aber in Spur I und 0 zu finden. Nicht nur das Übliche, sondern auch Postamt, Zollamt, Gefängniswagen, Kiosk, verschiedenste Bahnsteig-Zubehöre, Schuhputzer, Gepäckträger, Bahnarbeiter, Polizei und Verkaufsbuden bis Telephonkabinen all dies und noch viel mehr gab es als Modelle zu kaufen. Gut ausgeführte hochwertig gefertigte Stücke waren aber preislich dem Aufwand entsprechend hoch angesetzt. Die etwas gröber einfach gefertigten Zubehöre der Massenproduktion sind heute nicht mehr so gefragt. Topqualität ist sehr gefragt, aber nach 120 Jahren kaum noch zu finden. Bei Top Sammler Objekten sind auch Fälschungen immer wieder anzutreffen.


    Was es gibt und um eine ungefähre Preis Ahnung zu bekommen, die Reinhard Schiffmann Spur 0 Sammler Kataloge sind aus meiner Sicht äusserst zu empfehlen, nur schon um einen Überblick zu bekommen.


    Gruss

    Hermann

    Analog ist cool:)

    2 Mal editiert, zuletzt von Longimanus ()

  • Hier ein paar Fotos aus Katalog Fragmenten etwa von 1900 bis 1912. Man hatte eine völlig andere Vorstellung von der Ideal-Anlage.


          


          


          


    Äusserst bemerkenswert empfinde ich den Gleisplan Vorlage 101: Ich verstehe das Konzept dahinter nicht. Jetzt hat da jemand so viel Platz und die Möglichkeit für eine Grossanlage, mit so vielen Weichen und die Hersteller Empfehlung ist eine extreme verschachtelung. Unfallgefahr nahe bei 100%. Ein berührungsfreier 2-Zug Betrieb ist trotz so vielen Weichen und üppiger Anlage nicht möglich. Das lässt nur einen Schluss zu: es ist eine eingleisige Anlage für EINEN Zug mit sehr vielen Abstellgleisen zur Dekoration. Die Erwartungshaltung von einem heutigen Betrieb, dies ist mit Uhrwerk schwer vorstellbar.


    Nicht von Ungefähr bewarb u.a. Märklin schon deutlich vor dem 1.Weltkrieg, also vor über 100 Jahren in seinen Uhrwerk Schienenplänen für elektrischen Betrieb. Zu der Zeit noch entweder Batterie Betrieb 4,5 Volt oder für "Starkstrom" 110-230 Volt". Jedenfalls bei Uhrwerk Gleisanlagen war die mit grossem Abstand häufigste Anlage die Vorlage No 1 (ein simpler Kreis), trotz dem sehr üppigen vollständigen Angebot.


         


    Gruss

    Hermann

    Analog ist cool:)

  • Äusserst bemerkenswert empfinde ich den Gleisplan Vorlage 101: Ich verstehe das Konzept dahinter nicht.


    Das entspricht wohl dem damaligen Zeitgeist. Von der Darstellung einer vorbildgerechten Modellbahn sprach kein Mensch Diese Anlage sollte in seiner Grösse vor allem dekorativ sein - wie auch die damalige Architektur und vieles andere mehr. Spielzeuge dieser Art waren nicht zuletzt auch Statussymbol.

    Gruss, René

  • Hoi zäme


    Auch wenn heutzutage die Supermodellbahner natürlich eine andere Vorstellung von Modelleisenbahn haben (vorbildgerechten Betrieb, Alterung, glaubhafte detailgetreue Landschaft, weniger ist mehr etc.), ist es natürlich im ureigensten Interesse der Modellbahnhersteller, möglichst viele Artikel zu verkaufen, also werden bei den Anlagevorschlägen natürlich alle Ecken zugebaut. Modellbahn ist und war halt einfach immer auch ein Geschäft. Von Typen wie mir, welche mit Flohmarktartikeln und Tumblerfilterrückständen rumklüttern (und ich gehöre nicht mal zu den Supermodellbahnern) könnte kein Betrieb leben. Ich erinnere mich, dass im andern Forum mal die Bestückung eines Noch-Tiefziehgeländes diskutiert wurde, und viele Mitglieder die absurd unrealistische und überladene Strecke, als schöne grosse Anlage angesehen haben...so sind die Geschmäcker halt verschieden und das ist auch nicht verboten. In einem ähnlichen Gleisplanheft wie oben habe ich übrigens mal die Gotthardnordrampe ohne jegliche Steigung gesehen, wobei dann der Spiraltunnel als Kreis mit Kreuzung ausgeführt wurde....und ehrlich, ein bisschen charmant ist das ja auch.


    Gruss Barni

  • Spielzeuge dieser Art waren nicht zuletzt auch Statussymbol.

    Ja René, das darf es ja auch...


    Also wenn schon Statussymbol und Prestige, dann muss sich dies ja nicht zwingend mit Funktionalität widersprechen, sonst wirkt Prestige künstlich aufgesetzt.


    Märklin wird mir hoffentlich wohl nicht übel nehmen, nach 118 Jahren, wenn ich ihren Gleisplan kritisiere. Ich bin offensichtlich nicht geschickt mit Fotoshop, aber hier konnte ich es wirklich nicht lassen, sorry mangels Können wirkt meine "Fälschung" so dilettantisch :facepalm: . Aber mindestens sieht man was ich auf meine Art am Gleisplan besser finde. Es sind im Total mindestens genau gleich viel Weichen, nichts habe ich weggelassen, aber anderst platziert. So können 2 Züge statt nur einer, kreuzungsfrei ihre Runden drehen :). Mit nochmals minim mehr Aufwand, könnte man aus dieser Anlage sogar 3-Zug Verkehr gestalten.


    Aber ich denke, mit Uhrwerk ist so eine Anlage eh nicht wirklich möglich,1904(!). Wie Eingangs erwähnt, zu schwach aufgezogen mag die Lok die Züge nicht und nur schon 50% aufgezogen, sind die Weichenwinkel und Kurven viel zu steil, bez. zu eng gebogen, für einen sicheren Uhrwerk-Fahrbetrieb. Ich finde meinen Vorschlag trotzdem attraktiver. Wenn beim Skifahren 3-4 Pisten zu einem Knotenpunkt zusammentreffen, hat es immer wieder sinnvollerweise gelb-schwarz-orange Warnschilder: Achtung bitte langsam fahren.



    weniger ist mehr, oder mehr ist mehr? Eine der ewigen Philosophen Fragen. Ja Barni, für möglichst viel verkaufen wollen, dafür habe ich Verständnis, als ex Auktionator sowieso. Der Hersteller dieses Originalgleisplans hat aber das Risiko, dass der Besitzer wegen zu vielen Unfällen sein Hobby zu früh aufgibt, statt ein Leben lang dem Modellbahn-Virus treu bleibt :D.


    Gruss

    Hermann

    Analog ist cool:)