Dieser HAG SBB Triebwagen Katalog No 150 ist wie gemacht für Sammler, weil nichts daran exakt modellgetreu ist und trotzdem wunderschön. Was wäre ein einheitlich korrekt dargestelltes vorbildgetreues Modell ohne Ausnahmen und Widersprüchen? Das wäre ja fast schon langweilig. Aber beim HAG Triebwagen BFe 4/4 hat es HAG schon ein wenig auf die Spitze getrieben.
Umstrittenes Modell HAG Katalog-Nr. 150 (AC) / 151 (DC) BDe 4/4 versus RBe 4/4:
Die offizielle Darlegung ist: bei der Evaluation vom RBe 4/4 hätte sich HAG auf eine SBB Projektstudie konzentriert und sich dann die SBB anderst entschieden. Die Firma HAG jedoch schon die Zinkdruckguss Rohlinge in Auftrag gegeben und bereits erhalten. Ich möchte nicht dagegen sprechen, aber für mich geht es zeitlich nicht auf. Ich glaube das ist eher ein schöner Mythos.
Die Wahrheit wird wohl viel profaner pragmatischer gewesen: Die HAG Qualität ist legendär
. Die Modelle sind langlebig, sehr zugkräftig, schön lackiert und fahren mindestens die V/max des Vorbildes, oft auch deutlich schneller
, dennoch mit akzeptablen Langsamfahreigenschaften. Dafür nahm man es mit der Vorbildtreue nicht so 100% exakt, wie es über 60 Jahre später heutzutage erwartet wird.
Mit diesem Kompromiss konnte HAG ohne den jeweiligen Aufwand einer neuen Gussform zu erstellen, sondern mit dem selben Rohling den SBB BDe 4/4 erstellen, den SBB RBe 4/4 sowie die Triebwagen der BT, SOB, MO und WM. (Und ein paar wenige Einzelmodelle welche nie in Serie gingen) alles aus der selben Rohling-Grundform. Das wird wohl eine bewusste oekonomische HAG Entscheidung gewesen sein und alles andere als ein SBB Zufall. Und es passt zur HAG Philosophie der 1960-er Jahre.
Der SBB Triebwagen BDe 4/4 ab 1963 passt zeitlich zum HAG Triebwagen Zürcher Goldküsten-Express HAG No 170 SBB RABDe 12/12 HAG Modell-Bj. 1966-1969, aus 2 Steuerwagen und einem Mittelwagen (EW I) aus dem damaligen HAG Sortiment, das würde heutzutage auch niemals als SBB RABDe 12/12 von der Kundschaft akzeptiert werden, aber damals musste und wurde dies akzeptiert. Zumindest an den hohen Beschleunigungswert vom Vorbild, da ist das ca 60 jährige HAG Modell am vorbildlichsten, gegenüber seinen neueren und teureren Mitbewerber. Diese Zürcher Vorortriebzug hiess nicht nur Goldküsten-Express, sondern genau so populär war der Name "Mirage", durch dessen schnelle Beschleunigung. Wenn damals aus einem SBB EW I der Mirage entstand, dann sollten halt auch die Modellbahn Fans je nach deren Vorlieben einen BDe 4/4 oder einen RBe 4/4 oder einen BT Triebwagen kaufen, ohne dass der Hersteller dazu jeweils extra eine neue Gussform Herstellen musste.
Zum Vorbild:
Der SBB Triebwagen BDe 4 /4 wurde 1948 bestellt und 1952-1955 an die SBB ausgeliefert. Anfänglich als SBB CFe 4/4 841 - 871. Bereits 1958 - 1963 wurden diese Triebwagen umnummeriert und umbezeichnet als BDe 4/4 1621 - 1651. Mir ist nicht bekannt, dass es diesen Triebwagen als SBB BFe 4/4 je gegeben hätte.
Die SBB Projekt Studie RBe 4/4 muss um 1956 herum gewesen sein. Der SBB Triebwagen RBe 4/4 1401 - 1406 (Vorserie) wurde 1959/1960 abgeliefert. Und die Hauptserie SBB RBe 4/4 1407 - 1482 wurde 1963 - 1966 abgeliefert. Das HAG Modell 150 von diesem Triebwagen hatte grundsätzlich von Beginn an, auch als HAG "SBB BFe 4/4" die Nummer "1408" was dem Serien SBB RBe 4/4 entspricht. (Der BDe 4/4 hatte die No 1621-1651). HAG hätte also 1963 wissen können, wenn sie gewollt hätten, welches Designe ihre Nummer 1408 gehabt hatte...
Zur Katalog Beschreibung: 1963 wurde dieser SBB Triebwagen von HAG ausgeliefert. Bezieht man alle Varianten vom Typ No 150/151 mit ein, war er bis 1988 im HAG Katalog Angebot.
Zu Beginn ab 1963, hier ein HAG Katalog von 1966, liess sich HAG nicht auf die Äste hinaus, sie schreiben einfach (im Text) noch nicht mal SBB, sondern einfach; Spur H0 Triebwagen Nr. 150. (Gleichwohl hatte dieser Triebwagen an seiner Front erhaben die geprägte Nummer "1408" was ein RBe 4/4 sein muss.
z.B. 1977 wurde eindeutig Bezug zum SBB BDe 4/4 genommen, dem seine Vorbild Daten im HAG Katalog erwähnt, aber mit der Frontnummer "1408". Und u.a. im HAG Katalog 1983 wurde der Triebwagen sehr schön aufwändig dargestellt, mit den Kenndaten vom BDe 4/4, aber als RBe 4/4 1408 beschriftet(!).
Die Version 150 SBB RBe 4/4 mit bronze farbenen "Gold" Türen ist deutlich seltener. Üblich ist die hier gezeigte Version mit silbernen Türen.
Wenn schon mit "goldenen" Türen, ist dies eher noch als BFe 4/4 um +/- 1965-67 herum anzutreffen. (auch nicht häufig!) Standard war silberne Türen.
In der Regel mit dem von Buco übernommenen Stiftschleifer anstelle einer Schleifer-Schraube. Aber Achtung, nicht verwechseln mit den Buco Schleifern. Bei Buco erfüllt der Stift auch die elektrische Stromübertragung! Es hat und braucht kein Schleiferkabel. Bei Buco ist der Stift nicht vom Schleifer isoliert. (die Isolierung ist im Fahrwerk). Bei HAG ersetzt der Stift eine Schraube, ansonsten ist es ein Standardschleifer, welcher ein Kabel zur Stromübertragung benötigt.
Dito als DC Version: Auch hierbei gibt es dem Baujahr entsprechend leicht verschiedene Versionen. Elektrisch haben neuere & ältere Versionen das gleiche elektrische System. (Innerhalb von HAG AC oder HAG DC)
Bemerkenswert finde ich: noch heute findet man an Börsen recht häufig den HAG Standard SBB Triebwagen mit der erhabenen Schrift als BFe 4/4 "1408". Dabei nicht nur die 1408, bezüglich BDe 4/4, auch (Irrtum vorbehalten), den SBB Triebwagen BDe 4/4 1621-51 hat es gar nie als SBB BFe 4/4 gegeben. Er wurde ab 1952 als CFe 4/4 841-871 ausgeliefert und wechselte dann ab 1958 bis 1963 direkt zum BDe 4/4 1621-1651.
Egal ob falsch oder richtig im Sinne von Vorbildgetreue, als Sammler "muss" man letztendlich alle Varianten haben. 
Gruss
Hermann