SBB, S-Bahn Ausschreibung von Doppelstock Zügen

  • Stadler Rail hat bekanntlich kürzlich die Ausschreibung der SBB für neue Doppelstock S-Bahnzüge gegen Siemens verloren. Wenigstens nicht gegen die Chinesen.

    In diesem Artikel kommen zwei Experten mit ihren Meinungen zum Zug.

    Mir geht es nicht darum warum und wieso Stadler knapp gegen Siemens verloren hat. Im Artikel wird aus meiner Sicht viel zu wenig darauf eingegangen was eine öffentliche Ausschreibung beinhaltet und wie bescheuert die sein können. Ab einem Beschaffungswert von CHF 250'000 inklusive MWSt, ist der Bund verpflichtet eine öffentliche Ausschreibung zu machen. Die Schwelle ich für mich schlicht ein schlechter Witz. Der Aufwand dafür ist enorm, für beide Seiten. Bereits ab 160'000 muss im Einladungsverfahren der fast identische Aufwand getrieben werden. Nur die Ausschreibung bleibt erspart.

    Ich habe mich jetzt nicht damit auseinandergesetzt ob millionenschwere Ausschreibungen anderen Fristen unterliegen. Normal ist ein Projekt 40 Kalendertage auf SIMAP ausgeschrieben. Danach werden die Angebote ausgewertet und der Sieger, wenn es denn einen gibt, das ist nicht immer selbstverständlich, auf SIMAP publiziert. Anschliessend gibt es eine 20 Kalendertage lange Einsprachefrist, wenn Verlierer mit dem Entscheid nicht einverstanden sind.

    Im Wesentlichen besteht eine Ausschreibung aus den technischen Spezifikationen, die müssen zu 100 Prozent erfüllt sein, sonst muss darauf gar nicht eingegangen werden und den Zuschlagskriterien in denen Punkte die der Auftraggeber festlegt, bewertet werden. Wer dort die meisten Punkte holt, ist der Sieger. Mittlerweile macht der Preis in den Zuschlagskriterien bis zu 50 Prozent aus. Zu gut Deutsch, sind die technischen Spezifikationen erfüllt, zählt am Schluss fast nur noch der Preis.

    Dazu müssen noch umfangreiche Papiere zu Lohngleichheit und was auch immer ausgefüllt werden. Aufwände die sich bei kleinen Aufträgen oft nicht rechnen. In der Regel schauen auch hauseigene Juristen des Ausschreibers die Unterlagen nochmals an. Da sind auch nicht an allen Orten die Ansichten deckungsgleich. Am Meisten Einfluss kann über die technischen Spezifikationen genommen werden. Ich kenne Fälle, in denen offensichtlich ist, dass die Ausschreibung auf ein ganz bestimmtes Produkt abzielt. So etwas würde sich sehr einfach anfechten lassen. Da es aber meist um Beträge von wenigen 100'000 geht, macht das niemand. Da das Risiko in Zukunft bei freihändigen Vergaben nicht berücksichtigt zu werden, gross sein kann.

    Ist Stadler Rail mit dem Resultat nicht einverstanden, haben sie das Recht, die Einsprachefrist zu nutzen. Bei solchen Investitionsgrössen kann sich das durch aus lohnen. Bei 250'000 eher nicht.

    Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Stunden die Auftraggeber und Auftragnehmer in solchen Projekten verbrennen. Ich habe für eine Ausschreibung mit einem Budget von 290'000 über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten sicher 5 Arbeitswochen, wenn nicht mehr verbrannt. Vom Zeitaufwand her, war das mit Abstand die aufwändigste Ausschreibung die ich je durchführen musste. Das in zwei Anläufen, da die erste gescheitert ist.

    Eine S-Bahn auszuschreiben, den Sinn sehe ich ein. Ab 250'000 eine Ausschreibung zu machen, den Sinn sehe ich nicht ein. In gewissen Bereichen wird der Bund von aussen zur Ineffizienz gezwungen.

    Gruss Erwin


    Wer rast, der verpasst das Leben.

    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Lieber Erwin

    Es gibt noch viel mehr Ungereimtheiten in den internationalen Ausschreibungsverfahren. Stadler Rail hat auch einige Verträge, die sich auf den Unterhalt von s-Bahnen und Stadtbahnen beziehen. Sagen wir es doch deutlich: Kann Stadler eine Charge S-Bahnen liefern und verliert sie anschliessend die Ausschreibung des Unterhalts, muss sie präzise technische Details an den Gewinner des Unterhalts abgeben, die für einen fremden Mitbewerber zu einem ungeahnten Knowhow-Gewinn führen kann. Zum Beispiel, wenn der Mitbewerber die CCCR (Chinesische Bahnhersteller-Firma) ist, verliert die Stadler Rail einen rechten Teil des technologischen Vorsprungs. Und bei der nächsten Ausschreibung oder Nachbestellung bietet der fremde Lieferant dann deutlich tiefer.

    Gruss Oski

    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • ...Im Artikel wird aus meiner Sicht viel zu wenig darauf eingegangen was eine öffentliche Ausschreibung beinhaltet und wie bescheuert die sein können. Ab einem Beschaffungswert von CHF 250'000 inklusive MWSt, ist der Bund verpflichtet eine öffentliche Ausschreibung zu machen. Die Schwelle ich für mich schlicht ein schlechter Witz. Der Aufwand dafür ist enorm, für beide Seiten. Bereits ab 160'000 muss im Einladungsverfahren der fast identische Aufwand getrieben werden. Nur die Ausschreibung bleibt erspart....

    Wenn öffentliche Gelder im Spiel sind dann macht es halt schon Sinn, wenn Ausschreibungen möglichst korrekt und ohne Möglichkeiten zur "Vetterliwirtschaft" durchgeführt werden.

    ...Im Wesentlichen besteht eine Ausschreibung aus den technischen Spezifikationen, die müssen zu 100 Prozent erfüllt sein, sonst muss darauf gar nicht eingegangen werden und den Zuschlagskriterien in denen Punkte die der Auftraggeber festlegt, bewertet werden. Wer dort die meisten Punkte holt, ist der Sieger. Mittlerweile macht der Preis in den Zuschlagskriterien bis zu 50 Prozent aus. Zu gut Deutsch, sind die technischen Spezifikationen erfüllt, zählt am Schluss fast nur noch der Preis....

    Es gibt durchaus auch die Möglichkeit, bei den Zuschlagskriterien (exkl. dem Preis) eine Mindestnote vorzuschreiben.
    Die Gewichtung kann zudem auch nach dem Prinzip "Qualität vor Preis" erfolgen. Natürlich: Es kann auch so noch sein, dass ein Anbieter mit sehr tiefem Preis gegen Konkurrenten mit höherer Qualität gewinnt. Deshalb sollte man sich bei der Erstellung des Verfahrens darüber im Klaren sein, wie fest der Preis gegenüber der Qualität zu gewichten ist.

    ...Mir geht es nicht darum warum und wieso Stadler knapp gegen Siemens verloren hat. ...

    Ist dies denn tatsächlich der Fall? M.W. ist nur bekannt, dass der Preis von Siemens sehr nahe bei dem von Stadler ist. Aber wie es bei den anderen Zuschgalgskriterien aussieht, weiss man noch nicht.

  • Als Anbieter einer Software-Lösung bin ich auch immer wieder mit Ausschreibungen konfrontiert. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass die Ausschreibungen nach WTO ein prinzipielles Problem haben, wodurch auch viele im Disaster enden. Man muss sich den Ablauf vor Augen führen:
    - T0: Ausschreibung veröffentlicht
    - T1: Frist für das EInreichen von Fragen (in der Regel ein paar Wochen nach T0). Ab diesem Zeitpunkt werden keine Fragen mehr beanwortet.
    - T2: Fragen werden beantwortet, fairerweise werden alle Antworten an alle Bieter (anonymisiert natürlich) mitgeteilt. Dies ist in der Regel 1-3 Wochen nach T1.
    - T3: Einreichung der Offerten (mehrere Wochen nach T2).

    Formell ist die Ausschreibung in ein Hauptdokument und X Anhänge (10-20 ohne weiteres), dazu mehrere Tabellen zum ausfüllen mit Kriterien (meist über 100-200 in meinem Bereich). Eine Vielzahl davon muss noch dokumentiert werden (als Nachweis).

    Das Grundproblem beim Ablauf ist, dass viele Fragen erst in der Phase der Offertstellung entstehen und damit nicht mehr beantwortet werden können. Die umfangreichen Dossiers sind in der Regel mit mehr oder weniger Widersprüchen gespickt, so dass in der Fragenrunde primär diese geklärt werden sollten. Darum fallen Details weg bzw. werden überlesen. Ein kleines Muster aus einem Text der Ausschreibung: "Die Schulungen finden in deutsch oder französisch statt". OK, alles klar.
    Im Rahmen der Offertberechnung stellt sich dann die Frage, wer genau über die Sprachwahl entscheidet = ist das der Anbieter, der die Kurs entweder in DE oder in FR anbietet, ist es der Kunde, der vor der Einführung entscheidet ob die Kurse dann in DE oder FR sind, oder am Schluss die Mitarbeitenden, die den Kurs entweder in DE oder FR besuchen. Das hat einen grossen Einfluss auf die Kalkulation!

    Und derlei FInessen sind fast die Regel. Schlimmer sind die Widersprüche. Übertragen auf den Bahnbetrieb wäre das sich widersprechende Anforderungen wie Bauweise der Lokomotive mit einem Trafo (= Elektrolok) und in einer anderen Anforderung Gas-Turbine. Ja was jetzt? Hat man die Möglichkeit, diesen Widerspruch zu erfragen gibt es die erhellende Antwort, man solle sich das anhand der Punkte der Kriterien ableiten (alles schon erlebt!). Der Witz an der Sache ist dann die, dass man eine Absage bekommt, weil ja die Gas-Turbine nicht angeboten wurde (obwohl die Trafo-Variante viel mehr Punkte gab). Der extrem fade Beigeschmack bleibt. Dann gibts noch weitere Varianten für "Schabernack", indem Muss-Kriterien bewertet werden (zu 70% erfüllt).. was ja nicht sein kann, da es ein MUSS ist. Entweder Ja oder Nein. Nur jene, die alle Muss-Kriterien erfüllen, werden dann zu einer Angebotspräsentation eingeladen. Ich habe es auch schon erlebt, dass es nach der Präsentation eine Absage gab, mit der Begründung, man hätte nicht alle Muss-Kriterien erfüllt. Also nochmals: Der Ablauf von WTO ist gut gemeint aber schlecht gemacht!

    Bekannt sind ja vielerlei Ergebnisse, die für sich selber sprechen. Wer erinnert sich noch an das Debakel mit den Klimaanlagen der ICEs im Sommer. Was war der Grund? In der Ausschreibung ging man von maximalen Aussentemperaturen von 30° aus. Und SIemens hat genau das angeboten und dann geliefert.

    Mein Fazit ist, dass die Kunden niemals die Kenntnisse haben können (und im Umfang ein Ausschreibung auch den Überblick) was sinnvoll und machbar ist - dies bei Lösungen, die sich nicht auf bekanntem Terrain sich bewegen. Es ist keine Kritik an den Kunden, sie können es nicht besser, sondern am Ablauf der WTO, primär dass die Anbieter die Punkte nicht während dem gesamten Prozess präzisieren können. So könnte auch der Kunde im Angebotsprozess seine Urteilsfähigkeit schärfen.

    Einmal editiert, zuletzt von mobali (16. November 2025 um 09:58)

  • Meine Erfahrung im Bereich der Beschaffung von CNC Werkzeugmaschinen, ist, dass es auf beiden Seiten an den technischen Kenntnissen mangelt. Ich als Auftraggeber habe teils falsche Vorstellungen was technisch möglich ist, bzw. die Möglichkeiten gibt es zwar einzeln aber nicht in einer Maschine zusammengefasst. Die Anbieter kennen ihre Maschinen nicht ausreichend und müssen vielfältige Abklärungen treffen.

    Darum ist aus meiner Sicht der einzige gangbare Weg, man setzt sich mit den potentiellen Lieferanten zusammen und klärt was möglich ist. Ist gemäss den Regeln nicht erlaubt.

    In etwa der Mitte der Einreichungsfrist sollte es eine Fragerunde geben. Diese müssen schriftlich gestellt und beantwortet werden, so das sie jeder Interessent sie sehen kann.

    Am besten wird es, wenn der Einkauf auch noch der Ansicht ist, er müsse die Ausschreibung mitbewerten, hat aber natugemäss von der Sache null Ahnung. Man bekommt einen Fragenkatalog der schnell einmal einen Viertel aller technischen Spezifikationen ausmacht. Das Gleiche ist nicht immer gleich beschrieben. Ohne Fachkenntnisse lässt sich das gar nicht beurteilen.

    Am Schluss gibt es noch Anbieter, die hätten sich die Teilnahme schlicht sparen können. Sie ignorieren die technische Spezifikationen, obwohl in den Ausschreibungsunterlagen klar darauf hingewiesen wird, dass diese zu 100 Prozent erfüllt sein müssen, sonst werden sie nicht berücksichtigt. Es waren auch so unsorgfältig erstellte Unterlagen darunter, da habe ich mir schon die Frage, hat das der Lernende gemacht und wurde am Schluss nichts kontrolliert. Es waren so absurde technische Werte darin enthalten, das hätte ins Auge springen müssen. Der Offertersteller hatte ganz andere technische Werte eingetragen als gefragt waren. Ich konnte das anhand des Prospektes nachvollziehen.

    Zum Glück war das meine letzte Ausschreibung. Vor 5 Jahren war das noch um einiges einfacher, vor 10 Jahren noch richtig easy. In 5 Jahren wird man vermutlich irgend etwas bekommen, dass man sicher nicht brauchen kann und noch mehr Zeit aufwenden. Meine Hoffung ist, dass bei so kleinen Beträgen von 250'000 bis 500'000 möglichst kein Anbieter mitmacht. Dann bleibt nur noch die freihändige Vergabe.

    Mich hat der ganze Mist unendlich viel Zeit und Energie gekostet, musste mehrfach wieder zurück an den Start, da der Einkauf oder Rechtsdienst immer solange gewühlt haben, bis sie endlich eine Unstimmigkeit gefunden haben.

    Gruss Erwin


    Wer rast, der verpasst das Leben.

    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Hallo Erwin

    Genau aus diesen Gründen setzen sich mögliche Anbieter und der Käufer heute, zumindest im Bahnwesen, oftmals schon zusammen bevor die Ausschreibung nach WTO Richtlinien veröffentlicht wird. Damit man gewisse Fragen vorab bereits klären kann und man eine Vorstellung hat, was man möchte. Klar auch hier werden die Richtlinien bewusst nicht eingehalten...

  • Erwin,

    ;) "früher war alles besser", Du hast doch mal so ein Video gezeigt... Zumindest übersichtlicher und SCHNELLER, war es früher schon. Ich finde es unglaublich, dass der berühmte grosse Landwasser Viadukt in nur 1,5 Jahren erstellt wurde 1901-1902 und heute noch steht. Das Ganze in unwegsamen Gelände, mit einer temporären Baustellen Feldbahn, einer Behelfsstrasse und Pferdefuhrwerken. Taschenrechner gab es noch keine, geschweige Computer.

    Heute würde wohl nur schon das Bewilligungsverfahren mit all den erwarteten Einsprüchen Jahre dauern, bevor nur schon der 1. Mauerstein gelegt wäre.

    Später bei der SBB Re 4/4 II, aber vorher schon u.a. bei der Ae 4/7 war meistens entweder die damalige BBC, oder Oerlikon die federführende Firma im elektrischen Teil, mechanisch musste die SLM nur selten Aufträge teilen oder abgeben. Früher zuweilen an die Maffai, 1 x an Breda Italien (BLS Be 6/8) Trotzdem schaute der Bund, dass von den zumindest grösseren Aufträgen nicht einer alleine alles bekam, sondern alle geeigneten Werkstätten Aufträge bekamen. Die Grossen Hersteller hatten wiederum selber Zulieferer, so dass am Schluss vielleicht nicht alle, aber zumindest sehr viele Firmen vom Re 4/4 II Aufträge erhalten haben. Der Bund konnte das so machen, ohne sich 100 x an allen möglichen und unmöglichen Orten rechtfertigen müssen.

    Heute müsste das Selbe statt "nur" innerhalb der Schweiz, innerhalb Europas funktionieren. Ganz alleine glaube ich nicht, dass die Schweiz durchkommt, bei diesen grossen Machtblöcken. Und immerhin, die Schweiz hat nicht nur Arbeit abgegeben, die Stadler Rail hat nur schon bis jetzt mehr Fahrzeuge exportiert, als die SLM in ihrer ganzen Existenz. Dies bringt mich ins rotieren.

    Die etwas herstellende Industrie, besonders in der Schweiz, hat es sehr viel schwerer als Software Giganten, speziell wenn sie aus den USA kommen. Videospiele und KI, die mussten bisher nichts beweisen, sondern der ganze Aktienkurs beruht auf einer zukünftigen positiven Entwicklung. Wieso darf eine Nvidia einfach etwas in die Zukunft behaupten und kein Mensch weiss ob es wahr ist oder nicht und Stadler Rail hat aktuelle eine "Super Ae 6/6" (Euro 9000) mit integriertem Dieselmotor über mehrere 100 (!) Maschinen in Aussicht. Das ist doch schon mal nicht schlecht. Wieweit das Schweizer Stadler Werk davon profitiert, das weiss ich nicht, es ist ein Stadler Valencia Produkt. Aber immerhin, es ist ein Bereich der Firma Stadler.

        

    Wer definiert und bestimmt den Aktienkurs einer Firma? Ich habe es so erfahren: Angebot & Nachfrage. Wenn mehr Käufer die Aktie XY kaufen, dann steigt der Preis, wenn mehr Leute verkaufen, dann fällt der Preis. Das mag vielleicht vor 50, 100, 200 Jahren so gewesen sein, heute ist dies zwar nicht falsch, aber nur am Rande noch die ganze Realität.

    Es sind Analysten der Banken, Finanzintermediäre und die 10-20 grössten Hedgefonds Firmen welche enormen Einfluss haben können und ziemlich ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung arbeiten, aber deren Einfluss massiv unterschätzt wird. Jedenfalls auch Siemens hatte und hat seine Schwierigkeiten und fängt längstens nicht jeder Auftrag ein, aber deren Kursverlauf entwickelte sich bisher deutlich besser. Vielleicht kommt ihnen entgegen, dass sie breiter aufgestellt sind? Von Staubsauger über Waschmaschinen bis Züge haben die so ziemlich alles was ein Elektromotor beinhaltet. Wenn ein Segment nicht geht, dann vielleicht ein anderes? Und Siemens war immerhin der, welcher weltweit die 1. Elektrolok ab 1879 in seinem Sortiment hatte. Wenn auch die Lok von 1879 eher an eine Gartenbahn-Lok anmutet.

    Stadler hat die Covidkrise überlebt, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine irgendwie bisher wirtschaftlich durchgestanden, das ist mit ihrer Tätigkeit bis 2022? in Weissrussland nicht ganz unproblematisch und in der Zwischenzeit in halb Europa erfolgreich Züge abgeliefert und geliefert und geliefert und den massgebenden Finanzanalysten ist das nicht gut genug?!? Das soll noch jemand verstehen.

    Klar hat Stadler-Rail nicht alle Aufträge gewonnen, dies zu erwarten ist nicht realistisch. Niemand gewinnt immer alle Aufträge. Aber kein Zug-Hersteller in der CH hat mehr exportiert, als die Stadler-Rail. Höchstens die Firma HAG ;) in H0 1:87 hat wenn man HAG Mörschwil mitzählt, zumindest im Inland sehr viel mehr Stückzahlen verkauft.

    Die WTO war gut gemeint und eine sinnvolle Sache, aber es ist ein komplizierter Papiertiger geworden. In gewisser Weise ist die Schweiz zu anständig. Ist es etwa korrekt, wenn die Chinesen ein Made in Europa wollen, dazu eine Enklave in Norditalien ausführten, bis zum heutigen Tag, wo man nicht einfach so hinein oder durchgehen kann. Mich jedenfalls haben sie schon weitvorher unmissverständlich weggeschickt. Gemäss den Medien soll es dort sklavischer zu und her gehen, als in China selber!!! Und dies kann unmöglich ohne das Wissen von Mailand geschweige Rom ablaufen, sonst wäre es ja eine kriegerische Teileroberung ausgeführt von China zu Lasten von Italien. Ist dieses vorgehen etwa WTO konform???

    Was die CH anbelangt, noch dreister trieb es Donald Trump. (Hätte es jemand es anderst erwartet)?

    Höchste Schweizer Politiker, also Teile des Bundesrat mit ihren Wirtschaftsexperten reisten in die USA, um von den Strafzöllen wegzukommen. Die Zölle sind nicht weg, sondern "nur" ca. halbiert, aber mit Kaufversprechungen von US Zeugs, was die CH vielleicht gar nicht haben will. Also mir soll niemand erzählen, wenn ein alter Opa Betrügern auf den Leim gehen und z.B. einer falschen Polizei seine Wertgegenständer übergibt, sie seien halt alt oder dumm, oder unbeholfen, wenn der Bundesrat den Auftrag hat den überrissenen Zoll zu eliminieren versuchen und dann mit einer Einkaufsliste nach Hause kommt, was der Herr im Weissen Haus der Schweiz alles zu verkaufen gedenkt, ansonsten wieder der höhere Zolltarif gelten würde. Das reicht an Erpressung.

    Der normale sozial-Kapitalismus ist kein Raubtier mehr, sondern ein alter Mann welcher die Matterhorn Nordwand raufklettern will, weil alles andere hat er schon gemacht. Ob jetzt da noch Frau Hostetmann zusätzlich ein paar Kieselsteine in das wirtschaftliche Getriebe einbringen will, kommt auch nicht mehr sooo darauf an, das Hauptproblem ist - und dies weltweit - dass auch die Wirtschaft kein ewiges Wachstum kennt.

    Nicht nur bei den Zügen, auch bei den Traktoren gibt es mehr Hersteller als Käufer vorhanden sind. In Spanien laufen die ab dem Fliessband, ohne dass genügend Bestellungen vorhanden wären. Grosstraktoren auf dem neusten Stand sind fahrbare Multifunktionsmaschinen mit einem halben Chemielabor intergiert, welche in sekundenbruchteilen den Boden "lesen" und wissen was er braucht. Aber dies ist im Finanzbereich von Euro 250t bis 550`000.- pro Stk. Nur schon der Traktor, ohne Anbaugeräte. Wie soll da der Bauer je schuldenfrei werden können? Auch wenn es ein fabrikartiger riesen Agrar Betrieb ist, die Investitionen und somit das Risiko werden immer wie grösser.

    Anderseits, wo Türen zu gehen, gehen auch welche auf. Auch wenn man es nicht immer zum Voraus erkennt. Die Chancen der Schweiz sind immer noch um einiges besser, als von manchen anderen Ländern.

    Machen wir das Beste daraus.

    Gruss

    Hermann

    Analog ist cool:)

  • Hallo zusammen

    Stadler Rail ist eine Schweizer Firma. Der grösste Teil der Angestellten wird aber im Ausland beschäftigt. Und mancher Stadler-Zug wird in Berlin oder Valencia gebaut und nicht in der Schweiz.

    Siemens ist eine Deutsche Firma. Aber auch Siemens hat im Ausland (also nicht Deutschland) viele Angestellte. So hat Siemens mehr Angestellte in der Schweiz als Stadler.

    Einer von diesen Siemens-Angestellten bin auch ich. Und seit ich bei Siemens bin arbeite ich an Produkten, die fast ausschliesslich ausserhalb der Schweiz verbaut werden. Deutschland, Östereich, Norwegen, Finnland, Australien und viele weitere Länder und Bahngesellschaften verwenden die Infrastruktur-Produkte, die ich hier in der Schweiz entwickle.

    Ich bezahle in der Schweiz meine Steuern. Auch mein Arbeitgeber bezahlt in der Schweiz Steuern. Bezahlt wird beides hauptsächlich aus dem Ausland.

    Egal ob Siemens oder Stadler, beide Firmenkonstrukte sind ziemlich undurchsichtig, aber sicher ist, dass für beide Firmen die Schweiz einerseits ein wichtiger Absatzmarkt, andererseits auch ein enorm wichtiger Entwicklungsstandort ist.

    Gruss
    Teddy

  • So gesehen, Teddy, hast Du natürlich recht. Der Ruf nach Stadler hat auch mit Nationalstolz zu tun. Dass die nun vergebenen Züge bei Stadler auch in der Schweiz gebaut würden, weiss ich nicht. Eher nein. Das war vor 100 Jahren eben anders.
    Aber wie Du ha selber schreibst, funktioniert die Welt (leider) heute anders - was auch heisst, dass Siemens auch nicht mehr unbedingt Deutsch ist.

    Mittlerweile ist jedes Industrieprodukt von überall: Mich nähme Wunder, wieviel eines BMW wirklich aus Deutschland kommt (vor allem, wenn ich ihn, zum Beispiel, in den USA kaufe). Mein Dodge Challenger wurde zum Beispiel in Kanada gebaut…. Sichar aus Teilen aus Japan oder Taiwan.🤪

    Gruss Roger

    97 von 121 grünen Ae 6/6

    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Wie zu erwarten war, hat Stadler gegen den Zuschlag Entscheid zu Gunsten von Siemens Rekurs eingereicht. Ich bin gespannt zu wie langen Verzögerungen das am Schluss führt.

    Ehrlich gesagt würde ich bei solchen Summen auch Rekurs einlegen. Verloren haben sie bereits, schlimmer kann es gar nicht werden.

    Gruss Erwin


    Wer rast, der verpasst das Leben.

    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Ehrlich gesagt würde ich bei solchen Summen auch Rekurs einlegen. Verloren haben sie bereits, schlimmer kann es gar nicht werden.

    Guten Abend Erwin,

    doch, ich glaube schon, dass auch dies mit diversen Risiken verbunden ist. Herr Spuler wird zwar sicher gute Wirtschaftsanwälte haben. Und eins was Herr Spuler ganz sicher nicht ist; blöd. Er wird sich ganz bestimmt genau überlegt haben, ob er Rekurs einreichen will und sich gute Chancen ausrechnen, sonst würde er es nicht wagen.

    Denn wenn er den Rekurs verliert, ist es psychologisch gleich doppelt nachteilig für Stadler Rail. Und die Psychologie spielt auch in der rationalen Geschäftswelt eine Rolle, gerade wenn beide Offerten nicht so weit auseinanderliegen.

    Es kann mir keiner sagen, dass so ein Rekurs ohne den Chef ablaufen würde, dies bindet bestimmt Energie ab, wo woanderst vielleicht fehlt.

    Tatsache ist; der Aktienkurs von Stadler-Rail hat sich +/- halbiert(!) und dies nicht erst kürzlich, sondern kaum war die Stadler-Rail Aktie offiziell an der Börse handelbar, seit April 2019, hat sie sich nach einem kurzen kleinen Auftrieb, aber danach langsam aber kontinuierlich nur noch nach abwärts bewegt, bis etwas die Hälfte vom Börsenwert verloren ging. Ich verstehe nicht (aber das will nichts heissen), wie kann eine Firma so schlecht bewertet werden, wenn sie alles in allem volle Auftragsbücher hat, die Covid- und Russenkrieg erstaunlich gut überlebt hat und die neue Co-Co Lok Euro 9000 Lok modernste Anforderungen erfüllt und wahrscheinlich deutlich günstiger zu haben ist, als vor ca 30 Jahren die BLS Re 465 Bj 1994 - 1997 von der SLM-ABB. Kurz und gut: die Stadler-Rail hat sich hervorragend in einem schwierigen Marktumfeld behauptet:thumbsup:

    Man Vergleiche was mit VW, Mercedes-Benz, oder noch um Welten schlimmer mit der ursprünglich aus der CH stammenden Firma Meyer Burger für Photovoltaik Solaranlagen passierte: überall wo die Chinesen mitmachen, wird es für Europa schwierig, genügend Gewinnmarge zu erreichen.

    Und als Dank für bisher am Markt zu bestehen, bekommt die Stadler-Rail den Aktienkurs halbiert?;( Anderseits ist noch erstaunlich, wenn tatsächlich dieser verlorene SBB Auftrag für Stadler so wichtig sein sollte, der Aktienkurs hat darauf nicht negativ reagiert, er ist sogar ganz minim zufallsbedingt? gestiegen. Aber einen erheblichen "Taucher" wenn eine Firma einen wichtigen Auftrag verloren hat, wäre eigentlich nachvollziehbar.

    Wenn die Basler Chemie oder Nestlé einen grösseren Auftrag oder Misserfolg bei der Zulassung haben, reagiert der Aktienkurs umgehend und in recht grossen Kursabschwüngen. Aber auch positiv, wenn sie einen grösseren Auftrag erhalten und oder einen Erfolg verbuchen können reagiert die Börse umgehend mit deutlich höheren Kursen.

    Müssen die Westschweizer die ganze Anzahl Züge gleich sofort haben?

    Ich wäre als SBB Besteller anderst vorgegangen: (auch im Wissen, dass es für den Unterhalt besser und kostengünstiger ist, wenn alle Züge gleich sind. Aber das ist eh eine Illusion, die SBB hatte nie ihre ganze Flotte einheitlich aus gleichen (Trieb)Zügen. Wäre es nicht besser und schweizerischer gewesen, keinen der beiden Lieferanten ganz glücklich und keiner der beiden ganz unzufrieden zu machen, sondern den grossen Auftrag von 116 Triebzüge auf 100 Stück zu reduziert und diesen 50:50 an Stadler und Siemens aufzuteilen und schon jetzt eine Anschlussbestellung ankündigen: für den welcher es alles in allem besser macht, bekommt noch nach 1-2 Jahre Erfahrung im realen Diensteinsatz den Auftrag für weitere 20 Züge.

    Gruss

    Hermann

    Analog ist cool:)

  • Guten Morgen zusammen

    Die ganze Situation ist eher unschön…

    • De facto keine Beschaffung ohne (verzögernden) Rekurs
    • Rekurs vor allem, weil so der Unterlegene Einsicht in Unterlagen erhält (alleine das rechtfertigt viel mehr als nicht das Rekurieren) - Erfolg wird sich in dem Fall Stadler wohl nicht ausrechnen, den Auftrag zu bekommen - aber wichtige Erkenntnisse für die nächste Ausschreibung
    • Stadler mag ich sehr - doch hier ist ihr Vorgehen eher daneben und nicht angebracht (sie Teddys Post oben), so meine ich
    • Für mich DER Supergau, der (noch) nicht eingetreten ist und es wohl auch mit Gesetzesänderungen zu verhindern gälte, ist CRRC draussen zu halten. Anmerkungen: aktuell geht das wohl noch ganz gut, doch Gesetzesänderungen in dem Bereich sind aufgrund internationaler Abkommen schlecht möglich (GATT/WTO) und der erste CRRC-Westbahn-Zug fährt seit kurzem im Fahrplanbetrieb. Solches gilt es abzuwenden…
    • Die Re 465 sind zu haben bzw. ein Teil davon. Zwei werden wohl den Weg eben zu Stadler finden, ein Teil wird am Tunnel für die Autozüge gebraucht. Doch da seien immer noch welche übrig. Warum dann eine Mietlok, die notabene eine Ae und nicht Re ist, günstiger sein soll, erschliesst sich mir nicht so recht… Die Gleisbeanspruchung geht halt auf ein anderes „Konto“ - ein anderes Thema…
    • Und nein, ich kann mir keine Leisten…

    Gruss Christian

    Meine Fotos; Eisenbahnen (Schwerpunkt Gotthard) und Dampfschiffe: https://www.flickr.com/photos/134896793@N03/ - aktuelles Avatarbild zur Erinnerung an den im Schnee versunkenen Gotthard am 17. April 1999.

    Einmal editiert, zuletzt von 11652 (29. November 2025 um 06:35)

  • Für mich DER Supergau, der (noch) nicht eingetreten ist und es wohl auch mit Gesetzesänderungen zu verhindern gälte, ist CRRC draussen zu halten.

    Ich denke CRRC hat an der Ausschreibung nicht teilgenommen, da sie bei Nachhaltigkeit keine Chancen gehabt hätten.

    Solange CRRC keine Werke in Europa hat, können sie so von Ausschreibungen ferngehalten werden. Was ich bei der Ausschreibung gelernt habe, man muss sehr kreativ sein, bei den Bedinungen die gesetzt werden. Genug oft machen einem die hauseigenen Juristen einen Strich durch die Rechnung.

    Nachhaltigkeit ist heute ein Punkt der in Ausschreibungen erlaubt, sogar gewünscht wird.

    Gruss Erwin


    Wer rast, der verpasst das Leben.

    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • …hier nicht - mir geht es mehr um die allgemeine Situation.

    Ein Kriterium bei der oder früheren Ausschreibungen war/ist, dass ein Hersteller schon mal solche Züge geliefert haben muss - da sind alle anderen draussen.

    CRRC besitzt immerhin schon einen Deutschen Diesellokbauer, ist also in Europa präsent und vor allem am „verflixten“ Zulassungs-KnowHow“ nun nah dran, hat es. Durch den Westbahn-Zug und Lokomotiven in Ungarn(?) sind sie auch schon viel weiter als nur Dieselloks.

    Gruss Christian

    Meine Fotos; Eisenbahnen (Schwerpunkt Gotthard) und Dampfschiffe: https://www.flickr.com/photos/134896793@N03/ - aktuelles Avatarbild zur Erinnerung an den im Schnee versunkenen Gotthard am 17. April 1999.

  • Da die Schweizer immer der Ansicht sind, Regeln hält man nicht zu 100 Prozent ein sondern noch besser, vernichten damit ihre eigene wenn noch vorhandene Industrie und sonst die der Nachbarländer.

    China kann immer billiger offerieren. Wenn der Staat dahinter steht und Industriezweige anderer Länder durch Dumpingpreise zerstören will, macht er das auch. Sie haben langfristige Ziele.

    Im Moment machen sie den Herstellern von Hartmetallwerkzeugen das Leben schwer, da sie viel zu wenig der Grundwerkstoffe liefern. China kann so viele Wirtschaftszweige zum Erliegen bringen, weil die westliche Welt alles was sehr umweltschädlich ist noch so gerne outsourcte. Es ist total geil sich in die eigene Tasche zu lügen und über andere Kanäle Produkte wieder zu importieren die unter unsäglichen Methoden erzeugt wurden.

    Gruss Erwin


    Wer rast, der verpasst das Leben.

    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.