Stadler Rail hat bekanntlich kürzlich die Ausschreibung der SBB für neue Doppelstock S-Bahnzüge gegen Siemens verloren. Wenigstens nicht gegen die Chinesen.
In diesem Artikel kommen zwei Experten mit ihren Meinungen zum Zug.
Mir geht es nicht darum warum und wieso Stadler knapp gegen Siemens verloren hat. Im Artikel wird aus meiner Sicht viel zu wenig darauf eingegangen was eine öffentliche Ausschreibung beinhaltet und wie bescheuert die sein können. Ab einem Beschaffungswert von CHF 250'000 inklusive MWSt, ist der Bund verpflichtet eine öffentliche Ausschreibung zu machen. Die Schwelle ich für mich schlicht ein schlechter Witz. Der Aufwand dafür ist enorm, für beide Seiten. Bereits ab 160'000 muss im Einladungsverfahren der fast identische Aufwand getrieben werden. Nur die Ausschreibung bleibt erspart.
Ich habe mich jetzt nicht damit auseinandergesetzt ob millionenschwere Ausschreibungen anderen Fristen unterliegen. Normal ist ein Projekt 40 Kalendertage auf SIMAP ausgeschrieben. Danach werden die Angebote ausgewertet und der Sieger, wenn es denn einen gibt, das ist nicht immer selbstverständlich, auf SIMAP publiziert. Anschliessend gibt es eine 20 Kalendertage lange Einsprachefrist, wenn Verlierer mit dem Entscheid nicht einverstanden sind.
Im Wesentlichen besteht eine Ausschreibung aus den technischen Spezifikationen, die müssen zu 100 Prozent erfüllt sein, sonst muss darauf gar nicht eingegangen werden und den Zuschlagskriterien in denen Punkte die der Auftraggeber festlegt, bewertet werden. Wer dort die meisten Punkte holt, ist der Sieger. Mittlerweile macht der Preis in den Zuschlagskriterien bis zu 50 Prozent aus. Zu gut Deutsch, sind die technischen Spezifikationen erfüllt, zählt am Schluss fast nur noch der Preis.
Dazu müssen noch umfangreiche Papiere zu Lohngleichheit und was auch immer ausgefüllt werden. Aufwände die sich bei kleinen Aufträgen oft nicht rechnen. In der Regel schauen auch hauseigene Juristen des Ausschreibers die Unterlagen nochmals an. Da sind auch nicht an allen Orten die Ansichten deckungsgleich. Am Meisten Einfluss kann über die technischen Spezifikationen genommen werden. Ich kenne Fälle, in denen offensichtlich ist, dass die Ausschreibung auf ein ganz bestimmtes Produkt abzielt. So etwas würde sich sehr einfach anfechten lassen. Da es aber meist um Beträge von wenigen 100'000 geht, macht das niemand. Da das Risiko in Zukunft bei freihändigen Vergaben nicht berücksichtigt zu werden, gross sein kann.
Ist Stadler Rail mit dem Resultat nicht einverstanden, haben sie das Recht, die Einsprachefrist zu nutzen. Bei solchen Investitionsgrössen kann sich das durch aus lohnen. Bei 250'000 eher nicht.
Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Stunden die Auftraggeber und Auftragnehmer in solchen Projekten verbrennen. Ich habe für eine Ausschreibung mit einem Budget von 290'000 über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten sicher 5 Arbeitswochen, wenn nicht mehr verbrannt. Vom Zeitaufwand her, war das mit Abstand die aufwändigste Ausschreibung die ich je durchführen musste. Das in zwei Anläufen, da die erste gescheitert ist.
Eine S-Bahn auszuschreiben, den Sinn sehe ich ein. Ab 250'000 eine Ausschreibung zu machen, den Sinn sehe ich nicht ein. In gewissen Bereichen wird der Bund von aussen zur Ineffizienz gezwungen.