Irniger Sondermodelle

  • Es ist schon einige Zeit her, dass ich in meinem Vorstellungs Thread mein "Irniger Sondermodell" der SBB EB 3/5 Dampflok vorgestellt hatte.

    Irniger war ein Fachgeschäft an der Haldenstrasse (heute Theaterstrasse) in Winterthur, das es längst nicht mehr gibt. Auf die Advent-Zeit hin liess er in den 70er und 80er Jahren jeweils von einem Künstler erst 30 später 50 Märklin Lokomotiven (Elektro- oder Dampfloks) veredeln und verkaufte diese mit Zertifikat als "Irniger Sondermodelle" zum angemessenen Preis. Was ich mir da jeweils die Nase an der Schaufensterscheibe platt gdrückt habe, doch das Taschengeld reichte nicht...

    Ich nehme mal stark an, dass diese Sondermodelle ohne den Segen von Märklin angefertigt wurden, sonst würden sie bestimmt im Sammler-Katalog (z.B. Koll) vertreten sein.

    Eine Ae 6/6 mit richtig chromglänzenden Zierstreifen? Damals im Handel eine Fehlanzeige. Irniger hatte 30 Stück davon gemacht (Basis 3050). Was Märklin später die E-63 zur SBB Ee 3/3 gestaltete oder die 3029 zur SBB E 3/3 machte: Irniger war ein bis zwei Jahrzehnte früher dran mit dieser Idee. Gerade bei den Schweizer Dampfloks waren zu jenem Zeitpunkt nur wenige erschwingliche Modelle zu haben. Auf die Schnelle fällt mir nur gerade die Liliput A 3/5 604 ein. Bei Irniger wurden nicht selten Deutsche Modelle "Eingeschweizert". So auch bei meiner EB 3/5, die aus einer T5 gemacht wurde. Der Grund weshalb ich dieses Thema nochmals aufgreife: 3, 2, 1, meins! Eine Irniger A 3/5 703 für nur 45 Franken.

    Wieder (wie schon bei der EB 3/5) hatte der Verkäufer keine Ahnung, was er da anbot und griff sich an die Stirn, als ich bei der Übergabe unter dem Inleit der Verpackung das Zertifikat vorfinden konnte. Klar es ist eine "eingeschweizerte" BR38 (P8) und einiges stimmt somit nicht, aber sie ist alleweil näher dran am Original als die damals auch erhältliche Buco A 3/5...

    Zwei Irniger-Dampfloks nebeneinander...

    Und der direkte Vergleich mit der A 3/5 604 von Liliput, wo die Unstimmigkeiten dann schonungslos ans Tageslicht kommen. Bei der 700er Serie wäre nochmals einiges Anders als bei der 600er Serie. Aber für die damalige Zeit...

  • Ich gratuliere Dir zum Erwerb - und die geschichtlichen Hintergründe. Noch nie von Irniger gehört. Aber vor 50 Jahren musste man sich zur Decke strecken, wenn man Schweizer Modelle ausserhalb der grossen Serien wollte. Zum Glück gab es mit HAG einen Produzenten, der mir damals keine Wünsche offenliess (das Taschengeld reichte nicht ansatzweise für alle Modelle, die ich gern gehabt hätte). Da Dampflokomotiven nie gross im Fokus standen, reichte mir eine solche von Märklin. Im Betrieb hatte ich die Dampfer nie erlebt, also hatte ich keine Beziehung zu bestimmten Modellen. Glück gehabt.

    Gruss Roger

    97 von 121 grünen Ae 6/6

    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Aber vor 50 Jahren musste man sich zur Decke strecken, wenn man Schweizer Modelle ausserhalb der grossen Serien wollte.

    Genau da lag die Marktlücke, die Herr Irniger gefunden hatte.

    Und: Roger ich wette, dass Du beim Anblick der veredelten grünen Ae 6/6 (3050) auch feuchte Augen gekriegt und an der Scheibe des Schaufensters die Nase platt gedrückt hättest:

    Leider gehört das Ae 6/6 Modell, das ich ablichten durfte nicht mir und auch "no chance" es zu erwerben. Zu jedem Modell gab es ein von Herrn Irniger persönlich signiertes Zertifikat. Meine Lokomotive hat die Nummer 31/50 und die Serie der A 3/5 703 wurde 1979 gemacht.

    Im Betrieb hatte ich die Dampfer nie erlebt

    Ich auch nicht im grossen Stil, aber die letzte fahrplanmässige Fahrt mit einer Dampflok habe ich als Kind 1975 noch erlebt: MThB Eb 3/5 ab Winterthur und im gleichen Jahr 100 Jahre Tösstalbahn, wo mein Nachbar (ein pensionierter Lokführer) die Dampflok pilotiert hatte. Er und der Heizer konnten es sich nicht verkneifen, als sie nach Oberseen unter einer Brücke voller Trainspotter durchfuhren, dafür zu sorgen, dass schwarzer Rauch aus dem Schornstein der Lok quoll und die ganze Brücke einnebelte :D.

  • Nach meinem Umzug nach Winterthur 1970 bin ich auf dem Weg zur Arbeit täglich an diesem Modellbahnladen vorbeigekommen und habe mir immer die Neuauslagen im Schaufenster angesehen. Allerdings war mir nicht bewusst, dass dort derartige Raritäten hergestellt wurden. Später wurde dieses Geschäft vom ehemaligen Radioreporter Herby Kramer übernommen - das alles ist jedoch schon längst Geschichte ……. Schade. In Winterthur mit gut 100000 Einwohnern gibt es keinen einzigen Laden mehr, welcher Modelleisenbahnen verkauft. Die nächstgelegenen wären WHD in Wildensbuch - in der Pampa des Weinlandes - oder Simatrain in Embrach.

    Gruess Chlauspi

  • Nach meinem Umzug nach Winterthur 1970 bin ich auf dem Weg zur Arbeit täglich an diesem Modellbahnladen vorbeigekommen und habe mir immer die Neuauslagen im Schaufenster angesehen. Allerdings war mir nicht bewusst, dass dort derartige Raritäten hergestellt wurden.

    In der Regel war nur eine veredelte Lokomotive im Schaufenster und dezent mit "Irniger Sondermodell" angeschrieben. Dies natürlich nebst anderem Rollmaterial, mehr nicht.

    Wenn Du gebrauchte Modelleisenbahnen suchst, wäre Richard Braun in Seuzach auch noch ein Tipp ;).

  • Eigentlich hatte ich gehofft, dass es unter den zahlreichen Forumisten der eine oder andere auch noch etwas über diese Modelle weiss oder vieleicht gar ein solches Modell besitzt.

    Seit ich die Eb 3/5 ersteigert hatte, interessierte mich das Thema "Irniger" wieder. An einer Börse traf ich zufällig einen weiteren Irniger-Lok Besitzer, der sich im Gespräch mit mir outete. Ich durfte über ihn weitere Leute kennen lernen die ein Modell besassen und begann Informationen zusammenzutragen. Es ergaben sich dabei viele interessante Gespräche und fast jeder Besitzer eines Modells wusste meistens von einem weiteren Besitzer, wo ich dann auch noch vorbei gehen durfte. Daraus entstand dann ein Bericht in der Zeitschrift "Eisenbahn Amateur".

    Was bei Irniger sonst noch (wissentlich) produziert wurde ist eine SBB B 3/4 auf BR 24 Basis (3003), eine TEE-Farbene Re 4/4 l (Basis RET 800) mit chromglänzenden SBB Emblem vorne und hinten, sowie eine C 5/6 auf Basis BR 44.

    Abschliessend kann ich leider keine vollständige Liste liefern, von wann bis wann und was alles bei Irniger an Sondermodellen produziert wurde.

    Meine SBB EB 3/5 wurde im Jahr 1984 Produziert und die neu erworbene SBB A 3/5 im Jahr 1979.

    Zu Guter Letzt:

    Manchmal muss man erwachsen werden bis ein Kindheitstraum in Erfüllung geht. Aber sich als Erwachsener freuen wie ein Kind das geht immer noch :);).

  • Hat Irniger nie in Zeitschriften inseriert, dass sich sein Wirken auf diese Weise zurück verfolgen lässt? EA zum Beispiel?

    Gruss Erwin


    Wer rast, der verpasst das Leben.

    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Hat Irniger nie in Zeitschriften inseriert, dass sich sein Wirken auf diese Weise zurück verfolgen lässt? EA zum Beispiel?

    EA + LOKI (auch "Die Modellbahn") da habe ich schon nachgeforscht - Fehlanzeige. Wenn er inseriert hatte wegen der Sondermodelle, so war das in Winterthurer Zeitungen, wurde mir gesagt. Aber die einen (Winterthurer Woche) haben nicht ein so weit zurück reichendes Archiv und "Der Landbote" (heute TA-Media) hat nichts gefunden (oder wollte nichts finden).

    Wenn er tatsächlich ohne den Segen von Märklin produzierte dann wollte er so vieleicht "keine schlafenden Hunde wecken". Jedenfalls waren bis Weihnachten immer alle Modelle ausverkauft.

  • Hoi Bruno

    Allerdings ist die Ära Irniger schon eine rechte Zeit in der Vergangenheit. Die Nachfolger hiessen Naunheim, das Geschäft wurde mit "Nabo" abgekürzt. Nach relativ wenigen Jahren startete Herbie Kramer sein Geschäft "Hekra". Bei Irniger wurde ich nie warm, die haben mich nicht für voll genommen. Selbstverständlich lag das an mir selbst. Aber mittlerweile bin ich bald 80 Jahre alt, es muss also eine recht lange Zeit zurück liegen. Zur damaligen Zeit gab es noch keine digitalen Archive. Meinen ersten digitalen Rechner kaufte ich im Jahr 1980, eine IBM-Maschine 8086 für fast zwanzig tausend Franken. Die Speicherplätze waren damals das Problem. Ich kann mich gut an Frau Irniger erinnern, sie verkaufte mir einmal 10 Güterwagen der gleichen Sorte, aber zu Hause war eine Schachtel leer. Der Inhalt stand noch im Schaufenster. Es gab ein kleines Büro, bis sie erkannte, dass ich nicht ein Glünggi war. Die Sonder-Exemplare von Irniger hätten mein Budget damals gesprengt. Darum habe ich keine solchen Preziosen. Hoffentlich findest du bessere Angaben zu den gesuchten Modellen.

    Gruss Oski

    ...auch Nichtraucher können süchtig sein nach Zündhölzern!

  • Die Sonder-Exemplare von Irniger hätten mein Budget damals gesprengt. Darum habe ich keine solchen Preziosen. Hoffentlich findest du bessere Angaben zu den gesuchten Modellen.

    Danke für Deinen interessanten Bericht zu Irniger. Das mit dem Budget erging mir damals als Teenager eben genau so. Umso glücklicher bin ich nun, dass ich genau jene A 3/5 703 Dampflok, die mich damals zum sabbern brachte, nun praktisch zum Spartarif mein Eigen nennen darf und jetzt (noch besser) sogar deren 2 Irniger Sondermodelle inklusive Zertifikate besitze.

  • Hat Irniger nie in Zeitschriften inseriert, dass sich sein Wirken auf diese Weise zurück verfolgen lässt? EA zum Beispiel?

    Wie es @Retro- Train schrieb, ich habe damals alle im Abo und kann mich nicht daran erinnern.

    Vermutlich hätte ein Inserat den Laden überrannt?

    Einmal editiert, zuletzt von mittelweg (8. Februar 2026 um 07:37)

  • Eigentlich hatte ich gehofft, dass es unter den zahlreichen Forumisten der eine oder andere auch noch etwas über diese Modelle weiss oder vieleicht gar ein solches Modell besitzt.

    Hallo Bruno,

    es ist halt eine Nische innerhalb eines Nischen-Gebietes.

    Wenn sich nicht mal Märklin getraute (die haben eigentlich kaum Hemmungen) ihre vormalige SBB Rangierloks 29216 SBB E 3/3 8500 Tigerli im Jahre 2003, vorher 1996 + 1997 die 29215 SBB Ee 3/3 16371 rot & 28722 SBB Ee 3/3 16332 braun als einzelnes kaufbares Katalog-Modell anzubieten, dann ist es schwierig für dieses Gebiet genügend viele Interessenten und potentielle Käufer zu finden.

    Diese 3 preiswerten Schweizer Märklin Sondermodelle gab es nicht als einzelnes Modell, sondern nur als günstiges Einsteiger-Anfänger - Set auf der Basis von der DB 3029 Dampflok und der DB E-Lok 3001 BR-63. Zumindest so war es gedacht.

    Aber die Rechnung ging philosophisch nicht auf, finanziell für Märklin wahrscheinlich schon, die hatten damit ja markant weniger Aufwand als wenn sie die Modelle hätten neu konstruieren müssen. Aber anstatt dass Kinder darauf gluschtig wurden, kauften fast durchwegs "grosse Kinder" sprich Sammler notgedrungen das ganze Set, da man diese Loks nicht einzeln erwerben konnte. Der Trick das Gehäuse als Ersatzteil zu bestellen ging nur ganz zu Beginn. Märklin war daran gelegen, dass man das ganze Set kaufte. Die Gründe dazu sind mir nicht bekannt. Vielleicht hatten sie noch überzählige Wagen? Aber immerhin, sowohl die Personenwagen wie die Kesselwagen erhielten ebenfalls eine neue Sonderserie-Lackierung.

    Aber bisher wurde nichts davon als gesuchte Rarität sonderlich nachgefragt. Bei der rieeesigen Anzahl an exakten H0 1:87 Modellen im Jahre 2026, da haben pseudo-Vorbilder einen sehr schweren Stand in der Käufergunst. Heute mehr den je. 1978 war das noch anderst, der Koll Katalog über Märklin H0 entsprach eher einem Heft, die Märklin 700-erter Serie Vorkrieg Handschalung die alten seltenen Raritäten, die 800-er Serie gerade eben zum Oldtimer und die 3000-Serie das Katalog-Angebot. Die Neuheiten der 3100 machten weniger wie 10% vom Katalog Angebot aus. Irrtum Vorbehalten die 3300 gab es 1978 noch gar nicht und die 3600 (Digital) erst recht nicht, die kamen ab 1985 auf den Markt.

    Sonderserien, das ist so eine Sache und ein Widerspruch in sich selbst. Die Hersteller brauchen die Sonderserien um wirtschaftlich überleben zu können. Und in vielen Fällen wollen die Modellbahn-Kunden auch Sonderserien, wenn HAG bei der Kat 160 grünen SBB Re 4/4 II geblieben wäre, das würden heutige Käufer nicht nachvollziehen können, wenn an den Gotthard Linien am ehesten noch Cargo-Loks zu sehen sind und ab und zu noch eine blaue WSM Re 4/4 III und die grüne Re 4/4 II nur noch vor Sonderfahrten.

    Aber bei tausenden Sonderserien ist der Stellenwert pro Modell massiv gesunken. 1980, also vor 46 Jahren hat im EA jemand ernsthaft ein Inserat aufgegeben, er suche einen Kredit für einen Hausbau und biete dafür als Sicherheit seine Märklin-Sammlung. Heute würde man das als Affront gegen Modellbahnsammler betrachten, dass sich da jemand lustig über Sammler macht. Leider geht aus dem EA Inserat nicht hervor, ob die Person damit erfolgreich war? Allein dass das jemand gemacht hat, zeigt auf, dass die Modellbahn damals einen viel grösseren Stellenwert hatte. Aber ohne dass jemand etwas falsch gemacht hätte oder "schuld" ist, die Begehrlichkeit pro einzelnes Modell geht zurück, selbst wenn die Auflage 1 Stk ist, wenn zig tausende Modelle auf dem Markt vorhanden sind.

    Wenn heute schon gute Modelle für 50% tiefere Preise zu haben sind, manchmal auch 75-80% noch weniger, dann hat eine umlackierte DB Lok als SBB Modell praktisch keine Chance mehr, das Käufer Interesse zu erreichen.

    Was auch immer, es kauften damals die klassischen Märklin-Sammler ganz ordentlich die "falsche" SBB Ee 3/3, anstatt Kinder und Seriöse 1:87 Modellbahner. Letztere sind altmodisch, die wollen die Modelle exakt haben. Die Märklin Sammler sind (waren?) die Avantgarde 30 Jahre der Zeit voraus: das Vorbild 1:1 macht es heutzutage ebenso: Details und die Lackierung sind individuell für die Bahngesellschaft ausgeführt, aber die Basis richtet sich nach dem Einsatzzweck, egal wer der Besteller ist.

    Märklin machte es schon richtig, sie sind in den 1990-er und 1. Dekade 2000-er Jahre 2-gleisig gefahren: Budget Sets aus ihrem längstens amortisierten Grundstock und anspruchsvolle teurere Sets mit modernem Rollmaterial.

    Kinder aus aktueller Zeit, wollen Sachen die sie auch wirklich real erleben. Anfänger Set mit der SBB Re 460, oder Re 482 oder Re 4/4 IV. Zur not ging auch noch ein Set mit der Ae 6/6, das fanden die Kinder attraktiver al eine falsche SBB Dampflok. Die Jugend welche normalerweise das ganze Leben noch vor sich hat, will in der Regel nichts Altes.

    Irniger erfüllte - vorübergehend - eine gewisse Marktlücke, ohne Eigenbau zu mehr H0 SBB Modelle zu kommen, ohne dass es das Budget sprengte.

    Analog ist cool:)

    Einmal editiert, zuletzt von Longimanus (8. Februar 2026 um 12:27)

  • Die Lücke füllte Irmiger mit seinen "SBB" Modellen. Und wenn man den Inhaber persönlich kannte, (was auf mich nicht zutraf), hat man eine andere Beziehung als wenn man an einer Börse irgend eine "komische" SBB Lok entdeckt.

    EMAG-Zürich, Aarau-Rohr, Swisstoys, SWIMO, Swiss-Modell, Morep, Semaphore, Friho-Lenk, Ls-Loc Basel, Loki-Spengler Wohlen, Wabu, Ruco u.a. mehr, dazu Intermodell und Merker & Fischer (M&F) aus Deutschland mit SBB Teilsortiment aus dem Nischenbereich. Aufzählung bei Weitem nicht vollständig. Wie weit diese teils hervorragenden Hersteller, teils auch einfach gestrickte Anbieter untereinander kooperierten, oder unter eigenem Namen die Modelle eines Mitbewerbers verkauften, dies ist mir nicht bekannt.

    Nach 50 Jahren weiss man nicht mehr so viel darüber und nach weiteren 50 Jahren gehört man beinahe zu den Verrückten. Nicht nur gehen die kleinen Anbieter vergessen, die Grossen ebenso: trotz dem sehr aktiven Trix-Express Fan-Club, und etlichen Büchern über Trix-Express und den vielen Fans und den Internet Angaben, geht die allgemeine Bekanntheit von Trix-Express zurück. Obwohl Trix als Märklin Gleichstrom weiter lebt und Trix-Express zusammen mit Fleischmann in Europa nach Märklin einer der wichtigsten H0 Anbieter war.

    Ein Vergleich von Nischen Anbietern und Roco um 1979 /1980, also vor ca +/- 45 - 50 Jahren. Dieses Roco Preis / Leistung Angebot konnte niemand mehr unterbieten.

    Gruss

    Hermann

    Also wenn es Roco zustande brachte, einen einwandfreien SBB Postwagen für nur CHF 17.80 anzubieten, das ist der ähnliche Effekt wie heute in Evolène, wenn begabte Frauen selber Kleider herstellen wollen und erschreckt feststellen, dass die Wolle dazu 3-4 x teurer ist, als im Laden der fertige Pullover. Anderseits eine derart falsche BLS Re 4/4 mit nur einer angetrieben Achse(!), heute bekommt man eine qualitativ viel höherwertige gebrauchte BLS Re 4/4 ebenso für teils unter CHF 100.-

       

       

       

    Analog ist cool:)

    Einmal editiert, zuletzt von Longimanus (8. Februar 2026 um 12:25)

  • Wenn sich nicht mal Märklin getraute (die haben eigentlich kaum Hemmungen) ihre vormalige SBB Rangierloks 29216 SBB E 3/3 8500 Tigerli im Jahre 2003, vorher 1996 + 1997 die 29215 SBB Ee 3/3 16371 rot & 28722 SBB Ee 3/3 16332 braun als einzelnes kaufbares Katalog-Modell anzubieten, dann ist es schwierig für dieses Gebiet genügend viele Interessenten und potentielle Käufer zu finden.

    Hallo Hermann,

    als ehemaliger Auktionator, der Du warst mag ich Deine Einschätzungen und sachlichen Komentare sehr. Es war ja eben das Plus von Irniger: Er hatte vor Märklin bereits in den 70er/80er Jahren diese Idee und sie umgesetzt. Somit hatte er ja keine (Märklin-)Konkurenz und bei nur auf 50 limitierte Loks (wo die Hälfte wahrscheinlich eh unter der Hand an Stammkunden weg gingen) war das Risiko überschaubar.

    Aber bei tausenden Sonderserien ist der Stellenwert pro Modell massiv gesunken. 1980, also vor 46 Jahren hat im EA jemand ernsthaft ein Inserat aufgegeben, er suche einen Kredit für einen Hausbau und biete dafür als Sicherheit seine Märklin-Sammlung. Heute würde man das als Affront gegen Modellbahnsammler betrachten, dass sich da jemand lustig über Sammler macht. Leider geht aus dem EA Inserat nicht hervor, ob die Person damit erfolgreich war? Allein dass das jemand gemacht hat, zeigt auf, dass die Modellbahn damals einen viel grösseren Stellenwert hatte. Aber ohne dass jemand etwas falsch gemacht hätte oder "schuld" ist, die Begehrlichkeit pro einzelnes Modell geht zurück, selbst wenn die Auflage 1 Stk ist, wenn zig tausende Modelle auf dem Markt vorhanden sind.

    Wenn heute schon gute Modelle für 50% tiefere Preise zu haben sind, manchmal auch 75-80% noch weniger, dann hat eine umlackierte DB Lok als SBB Modell praktisch keine Chance mehr, das Käufer Interesse zu erreichen.

    Das ist mir durchaus bewusst. Ich habe diese Irniger-Modelle nicht als Wertanlage, sondern zu meinem eigenen Vergnügen gekauft.

    EMAG-Zürich, Aarau-Rohr, Swisstoys, SWIMO, Swiss-Modell, Morep, Semaphore, Friho-Lenk, Ls-Loc Basel, Loki-Spengler Wohlen, Wabu, Ruco u.a. mehr, dazu Intermodell und Merker & Fischer (M&F) aus Deutschland mit SBB Teilsortiment aus dem Nischenbereich. Aufzählung bei Weitem nicht vollständig. Wie weit diese teils hervorragenden Hersteller, teils auch einfach gestrickte Anbieter untereinander kooperierten, oder unter eigenem Namen die Modelle eines Mitbewerbers verkauften, dies ist mir nicht bekannt.

    Auch das dürfte die relativ geringe Stückzahl bei Irniger erklären: Es gab zwar damals Bausätze die weit detailierter und näher am Original waren als die "falsche" Irniger Lok, aber man musste dafür selber Hand anlegen, was schon damals nicht allen gegeben war*. Ein Beispiel von zusammenwürfeln verschiedener Komponenten habe ich selber im Fuhrpark: Die Deutsche Dampflok der BR 74 von GEM (vertrieben durch Walker und Holzapfel) als Metallgehäuse-Bausatz, die dem Vorbild entsprach und das Fahrwerk der Märklin BR 24 Nr.3003 (siehe Bild Verpackung) verwendete, welche dieselbe Radstellung aufweist (die Märklin BR 74 Nr. 3095 kam erst später auf den Markt):

    *Ein solcher hatte zuvor offensichtlich erfolglos versucht das von mir als "Modellbahnschrott" gekaufte Modell zusammenzubauen. Musste erst einiges berichtigen (wieder trennen und richtig zusammenkleben) und fehlende Teile selber herstellen.

    Das mit der Preisentwicklung stimmt mich ebenfalls nachdenklich.

  • Hallo Hermann

    so cool, jetzt hab ich endlich einen Nachweis zur BLS Ae 6/8 von Intermodel, ganz schön steifer Preis für 1979... wär noch spannend wenn wer die angebotenen "Bildseiten und Preislisten" hätte

    Gruss Dumeng

  • Hallo Dumeng,

    es gab mindestens 1977 bis 1981 vielleicht auch länger immer wieder mal (manchmal) Inserate von Intermodell im Eisenbahn-Amateur. Z.B.

      

      

    Entschuldigung für die schlechte Fotoqualität, ich habe nicht so Lust alle meine teuren Nikon Objektive neu zu kaufen, für das Z-System. Anderseits sind die Z Objektive extrem flexibel, man kann mit dem Standard Objektiv, als wäre es ein Makro - ganz nahe an das Objekt heran, in dem Fall ein altes kleines EA Inserat und es ist, zumindest auf meinem Bildschirm - gestochen scharf. Keine Ahnung wie die Bildqualität bei Euch oder auf einem Handy zu sehen ist?? Jedenfalls ein Normalobjektiv als Makro benutzen, das war bisher unmöglich!!! Auf Schärfepriorität hätte man die Kamera gar nicht auslösen können. Und auf Auslösepriorität wäre das Bild ganz verschwommen gewesen.

    Allerdings ist naheliegend der optische Verzug / Verzerrung sehr stark, man bräuchte jetzt noch eine digitale Umrechnung, welche einem das Objekt wieder in die korrekte, in dem Fall rechtwinklige Geometrie umrechnet. Aber Ihr wisst: ich und Digital, nicht alle Leute können als ein Röbi auf die Welt kommen und das Wirken von Digital einfach intus haben & intuitiv verstehen. Ich habe keine Ahnung wie man so ein Korrekturprogramm bedienen würde.

    Egal ob die Modelle aus 1979/1980 noch werthaltig sind und oder preislich gegen Null sinken, es sind für mich schöne Kindheitserinnerungen. Ich weiss es noch heute, bin damals halb verzweifelt, als von HAG ab ende 1978 erste Gerüchte aufkamen, es gäbe nächstens mal die Doppellok BLS Ae 8/8, diese 1979 konkret angekündigt wurde und es bis 1981 dauerte, bis sie im Cenci in Riehen auch erhältlich war. Anderseits gab es einem die Gelegenheit, darauf zu sparen und das Geld zusammen bekommen. Wäre das Modell 1978 gleich verfügbar gewesen, ich hätte als 14 Jähriger die CHF 396.- gar nicht aufbringen können. Eher noch mehr Einfluss auf mein Leben hatte 1978 der "Koll" Sammler Katalog für Märklin H0 Erzeugnisse... Die späten 1970-er Jahren waren eine spannende Zeit.

    Gruss

    Hermann

    Analog ist cool:)

  • Egal ob die Modelle aus 1979/1980 noch werthaltig sind und oder preislich gegen Null sinken, es sind für mich schöne Kindheitserinnerungen. Ich weiss es noch heute, bin damals halb verzweifelt, als von HAG ab ende 1978 erste Gerüchte aufkamen, es gäbe nächstens mal die Doppellok BLS Ae 8/8, diese 1979 konkret angekündigt wurde und es bis 1981 dauerte, bis sie im Cenci in Riehen auch erhältlich war. Anderseits gab es einem die Gelegenheit, darauf zu sparen und das Geld zusammen bekommen. Wäre das Modell 1978 gleich verfügbar gewesen, ich hätte als 14 Jähriger die CHF 396.- gar nicht aufbringen können.

    Danke Hermann, für diese schöne Jugenderinnerung. Da hattest du in Deiner Jugend etwas mehr Glück mit Deinem Traum von der BLS Ae 8/8 als ich mit der Irniger-Dampflok. Die limitierte A 3/5 703 von Irniger wurde ausschliesslich im Dezember 1979 zum Kauf angeboten, denn jedes Jahr wurde ja wieder von etwas anderem 50 Stück gestaltet.

    Hatte das Bild der Irniger SBB B 3/4 Dampflok "vernuschet", jetzt aber doch wieder gefunden zum nachliefern. Eine DB BR 24 (Märklin 3003) mutierte unter Irniger's Regie auch mal zur SBB B 3/4:

    Ebenfalls eine Irniger-Lokomotive, die ich nicht besitze. Ich finde sie aber auch weniger überzeugend als die A 3/5 703, sprich etwas gar weit von der wirklichen B 3/4 weg.

    Zum vergleich die Märklin BR 24...

     

    ...Und was ich vor einiger Zeit aus einem solchen (aber schrottreifen) Märklin 3003 Modell umgebaut hatte. Der Kohlenwagen ist ein Eigenbau.