Kleinbahn Kataloge 1964 bis 1976

  • Vielleicht gab es auch pekuniäre Gründe, wie Renovation der Liegenschaft oder Mietzins.

    Hallo Carlo


    Hätte fast noch vergessen zu antworten.


    Das Gebäude wurde erst einiges nach 2000 im grösseren Umfang renoviert, vor allem die Ladengeschäfte. Renovationen sollten bei Kleinbahn noch keinen Einfluss gehabt haben, grössere Mietzinserhöhungen kamen erst später. Damals stand Zürich noch für die drei A, alt, arm, arbeitslos. Mit etwas mehr als 358'000 Einwohner erreichte die Stadt damals fast den geringsten Einwohnerstand. Erst ab 2005 gewann sie wieder an Attraktivität und der Zuzug stieg spürbar an. In diesem Quartier ging um 1992, 1993, wenn ich mich noch richtig erinnere, eine Welle von Mietzinserhöhungen vor allem über die kleinen Ladengeschäfte hinweg. Eines nach dem anderen musste deswegen schliessen. Mit der Schliessung der Weststrasse ging eine weitere Aufwertung mit massiv höheren Mietzinsen einher. Was im Moment abläuft, wird in der Presse Seefeldisierung genannt, Sanierungen, Renovationen und Umnutzung zu Eigentumswohnungen der Gebäude mit weiteren massiven Mietzinserhöhungen. Seit den frühen 90er Jahren konnten sich ganz wenige der neu hinzugezogenen oder eröffneten Verkaufsgeschäfte längerfristig im Quartier halten, sehr häufig war bereits nach einem Jahr wieder Schluss. An der Birmensdorferstrasse 155 gab es unter anderem ein Blumengeschäft, eine Metzgerei, ein Reisebüro, alles längst weg. Die Aufwertung mit den einhergehenden Kostensteigerungen war einer der wesentlichen Gründen warum ich mich entschied proaktiv von Wiedikon wegzuziehen. Fünf Monate nach dem Umzug kann ich mit Sicherheit sagen, uns gefällt es am neuen Wohnort und wir fühlen uns sehr wohl. Der Entscheid war ein guter, hätte ich schon früher machen sollen.

    Gruss Erwin



    Wer rast, der verpasst das Leben.


    Kein Platz für weitere Sammelstücke ist nur eine faule Ausrede. ;) Es gibt für alles eine Lösung.

  • Hallo Roger


    Unbedarfte Frage: wie entscheidet sich ob ein Modell sammeltauglich ist?

    Hallo Carlo,

    Diese Frage ist einfach zu beantworten: jeder Sammler entscheidet für sich, ob ein Objekt sammelwürdig ist.;)


    Mit anderen Worten: jeder Einzelne hat persönliche Präferenzen. So will der eine stur nur Originales und geht Kompromisse mit Spiel- und Abnutzungsspuren ein, ein anderer zieht eine perfekte Restaurierung inklusive Replika-OVP vor. Unzählige Kombinationen von Sammlervorlieben sind möglich. Nicht zuletzt auch gesteuert durch finanzielle Möglichkeiten und Geduld...


    Märklin Ae 6/6 findet man hier in der Schweiz wie Sand am Meer. Allerdings sind schöne Exemplare in ansprechender OVP deutlich seltener. Ich selbst habe beim Wiederkauf darauf geachtet, dass das originale werksmässig angebrachte Berner Wappen dran war. Ein beiliegender komplettes Wasserschiebebilder-Wappenset wäre sicher auch noch ein nettes Gadget. Dieses kann aber auch nachträglich besorgt werden.

    Nicht zuletzt entscheidet auch die Verpackung über Kauf oder Nichtkauf: die OVP durfte nicht eingerissen oder beschriftet oder sonst wie beschädigt sein. Ich bin nicht mal sicher, ob ich hier auf eine Replika-Schachtel zurückgriff. Mir geht es bei meinen Stücken weniger um den Sammelwert (was eine Repro-Verpackung ausschliessen würde). Vielmehr achte ich auf eine möglichst unbeschädigte Erscheinung des Objekts. Auch die Technik darf nachgebaut sein... solange sie nicht technisch modernisiert wurde. In meiner Sammlung wird man niemals eine Lokomotive aus der Bilderkarton-Epoche mit elektronischen Komponenten vorfinden - höchstens als spielfähige Doublette für allfälligen regelmässigen Digital-Fahrbetrieb.


    Aber wie Eingangs gesagt: Jeder entscheidet das für sich selber.

    Gruss Roger


    95 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • ;)da macht jeder für sich eine Risiko Analyse: der Bauer darf nicht mit der Heugabel auf einem einstechen, sie muss überhaupt gesammelt werden wollen, davon kann man heutzutage längstens nicht automatisch ausgehen, es zählt der freie Wille. Falls die kleine Wahrscheinlichkeit überhaupt zutrifft, dann sollte das Modell nicht von einer Sekte angeboten werden, beim erscheinen nicht auf den nächst besten Baum flüchten wollen, es beruht auf gegenseitigem Gefallen. Man kann es sich freiwillig schwer machen, dass man das 100% perfekte einer Göttin äquivalente Modell sucht, dann sucht man... Auch die Verpackung spielt eine gewisse Rolle, die meisten mögen authentische Modelle.


    Auf (Nicht)Prestige möchte ich mich nicht festlegen wollen. Da möchte ich möglichst alles sammeln... Das macht ja gerade eben den Reize aus, dass jede Modell-Herstellung seine ureigene Geschichte aufweist, egal ob Lima oder Lemaco und alles dazwischen. Nur schon Kleinbahn produziert(e) mindestens 6 verschiedene SBB H0 Ae 6/6 Varianten. Bereits alleine HAG H0 bietet ein ganzes Parallel Universum an möglichen Ae 6/6 Modellen. Dazu gab es z.B. von Fleischmann, Märklin, Lima, Lemaco, Roco, WESA, Rokal Ae 6/6 Modelle in +/- ca. H0. Ae 6/6 Modelle gibt es in JEDER wichtigeren Grösse von Z bis I.


    Suchen die Modelle die Sammler aus, oder der Sammler die Modelle? Da habe ich bis heute keine schlüssige Antwort. Roger hat da mal eine süffisante Bemerkung gemacht, der ich voll zustimme. Niemand sammelt einfach wild drauf los. Nach meiner Erfahrung gibt es auch "wild drauf los Sammler, es ist vielleicht die ehrlichste aber auch kindlichste Form des Sammelns, welche niemals lange anhält, sie gleicht einem "Strohfeuer". Wer länger sammelt, selbst diskrete Leute welche den Flughafen als Platz und Millionen als Budget hätten, müssen sich Limiten fügen. Hat jemand das Limit Nr 1 "Platz" überwunden, dann folgt sogleich das nächste Limit. Nicht unter Limit, sondern was das eigentliche Leben ausmacht, (Ehe)Frau möchte ich auch aufführen: weder sich drangsalieren lassen, noch SIE vernachlässigen. Kommt sich die Frau überflüssig, uninteressant oder sonst wie unzufrieden vor, dann müssen beim Sammler die Alarmglocken orange bis rot blinken und wenn möglich Kompromisse gefunden werden, sonst kommt es nicht gut.


    Um aus allen diesen Limiten einen Weg heraus zu finden, hat das MoBa-Forum den Ausdruck Beuteschema erfunden, ich weiss auch nicht wer genau, jedenfalls trifft es den Nagel auf den Kopf. Es gibt kein Buch oder Anleitung was der Inhalt eines Beuteschemas ist, man definiert dies höchst selbst an Hand seiner Möglichkeiten und Sammler Lust. Es gibt da kein falsch oder richtig!


    Es wird auch ganz bestimmt niemand ausgelacht, welcher sein Beuteschema nicht voll ausgeschöpft hat. Eher umgekehrt, wer es zustande gebracht hat, fürchtet sich vielleicht ein wenig, was und wie es weiter gehen soll?


    Häufig vorzufindende Beutschema-Varianten


    - H0 Lokomotiven System Märklin mit "SBB" Aufschrift / Zugehörigkeit.

    - oder grüne Ae 6/6 (oder rote Re 460, oder was auch immer) möglichst vollständig je 1 Exemplar über alle Hersteller hindurch.

    - oder (SBB) Dampflokomotiven.

    - oder nur ein einziges Model, dies aber über alle Spuren hinweg.

    - oder nur Loks, welche einer vorgegebenem Antrieb entsprechen: Gummiantrieb, Uhrwerk, 4 bis 220 Volt, Dampf-Lifesteam, DC, AC, Drehstrom(!) usw.

    - Firmen bezogen: Alles, aber nur von einem Hersteller, sonst wäre man ja ein Fremdgänger. Früher sehr üblich, heute sammelt so niemand mehr.

    - oder was es früher öfters gab, rein Prestige bezogen.

    - andere sammeln eine bestimmte Material Definition, z.B. Messing Modelle.

    - sind künstlerische und finanzielle Werte das Thema: z.B. Märklin Uralt was den Zeitrahmen 1892 bis 1918 umfasst.


    Die Aufzählung ist ausdrücklich nicht vollständig... Es muss sich auch nicht zwingend um Lokomotiven handeln. Wagen, Bahnhöfe, Zubehör sind genau so interessant. Flugzeuge, Schiffe, Traktoren, Autos ebenso... Es gibt erstaunlich wenig Gebiete ohne Modelle! Selbst Atomkraftwerke / KKW... Nur eins ist gewiss, ALLES zu sammeln ist unmöglich.

    Analog ist cool:)

  • anbei ein paar Foto der ersten Kleinbahn Ae 6/6 Typ 1.

    Das 1. Baujahr dürfte um 1958 herum sein, leider weiss ich es vorläufig nicht exakter.


    Das Modell enthielt bereits 2 Motoren älterer Bauart. Halbleiter-Dioden für den Lichtwechsel waren noch nicht üblich. Das gäbe heute 62 Jahre später ein Theater, wenn ein H0 Hersteller eine Ae 6/6 einseitig mit nur einer einzigen Lampe heraus bringen würde;). Märklin war auch nicht viel besser, aber umgekehrt: die 1. Version 3050 Ae 6/6 von 1964 war korrekt mit einem etwas aufwendigerem Relais beleuchtet. Aber bei den nachfolgenden 3050 Loks differierten die sparsamen Schwaben nicht zwischen vorwärts/rückwärts und leuchteten was die Lampen hergaben:D. Die Kinder fanden dies meist als einen gratis-Mehrwert, die Erwachsenen Modellbahner empfanden es als Rückschritt. Und Kleinbahn hat seine Ae 6/6 als preiswert mit 2 Motoren beworben, was zu der Zeit niemand anderst in H0 angeboten hatte. Bald darauf hat KLB einige Jahre später seine Ae 6/6 mit schwarzen Rädern und 2 Lampen und Dioden ausgerüstet.


         


          


    Kleinbahn H0 SBB Ae 6/6 mit roten Rädern und 4 Türen:D. Letzteres hat Irrtum vorbehalten nur die 11401 + 11402. Schade waren bei den SBB Loks mit roten Rädern nicht bekannt. Dies ist nur eine Fantasie der damaligen H0 Spielzeug Hersteller. Märklin fertigte dieses Detail immer korrekt. Jedoch Fleischmann, selbst HAG und eben auch Kleinbahn fertigten ganz kurze Zeit Ae 6/6 mit roten Speichenrädern. Das sieht doch einfach schöner aus:thumbsup:. Es ist kein Modell-Fehler, sondern umgekehrt ein Vorbild SBB "Fehler", dass es das nie gab? (vielleicht wegen der Verschmutzung)


    ÖBB Schnellzug Dampflok D-12 von Kleinbahn (bespielt). Der Guss befindet sich in guter Erhaltung. Kunststoff Details wie Griffstangen, Treppen etc sind spröde und brüchig geworden. Mittlerweile ein ca. 55 - 65 jähriges Modell.

       

    Grosse ÖBB Schnellzug Dampflok BR-12 (214), Modell Kleinbahn. Eine getarnte Achsfolge 1`D`2 in Wirklichkeit nur 2-Triebachsen.


    Seit eh und je sind in H0 Achsfolgen 2`D`1 / 1`D`2 eine Herausforderung. Gut geht das erst ab etwa 120 cm Kreisdurchmesser oder mehr. Bei üblichem 75-80 cm Spielzeug Kreisdurchmesser sind auf irgend eine Art und Weise Kompromisse erforderlich, z.B. deutlich seitlich verschiebbare Achsen.


         

    Kleinbahn konstruierte die Lok anderst: Angetrieben wird die Triebachse unter dem Führerhaus. Die nachfolgenden mittleren 2 Radsätze sind ohne Spurkränze und berühren das Gleis ganz knapp nicht.

         

    Der imitierte Spurkranz ist nur ein am Chassie fest stehendes Blech(!) Auf so eine Idee muss man erst mal kommen! Man muss schon nahe und genau hinsehen, dass diese Vereinfachung auffällt. Die Lok läuft ganz passabel. Mittlerweile ist die D-12 / 214 eine tendenziell gesuchte Kleinbahn Lok aus den 1950/1960-er Jahren.

    Analog ist cool:)

    2 Mal editiert, zuletzt von Longimanus ()

  • Hallo allerseits


    Ganz herzlichen Dank für die Antworten und Rückmeldungen!


    Die Veränderungen im Quartier Wiedikon die Erwin beleuchtet, sind schon ziemlich ätzend und scheinbar unausweichlich.

    Da kann ich nur mit einer Anekdote einen kleinen, nostalgischen Kontrapunkt setzen: Als Bub war ich ein begeisterter 'Handörgeler' und ich spiele auch heute noch ab und zu, z.B. den 'Hudigäggeler' namens 'Bim Walti i de Bibliothek' :). Damals, vor rund 55 Jahren, hatte ich eine junge Musiklehrerin, sie hiess Annamarie. Nun, zur Zeit lebt meine Tochter als Studentin in Wiedikon und da habe ich unweit ihrer Wohnung folgendes entdeckt: Annamarie’s Musigstübli. Ich bin da natürlich sofort rein und man glaubt es kaum, ich traf auf die quicklebendige und immer noch aktive Akkordeon-Lehrerin Annamarie! Und da wir beide brilliant erhalten sind :D, haben wir uns sogar gegenseitig wieder-erkannt. Das war schön. Und vielleicht ist in Wiedikon doch nicht alles verloren.


    Die 'Gotthard-Loki' hat mich persönlich stark geprägt. Die Ae 6/6 war damals (wie heute) eine grosse Sache und ein wichtiges Stück Industriegeschichte. Und die Familienfahrten über den Gotthard ins Tessin, das alles war unglaublich 'cool'!

    Die Kleinbahn Ae 6/6 habe ich selber nie besessen. Aber sie verkehrte auf der grossen KLB-Anlage unserer Nachbarn, wo ich sie zum ersten Mal sah und sehnsüchtig bestaunte.


    Die Einblicke in das Wesen des Sammelns sind erhellend, danke! Gefühlt wusste ich das alles irgendwie, aber Roger und Hermann bringen es trefflich auf den Punkt. Ich dachte immer, ich sei kein Sammler; jetzt aber weiss ich es ein bisschen besser. Mein Beuteschema ist sehr spezifisch und meine Sammlung eher von der Gattung Bonsai ;). Wobei - seit letzem Jahr bin ich Online Kunde bei Dorenbach und freue mich schon darauf, wenn es dann endlich wieder eine Auktion gibt!


    11465 - Oerlikon zwei kleine Fragen hätte ich noch, Roger.

    11465: weil Du ein Oerliker bist?

    121 in der Signatur: Beuteschema = alle?

    Gruss, Carlo

    [H0m DCC] Anlage "Rhaetian Flyer" Proto-Freelance RhB, FO; Testanlage, Aufstellbahnhof, Wendel in Betrieb; nächste Etappe: gestalteter Bereich 'Musteria' nach Vorbild Disentis
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  • Hoi Carlo, darauf antworte ich gern: Ich bin kein Oerliker. (immerhin Affoltermer, was ja ein Nachbarquartier innerhalb der Stadt Zürich ist). Dies ist aber nicht der Grund für mein Kürzel. Das ist viel banaler:

    Als ich mich für die Ae 6/6 zu interessieren begann hatte ich einen Arbeitskollegen, der sämtliche Wappen dieses Loktyps fotografiert hatte. Dies wollte ich ihm nachmachen (was mir gerade noch in letzter Sekunde gelang, bevor immer mehr Wappen ab den Loks geklaut wurden und sie schliesslich durch die SBB abgenommen wurden). Dieser Arbeitskollege hatte eine Lieblingslok: die Ae 6/6 11465 Oerlikon. Damit steckte er mich an. Als eigentlich nicht nachvollziehbaren Gründen mutierte also diese Maschine zu meinem Liebling der Serie. Vielleicht auch, weil sie mit dem Quartierwappen(!) eine Sonderstellung einnahm.... keine Ahnung!


    Und die ‚121‘ bezieht sich auf mein Ziel, alle grünen Maschinen der Ae 6/6 in meiner Sammlung zu vereinigen. 121?.... Es gab doch nur 120 Ae 6/6? - Richtig, aber die 11483 muss man doppelt zählen: Im ersten Leben trug sie das Wappen von ‘Porrentruy‘. Nach Gründung des Kanton Jura wurde sie mit dem neuen Kantonswappen geschmückt.


    Und da ich momentan 92 verschiedene Wappen an ebensovielen grünen Ae 6/6 zusammentragen konnte (von 121) steht dieser Zwischenstand so in meiner Fusszeile, Wenn neue Varianten hinzukommen erhöht sich diese Zahl. Bis Ende Jahr dürfte sie auf 95 anwachsen...;)

    Gruss Roger


    95 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Hallo Roger


    Ein schönes Sammelziel - und interessant sind die zwei Leben der 11483.

    Danke und viel Spass und Erfolg auf dem Weg zu den 121!

    Gruss, Carlo

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