Ein Bündner (Fantasie-)Bahnhof Massstab 1:87


  • Der Ersatz für den schmucklose Bahnhofzweckbau aus Kindertagen ist längst überfällig. Ein Holzbau wäre schön. Faller, Kibri & Co haben genug solche im Angebot, aber dann müsste zumindest das Gleisbild zum Bahnhofnamen einigermassen stimmen…Kein Platz dafür.


    Ein fiktiver (Eigenbau-)Bahnhof, welcher aber so schwer nach RhB aussieht, dass er ein Vorbild haben könnte, das soll es sein. Da dies nur ein (Dienst-)Kreuzungs/Haltepunkt ist (ohne grössere Siedlungen oder Firmen in der Nähe) mit vielen Wander- und Velorouten, entfällt der Güterschuppen, aber eine Dienstwohnung soll sich im Obergeschoss befinden. Es ist eine Herausforderung für mich, denn wegen meiner Augenerkrankung weiss ich noch nicht, wie weit ich ins Detail gehen kann…



    Neben Karton kommen als Baumaterial Kaffeerührstäbchen, dünne Feuerwerkskörper-Holzstäbe und Furnierholzresten zum Einsatz. Damit das Gebälk der Seitenwände nicht zu grob ausfällt, werden alle Holz-Rührstäbchen in der Mitte der Länge nach geritzt und die Vertiefung dunkel eingefärbt.



    Das Kartongrundmodell gibt schon eine Vorstellung was es mal werden soll. Elemente entnommen habe ich von den RhB-Bahnhöfen «Surava», «Alvaneu» und «Spinas». Nun geht es ans Zuschneiden und aufkleben…


    Gruss Bruno


    Ein Herz für alte Modellbahnen aus Holz, Metall oder Karton :love:

  • Hoi zäme


    Interessante Technik, auch wenn die Bilder derzeit noch nid allzuviel aussagen. Ist noch ein Perron geplant?


    Dur schreibst 'Plaz', hat das einen bestimmten Grund?


    Gruss Barni

  • Du schreibst 'Plaz', hat das einen bestimmten Grund?

    Hallo Barni,

    der Grund ist folgender: Oben wo das Dorf "Madruns" hintendran (an die Wand gemalt) ist, heisst der Bahnhof "Madruns Vitg" ("Vitg" Rätoromanisch für "Dorf") und beim Kreuzungspunkt, der noch auf dem Boden der Gemeinde Madruns liegt heisst der Bahnhof "Madruns Plaz" ("Plaz" Rätoromanisch für "Ländlich"). War beispielsweise ganz früher bei Davos nicht anders.



    Das "Davos Plaz" wurde mit dem aufkommenden Tourismus in "Davos Platz" eingedeutscht. Ebenso beim heutigen "Davos Dorf".

    Gruss Bruno


    Ein Herz für alte Modellbahnen aus Holz, Metall oder Karton :love:

  • War eine echte «Niverlibüez» mit dem Kaffeerührstäbli zuschneiden und aufkleben. Als Friesverzierungen bei den Stirnseiten (frei nach «Spinas») gab es eingefräste Kaffeerührstäbchen. Mal eine Stellprobe vor Ort…


      


    Allerdings: Feinste Hölzchen zuschneiden für den Stellwerk-Vorbau war dann doch zu viel verlangt für meine Augen – also Variante «Spinas», ohne Vorbau. Der Rohbau ist damit mal abgeschlossen. Jetzt geht's an die Details...

    Gruss Bruno


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  • Hoi Bruno


    Interessante Konstruktionsweise....und ja, man muss sich zu helfen wissen (Spinas hätte dann allerdings wieder einen Güterschuppen). Kommt glaub gut; womit färbst du das Ganze?


    Gruss Barni

  • Salü Barni,

    mit "Variante Spinas", meinte ich nicht den ganzen Bahnhof, sondern nur die Anordnung der Diensträume, welche nach Art des Bahnhof "Spinas" sind (also ohne überdachtem Stellpultvorbau). Das Dachgebälk dagegen entspricht dann eher wieder dem Bahnhof "Alvaneu".


    Eingefärbt/brüniert habe ich das Ganze nun mit Wasserfarbe.



    Die Dachbalken sind etwas Dick, aber dünnere (vierkant-)Raketenstäbe gibt es nicht...



    Fenster und Türrahmen aus Furnierholz zuschneiden (Fenstersims leicht vorstehend), einkleben sowie einfärben und...


    Da habe ich mir wohl selber ein Ei gelegt ;( : Der Karton des Trägermodells ist zwar stabil aber zu Dick, als dass ich nun einfach eine Fensterfolie hinterlegen kann. Selber schuld: Jedes Fenster einzeln zuschneiden, einpassen sowie vor dem einkleben eine Fenstereinteilung aufkleben. Das erste, von vielen :huh: ...

    Gruss Bruno


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  • Mit dem trocknen ist der Farbton des Gebäudes noch etwas heller geworden, gut so. Die Fenster(-Rahmen) sind nun alle montiert und verglast. Details wie der Fahrplan (eine Originalfotografie) sowie eine Bahnhof-Uhr sind auch entstanden und montiert. Eigentlich wollte ich zugeschnittene Ziegel aufs Dach, doch machten bei solcher Kleinarbeit leider auch hier die Augen nicht mit: Ich sah es gerade, geschnitten war's schief :pinch:. Keine Chance für Regelmässigkeit. So kam die Fotografie eines Ziegeldaches zur Anwendung. Als Beleuchtung wählte ich LED: Kaltweiss für die Diensträume unten links und Warmweiss für den Rest des Gebäudes. Es folgt nun der nächste Prüfstein für meine Augen und meine Geduld: Die Fensterläden und weitere kleine Details…


    Gruss Bruno


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  • Bei den Fensterläden hatte ich wirklich Glück: ½ Fenster entspricht der Breite eines Kaffeerührstäbchens. Also musste ich diese nur in der Länge zuschneiden und grün bemalen. Etliche Versuche Verzierungen (Z.B. ein kleines Loch in Herzform) anzubringen bei den Läden scheiterten entweder beim Baumaterial oder wegen meinen Augen (ist manchmal zum Verzweifeln :( ).



    Mit Balken-End-Imitation bei den Raketen-Holzstäben an den Hausecken und Gebäude-Mitte sieht es gleich noch etwas besser aus.



    Eigentlich schade, dass man die Rückseite des Bahnhofes auf der Anlage nicht auch sehen kann. Einen Dachwasserablauf soll der Bahnhof auch noch erhalten. Grauen Draht für die senkrechte Ableitung nach unten habe ich jedenfalls noch im Sammelsurium.


    Der Ausbau des Bahnhofes, namentlich dessen Umgebung geht aber noch weiter. Da fehlen nämlich noch ein paar wichtige Sachen… ;)

    Gruss Bruno


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  • Gefällt mir, dieser schön gewordene Bündner-Bahnhof in vollständiger Eigenbauweise. :thumbsup:

    Freundliche Grüsse aus dem Berner Seeland von Dominik

    Sammelt und fährt H0 / H0m / H0e ...von SBB über BLS und MOB bis zur RhB und Mariazellerbahn! 8)

    Instagram: gumoba96

  • Hoi Bruno


    Dein Bahnhof gefällt mir! Er ist wirklich gut gekommen. So etwas ist guter Gebäudemodellbau. Könnte man allenfalls den Raketenstäbchen auf dem Schleifteller ein wenig die Stärke nehmen, damit sie filigraner aussehen?


    Zum Problem der Herzchenverzierung - wenn es denn wirklich sein muss - kann man so vorgehen:



    Du klebst das Furnier auf ein Paketklebeband



    Hernach bohrst du horizontal zwei Löcher mit neuem Bohrer auf der Bankbohrmascine



    Dann feuchtest du die Umgebung ein wenig mit Wasser an und schneidest das Herz mit dem Cutter fertig



    Danach kannst du mit der Nadelfeile auf dem Laubsägebrett den Finish geben



    Den Laden zuschneiden und danach das Klebeband wieder sorgfältig entfernen



    Und zum Schluss biz anmögele...geht doch, oder?


    Gruss Barni

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  • Salü Zäme,

    danke für die lobenden Worte.


    Danke Barni, klar geht das :thumbup: ! Das ist eine genial gute Idee :thumbsup: . Da muss ich gleich mal entsprechende Versuche starten. Mit den Raketenstäben abschleifen bin ich vorsichtig: Für diese Stäbe wird meistens minderwertiges nicht selten leicht faserndes Holz verwendet. Manchmal kannst Du sogar mit dem Fingernagel Eindrücke machen weil es so weich ist. Das ist klar der Nachteil wenn ich Abfall verbaue.

    Gruss Bruno


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  • Ein frustrierender Tag geht zu Ende. Nachdem heute am Arbeitsort der Flugplan gehörig ducheinander gewirbelt wurde, habe ich mit meinen Augen auch noch einen schlechten Tag erwischt für meine Versuche mit den Fensterläden und den Herzchen. Zu hoch, zu tief, zu nah ineinander, zu weit auseinander gebohrt... :facepalm: Ich habe nur Abfall produziert... :supersad:. Ich muss das ein anderes Mal nochmals versuchen, mit einer Schablone zum bohren.



    Nein, ich spiele nicht Mikado. Ich habe nur das Material vorbereitet für das nächste Kleingebäude auf dem Bahnhofareal von "Madruns-Plaz". Es dürfte (nach dem Bahnhof) eines der wichtigsten Bauten sein...;)

    Gruss Bruno


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  • Hoi Bruno


    Nehm mal an, du meinst ein Scheisshaus. Gab mal in der Modelleisenbahn einen Plan für den Abtritt "Spinas".


    Wie viele Läden brauchst du denn? Habe noch zimli vill Furnier (habe einen zigarrenrauchenden Kollegen). Was sind die Masse deiner Läden?


    Gruss Barni

  • Wie viele Läden brauchst du denn? Habe noch zimli vill Furnier (habe einen zigarrenrauchenden Kollegen). Was sind die Masse deiner Läden?

    Danke Barni für Dein Angebot, aber ich glaube ich lasse das bleiben:

    Ich habe mir nämlich nochmals viele Fotos der verschiedensten RhB Bahnhof-Holzbauten angeschaut.

    Die Läden des Bahnhofes "Madruns-Plaz" messen in H0 11 x 5 mm. Das Herzchen ist in 1:87 wirklich sehr, sehr, klein (siehe Bild), da es im obersten drittel des Ladens nur als kleine Zierde ist. Kommt noch dazu, dass diese Zierelemente sich nicht einheitlich durch alle RhB Holzbauten ziehen: Von keiner Zierde bis, Loch, Blume oder Herz findet sich alles. Selbst die Lasercut Bausatzanbieter liessen die Finger von diesen Verzierungen.

    Nehm mal an, du meinst ein Scheisshaus. Gab mal in der Modelleisenbahn einen Plan für den Abtritt "Spinas".

    Exakt. Es wird (wie schon der Bahnhof) kein direkter Nachbau des unter Denkmalschutz stehenden Abtritt sein. Denn Massstäbliche Holzbausätze vom Abtritt Spinas bekommt man relativ günstig im Fachhandel. Ich will was eigenes, wo die RhB-Verwandtschaft aber dennoch ersichtlich ist. Der Bedeutung des Bahnhofes entsprechend wird das Häuschen etwas weniger breit als das Original. Der Dachvorsprung wird auch etwas eingekürzt, was eine Abstützung erspart.

    Zum Glück finden sich genug Bilder der beiden Holzhäuslein Stugl/Stuls und Spinas (auch mit Leuten drauf). So konnte ich mit Preiserchen einen Grössenvergleich machen und das Bild entsprechend anpassen für das Grundmodell aus Karton. Knacknuss werden auch da wieder die Zierelemente sein, welche gleichzeitig für frische Luft beim stillen Örtchen sorgen (Bild). Ein Freund sagte spontan "Stell doch das Kartonmodell hin, das sieht gut aus". Nein so faul bin ich dann auch wieder nicht: Es soll zum Bahnhof passen und auch aus Holz sein: Grosser Aufwand für kleines Scheisshaus :D.


    Gruss Bruno


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  • Das Dachgebälk mit Feuerwerksstäben (Bambus) und Zündhölzern...



    Das Drumherum wieder aus (in der Mitte geritzten) Kaffeerührstäbchen und Zündhölzern. Die Sichtschutzwand hat den ersten brünierungsanstrich mit Wasserfarbe schon hinter sich (auch beim Bahnhofgebäude brauchte es deren 2 Anstriche).


    :thinking: Aber womit mache ich die noch fehlende kunstvolle Belüftung oben...?

    Gruss Bruno


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  • Aber womit mache ich die noch fehlende kunstvolle Belüftung oben...?

    Nach einem kleinen Brainstorming bin ich auf eine spontane Idee gekommen: in einigen Caféterias gibts als Untersetzer, bzw. als Auflage des kleinen Tabletts eine papierene Unterlage. Die sind geprägt und am Rand sind solche Muster ausgestanzt.

    Zum Beispiel im Café Wüst in Unterengstringen hab ich das schon gesehen…


    Papieruntersetzer gibts aber auch andernorts…


    Gruss Roger


    95 von 121 grünen Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Hoi zäme


    Gute Idee, wobei es bereits jetzt schon gut aussieht.


    Allenfalls könnte man bei der Schutzwand auf Furnier zurückgreifen, die Kafferührstäbchen finde ich persönlich ein wenig palisadenartig dick.


    Gruss Barni

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  • Salü zäme,

    danke Roger für den genialen Tipp :thumbsup: . Ich werde mich nach solchen kleinen Einlagen/Untersetzern/Tortenpapieren mit Spitzen umsehen und dann mit gefälligen Mustern Versuche machen.


    So belassen möchte ich es nicht, denn es soll alles in etwa denselben braunton haben und der Lüftungseinsatz nur wenig zurückversetzt sein. So wie es jetzt ist, wäre der Lüftungseinsatz zu tief und zu dunkel. Ich verfolge parallel zu den Versuchen mit Roger's Idee auch noch meine aufgekeimte Idee mit dem Bildbearbeitungsprogramm zu hantieren. Ich hege aber Zweifel, ob ich einen naheliegend/passenden braunton hinkriege.


    Die Versuche werden es an den Tag bringen was besser aussieht. Roger's Idee hat aber klar die Nase vorn weil ich da ein richtiges 3D-Lüftungsgitter hätte.

    Allenfalls könnte man bei der Schutzwand auf Furnier zurückgreifen, die Kafferührstäbchen finde ich persönlich ein wenig palisadenartig dick.

    Barni, wenn du mal nach oben scrollst siehst Du, dass der Bahnhof im Roh-Holz-Zustand auch wuchtiger erscheint als im fertigen Zustand. Kaffeerührstäbchen sind nur minimal dicker als Furnierholz, aber deutlich stabiler. Was die Bretterwand beim Original zierlich erscheinen lässt, sind die Verzierungen oben bei den Spitzen. Das habe ich vereinfacht und nur zugespitzt, was momentan tatsächlich an Palisaden erinnert. Das Letzte Wort ist aber noch nirgends gesprochen. Es bleibt also laut um's stille Örtchen ;) :D.

    Gruss Bruno


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  • Hoi Bruno


    Sollte ja keine Kritik sein, ist mir halt so ins Auge gesprungen. Geht mir manchmal ja auch so, wenn ich ein neues Material entdeckt habe und dessen Verwendungsmöglichkeiten irgendwie ausprobieren will.


    Allenfalls würde es sogar bereits helfen, wenn die Sichtschutzbretter wie beim Abtritt Spinas zwischen die Pfosten gesetzt würden statt in einer Fläche davor, das lockerte die Wand allenfalls auf


    Gruss Barni