Restauration Hürlimann Industrie Traktor D 500 Bj. 1948

  • Guten Abend zusammen,

    Immer wieder rufen mich, mir unbekannte Leute an, ich sei doch Traktorensammler, sie hätten einen zu verkaufen. Meine Standardantwort ist: NEIN Danke, sie hätten 10 Jahre früher anrufen sollen. Heute kein Platz mehr, kein Geld mehr, keine Kapazität mehr. Ja kaufen sie denn gar keine Traktoren mehr? Doch, aber ausdrücklich nur noch 1:87. So ganz konsequent bin ich dann doch nicht 100%-tig. Vielleicht habe ich sogar mal was Vernünftiges gemacht.


    Langfristig werde ich den JCB 8310 verkaufen, weil er mir langfristig zu viel Steuern (LSVA) kostet und ich ihn nicht ganz für das einsetze, wozu er im Stande ist. Es ist nicht verboten, ein Hobby-Mini-Lohnunternehmer zu sein, aber die amtlichen Bedingungen sind die selben. Und bis in 20-30 Jahren, kann an einem JCB 8310 unendlich viel defekt gehen, weil kein anderer Traktor dermassen viel Technik aufweist. Dieser saubere Kraftprotz sollte einem richtigen Lohnunternehmer gehören, welcher ihn 10-15 Jahre streng benutzt und alles anwendet, was diese vielseitige Maschine kann, - und dann verschrottet werden.


    So kam mir ein Anruf für einen Hürlimann D-500 Strassentraktor gerade gelegen. Der wiegt 3,1 Tonnen, statt 12,0 Tonnen und läuft (1948!!) 60 km/h schnell, genau das Richtige für mich. Es ist ein relativ unkomplizierter, sehr kompakter Traktor, welcher nur das Nötigste hat, aber das was er hat, in guter bis sehr guter Qualität. Kaum zu glauben, diese äusserst engen Platzverhältnisse waren das Nonplusultra Flaggschiff damals, was Hürlimann anzubieten hatte. Man muss sich auf den Fahrersitz richtig "einfädeln". Das - spätere - sehr stör- und reparaturanfällige Synchrogetriebe, Allrad-, usw. (Hürlimann war da Pionier), hatte er noch nicht. Kleiner Nachteil: man kann diesen Pionier-Komfort nicht benutzen. Grosser Vorteil: Was nicht vorhanden ist, kann auch nicht defekt gehen. immerhin hat bereits diese "einfache" Ausführung eine 4-Rad Bremse!


    Die nun folgende Restauration sollte überschaubar und kalkulierbar bleiben. Auf die Schnelle habe ich unter Bekannten und im Netz nichts gefunden, was ein KO-Kriterium wäre. Im Wissen, es wird machbar, aber kein einfacher Spaziergang werden, weil bereits der D-500 zu viele Teile hat, welche ausschliesslich nur hier verbaut wurden. Noch heute im 2018 hat längst nicht jeder moderne Traktor 4-Radbremsen, entsprechend ist es schwierig, Vorderrad-Bremsbacken für einen Hürlimann D-500 von 1948 zu finden, weil die bekannten CH Hürlimann Ersatzteilhändler haben nur Teile, für welche eine - genügend grosse - Nachfrage besteht.


    Lustig war, der vorherige Besitzer hält diesen D-500 für fast wie neu? Ich halte ihn für eine gute Restaurationsbasis. Soweit können die Meinungen vom selben Objekt auseinander gehen. Ich muss nicht zwingend noch einen Traktor haben, also kam mein Preisvorschlag zum Tragen. Ich gab ihm die Alternative: mach doch ein Inserat im Internet, dann siehst Du ob Deine Vorstellung Träumerei oder der Realität entspricht. Anderseits hatte ich durchaus Freude, einen Hürlimann D-500 kaufen zu können, welcher bezahlbar und nicht gerade gänzlich Schrott ist.


    Bisher kam nur etwas zum Vorschein, was in`s Geld gehen wird: dieser Traktor wurde vom 1. Besitzer nicht als Hobby angeschafft, sondern musste schwerste Lasten ziehen. Der Motor und die Zahnräder überlebten die harte Arbeit unbeschadet, nicht so die Getriebelager. Speziell beim 1. Gang tönte das Zahnrad, als wären Glugger vorhanden. Das bemerkte ich schon beim Ausprobieren, entsprechend wurde dies beim Kaufpreis miteinkalkuliert. Auch die Kupplungsscheibe ist bis auf die Nieten abgebraucht, dennoch funktionierte die Kupplung noch erstaunlich gut.


    Wahrscheinlich im Frühling wird der D-500 fertig sein. Abgemacht war, dass ich diesen Hürlimann bei Knüsel bis in Herbst hinein deponieren kann, jetzt haben sie mit der Restauration schon voll begonnen :lol::rolleyes:und nehmen alles bis zur letzten Schraube auseinander...


    Das soll keine zig halbe Restaurationen wie beim SLM geben, sondern "nur" eine Einzige, dafür eine "richtige", ganz von Grund auf. Auch wenn der vorherige Besitzer meint, das sei nicht nötig. Von wegen: In Anbetracht dass die Druckluft/Hydraulik-Bremse nicht geht und der 1. Gang gluggert, irrt der Vorbesitzer. Der traute sich ja gar nicht die V/max auszuprobieren, was man von mir nicht wirklich nicht behaupten kann. Zum Glück waren auf dem Versuchsgelände keine Passanten unterwegs... Trotz dem mässig guten Zustand, dieser Hürlimann fuhr in so desolatem Zustand ganz locker was er gemäss Pflichtenheft muss. Der Motorblock hat weder Beulen, noch Anlaufschwierigkeiten. Nur das Bremsen ist (noch) Glückssache.


    Hoffentlich kann ich den Hugo Betschart von Knüsel und das Verkehrsamt überzeugen, dass bei einem Traktor "stark sein" selbstverständlich ist und Schnelligkeit seine Qualität ausmacht. Ausgerechnet die beiden Herren, die massgebend am meisten Einfluss auf dieses Hürlimann D 500 Projekt haben, meinen nur Flugzeuge müssten schnell sein... ;):DDie haben keine Ahnung. Wir werden sehen, wer hier das letzte Wort hat... Für künstliche "aufgesetzte" Schnelligkeit bin auch ich sicher nicht zu haben. Jedoch wenn der Hersteller sein Produkt dafür vorgesehen hatte: was 1948 gut war, ist 2018 ganz bestimmt keine schlechtere Idee.


    Selbst die in die Jahre gekommene BLS Be 5/7 "151" Bj. 1912 fuhr bis 1940 immerhin 75 km/h. Danach nicht etwa langsamer, sondern nach einer Anpassung fuhr die selbe Lok 1941 als Ae 5/7 151 = 90 km/h. Gut hat ihr das schnelle Fahren als gebrauchte Lok nicht getan, aber mein Traktor muss ja auch nicht 300-400 Tonnen ziehen, sondern als Oldtimer primär nur sich selbst.


    Die Daten sind wie folgt

    Industrie Traktor Hürlimann D-500, Bj. 1948

    1. Version vom Typ D-500 Bj. 1947-1956. Mit eingebautem Motor Typ 300.

    Traktor Masse: Länge ca. 3,20. Breite 2,0. Höhe 2,20 Meter.

    4-Zylinder Diesel, 112mm x Hub140 mm . Volumen 5,51 Liter.

    28.1 Steuer PS, 65 Brems PS

    Motorgewicht 550 Kilo. Gesamtgewicht: 3,100 Tonnen

    Geschwindigkeit je nach verbautem 1. Motor-Ritzel entweder 30 km/h, oder 50 km/h, oder 60 km/h. Damals mit Sicherheit der schnellste Traktor, selbst Lastwagen fuhren damals 1948 kaum wesentlich schneller, wenn überhaupt.


    Anbei 1 paar Fotos

  • Noch so richtig massive, gute Technik :thumbsup:

    Grüsse

    Rolf

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    K-Gleis, CS3 + 3xBooster, Intel Xeon, Win 10-64, TC 9.0 Gold A2, Littfinski HSI und s88 RM, ESU Decoder/Servodecoder

    Fahrzeuge von Märklin, Roco, HAG, Liliput uvm.


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    Modellbahn Verwaltung: MobaVer

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  • Wow! Dieses Teil hat gleich mein Herz erobert. Industrietraktoren haben mir schon immer gefallen. Dass Du dieses Gefährt an Land gezogen hast, finde ich genial (und da er ‘neumodischen Kram‘ ersetzt und schlussendlich weniger Platz und Finanzen benötigt als das Monstrum, handelt es sich ja um einen reinen Vernunftsentscheid...:D)


    Freue mich, diesen Exponenten Schweizer Ingenieurskunst mal in Natura begutachten zu dürfen....

    🚜💨💨💨

    Gruss Roger


    78 grüne Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • @ Rolf

    ja, einerseits ist er recht massiv gebaut, anderseits doch noch recht leicht, mir gefällt, dass er die 3,5 Tonnen Gewichtsklasse unterschreitet:).


    @ Roger,

    womöglich komme ich Dich mal damit besuchen, wenn der 12-Zylinder Zephyr:thumbsup: von Deinem Bekannten fertig ist.


    ... auch wenn die Knüsel-Mannen jetzt gerade tüchtig - am auseinandernehmen- sind, es wird auch Phasen geben wird, wo der "Bausatz" Wochen oder gar Monate in einer Ecke stehen wird. Z.B. auf Ersatzteile warten, und/oder dringliche andere Kundschaft ansteht. Voraussichtlich wird es April 2019 werden. Bis dann muss dieser Hürlimann D-500 auch den JCB-8310 aus meiner Garage verscheucht haben...

  • Lieber Hermann,

    Das mit dem Besuch ist ein Wort. Wir treffen uns dann aber besser in Affoltern am Albis, einen Steinwurf von Rolands ehemaliger Bude entfernt. Dort hat besagter Kollege sein Eichlokal. Da die Gewichtssteine und anderen Messeinrichtungen nur wenig Platz benötigen füllte mein Kollege den Platz notgedrungen mit Edelschrott auf... also ganz so wie Du es auch getan hast.:D

    Der Zephyr wird aber noch ein Weilchen in Arbeit sein in den USA. Momentan wurde eben sein 58er Oldsmobile fertig, den er aktuell in den Staaten nach der Restauration in den Ferien testet und dann reimportiert.







    Das ist dasselbe Modell, das ich auch fahre. Allerdings verfügt der Kollege noch über weitere Amerikaner aus dieser Zeit... aber keine Traktoren.;)

    Gruss Roger


    78 grüne Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Also lieber Christoph

    was lese ich da? Du solltest doch an deiner Geburtstagsfeier das Zepter schwingen und nicht hier umherirren!

    Auf jeden Fall: herzliche Grüsse

    Oski

  • Ja Christoph,

    Abgemacht war Oktober. Im Moment nehmen die in einem Tempo auseinander, das es mir fast fürchtet, nicht dass sie meinen ich selbst sei auch einen Teil vom Traktor...

    Egal, wir haben gute Vereinbarungen zusammen, die Qualität soll stimmen, u. auch der Preis einigermassen. Aber terminlich ist es unwichtig. Sie können meinen Auftrag jederzeit bearbeiten und auch jederzeit wieder ruhen lassen, wenn was wichtigeres, "besseres" für sie herein kommt, ganz wie sie es handhaben wollen. So haben beide Seiten etwas davon.


    Erwin

    Gegenüber dem SLM, (damals, bei seiner 1. Öffnung) ist der Zustand insgesamt um Welten besser, auch wenn man es nicht glauben mag.


    Der Rost vom Getriebe ist optisch unschön, aber rein Sachlich, (nach meinem Dafürhalten) halb so schlimm. Ich habe eigentlich nichts anderes erwartet, der Traktor bekommt seit 1948 seine aller erste "R3":). Fester rostig ist auch im wesentlichen nur das eine grosse Zahnradrad, weil es kaum je im Einsatz war. Es ist alles so gedreht, dass der Rost sichtbar wird. Über Nacht+1 Tag durften die Zahnräder in einem Meer von Antirostbad baden, das wird die Zahnräder hoffentlich so richtig gefreut haben.


    Kaum zu glauben: 1948 kauft eine Firma den schnellsten damaligen Strassentraktor und was machen sie damit die GANZE Zeit? 70 Jahre langsamst fahren!:lol: Die Zahnräder und auch deren Lager sind ganz extrem unterschiedlich (ab)genutzt worden. Der 1. Gang ist sehr stark gebraucht, noch viel schlimmer sein Lager, man merkt von Hand, dass es Spiel hat, das ist (gar) nicht gut, aber bereitet Knüsel keine ernsthaften Sorgen. Der 2. Gang ist normal gebraucht worden, das Lager noch okay. Die interessanteren Gänge 3, 4, 5, sind altershalber etwas rostig, aber ansonsten nahezu völlig ungebraucht! Für was kauft einer einen Traktor mit 5 Gängen, einer davon sogar "schnell"... Für die Vorbesitzer hätte es auch eine Dampfwalze, oder ein feststehendes Lokomobil getan. Nun ja, liebe Zahnräder, noch ein paar wenige Monate durchhalten, dann wird auch der 5. Gang sich erfreuen, gebraucht zu werden 100%...


    Vieles spricht für die Hürlimann Motoren Qualität: Der Zylinderkopf hat nur ein ganz bischen "geschwitzt". Heute bei der Zylinderkopf Entfernung war kaum mehr etwas von der Kupferdichtung zu sehen, der sehr präzise Grauguss braucht offenbar nur proforma eine Zylinderkopfdichtung.


    Der Guss als solches macht einen sehr guten Eindruck.


    Etwas speziell (für mich) ist die Zylinderanordnung. Bisher habe ich nur Motoren gesehen, egal ob Benziner oder Diesel, welche auch im Inneren vom Guss, "weitgehend ausgefüllt" aus Guss bestanden und nur das absolut notwendige Volumen für die Kühlung und die effektiven Zylinder frei gaben. Bei diesem Motor stehen die 4-Zylinder ganz frei wie Pinakel im Roten Meer, dafür hat es unendlich viele Gewindeschrauben welche das Ganze zusammenhalten. Hoffentlich halten sie auch nach dem Öffnen noch, falls diese wichtigen Schrauben (am Ansatz) rostig sind, wird es mühsam. (sehen wir morgen).


    Es ist ein ganz anderes Motoren-Prinzip von Hürlimann, als wie ich es bisher gewohnt bin, aber offensichtlich funktionierte es. Mit der roten Farbe allein, konnte Hürlimann nicht zu diesem guten Ansehen gelangen. Mit gefällt auch noch, dass es keine hochgezüchteten Motoren sind. Aus 5,51 Liter Volumen bei immerhin einer Verdichtung von 1: 18 = 65 PS zu erreichen, da liegen noch Reserven drinnen. Mit ca. diesem Volumen erreichte John-Deere in den 1980-er Jahren bereits 220 PS und Mercedes (Benziner) mit dem 560 SEC ca. 245 PS.


    Hoffentlich funktioniert der bisherige Bührer weiterhin so zuverlässig! Es gibt Gerüchte, man dürfe einen Bührer oder einen Hürlimann nicht zusammen "im gleichen Stall" haben?!? Von jedem so viel wie man will oder kann, aber niemals zusammen. Ich weis ja nicht, was Traktoren Nachts tun? Ich würde zugegeben schon etwas erschrecken, wenn Nachts nach 24.00 Uhr plötzlich Motorengeräusche zu vernehmen wären. Dass es dann Hürlibüh oder Bührmann geben würde, glaube ich dann doch nicht.


    Farbe, das weis ich noch nicht. Das ist zum vorläufigen Zeitpunkt noch eine völlige Luxusfrage. Aber dennoch, es ist nur eine Frage der Zeit bis das durchaus bestimmt werden muss.

    Die vorhandene höchstwahrscheinlich nicht mehr originale Farbe ist immerhin weitgehend sehr gut per Pinsel gestrichen und insgesamt gleicht einem hellgrauen Fleckenteppich. Mir gefällt Hellgrau an einem Traktor nicht sonderlich und noch weniger, dass es nicht professionell lackiert wurde. Es geht nicht darum, dass es ein moderner Metallic lack sein muss, der damals gar nicht existierte. Es muss ein authentischer Lack sein, jedoch von einem Profi ausgeführt, nicht von mir selber.

    Rot habe ich schon. Grün und Hellgrün auch. Im Moment ist ein dunkles Grün mein Favorit, wie die SBB Ae 6/6.


    Oder ich lasse das MoBa-Forum abstimmen, sofern ihr wollt aber unter der Bedingung, dass man sich auf eine Farbe einigen würde. Ich würde nicht 10-20 verschiedene Farben am selben Traktor wollen. Ein Ae 6/6 Grün ist doch eigentlich immer gut! Oder ist da jemand anderer Meinung?


    Gruss

    Hermann

  • Hallo Hermann


    Alle Hürlimann Motoren sind so aufgebaut. Die Zylinderbüchsen sind so genannt nass, das heisst um diese Hülsen ist das Kühlwasser vom Motor.

    Auch bei meinem Hürlimann ist das so. Darum schwitzen die meisten Hürlimann Traktoren ganz wenig an der Zylinderkopfdichtung, weil da die Höhe der Zylinderbüchsen und vom Motorblock ausgeglichen werden müssen.


    Wegen der Farbwahl, ich bringe dir mal die Bücher der Hürlimann Traktoren vorbei. Darin sind einige Industrietraktoren zu sehen.

  • Belässt du die Farbe wie sie ist? Mir gefällt die Kombination von hellgrau und rot.

    Das kannst auch nur Du fragen, als völliger Motorfahrzeug-Ignorant!:D


    Die Farbe ‘darf‘ an einem Oldtimer-Traktor nicht einfach geändert werden. Sie gehört zur Fahrzeugepoche wie bei Sammlerstücken die Packung zur Lok. Ich vermute, dass die Traktoren damals nur in einer bestimmten Farbe ausgeliefert wurden. Auch bei normalen Autos sollte man bei einer Restaurierung unbedingt darauf achten, es in einer der damals erhältlichen Farbgebung zu lackieren. Ansonsten ist die Erneuerung nicht glaubwürdig. Kenner merken dies sofort, wenn die Farbe in Bezug auf das Modell nicht stimmt. Typisch ist der Frevel beim ‘Pink Cadillac‘: Angestiftet vom bekannten Lied und/oder der landläufigen Meinung, dass ein Cad typischerweise ‚pink‘ zu sein habe wurden diese Gefährte jeglichen Jahrgangs bei einer Neulackierung so umgefärbt. Einfach grauenhaft, was man da schon sehen konnte: schreiendes Augenkrebs-Babyrosa zuhauf. Gab es natürlich nie. Und an Exemplaren der 60er Jahre fanden sich an Caddys überhaupt keine Rosatöne mehr (was gewisse Eigner nicht davon abhält...). Solche Farbgebungen sind extrem wertmindernd.


    Der Hürlimann wird sicher so bleiben. Wenn noch der Originallack vorhanden ist, sollte man ihn sowieso belassen. Vor allem, wenn er noch so toll aussieht, wie auf den Fotos.

    Gruss Roger


    78 grüne Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Jetzt habe ich erst den Beitrag von Hermann gelesen. Nein! - auch er fasst eine Farbänderung ins Auge 8| Dabei wirkt das rot/graue Aussehen für einen Industrietraktor dieser Zeit schlichtweg perfekt. Wäre schade.

    Gruss Roger


    78 grüne Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Für unseren "Rennfahrer"-Hermann wäre doch das altbekannte British-Racing-Green die passende Farbe.

    Er sagt ja selbst, das er Grün nicht abgeneigt wäre. Dasjenige der Ae 6/6 ist doch aber gar dunkel.


    Dazu noch einen gelben Kühlergrill als Kontrast ... herrlich, äh nein, hermannlich :D

    Grün und Gelb hat er ja eigentlich schon: John Deere :facepalm:


    @Roger: Bei den Fotos vom Traktorentreffen in Boswil hast du einen "Meili" abgelichtet, in einem ganz toll glänzenden grünen Lack. Nicht so abgelutscht, wie die üblichen grünen Bührer - jene Farbe wirkt schon frisch "müde", geschweige denn in mattem Zustand.

  • Dabei wirkt das rot/graue Aussehen für einen Industrietraktor dieser Zeit schlichtweg perfekt. Wäre schade.


    Ich sehe das genau so, die graue Farbe passt perfekt zu dieser Zeit. Auch die Werkzeugmaschinen waren damals meist grau, ebenso die Chassis vieler Lastwagen.

  • also Pink oder Rosa in keinem Fall.


    Der Farbton Hellgrau per se scheint original zu sein, dann bleibt dieser Farbton auch weiterhin bestehen. Auch wenn ich mich noch daran gewöhnen muss. Orginalität kommt in der Priorität noch vor meinem eigenen Farbwunsch (Ae 6/6 grün). Aber es sollte schon einwandfrei ausgeführt sein. Vergesst nicht, der Traktor (erstes Foto) habe ich aus etwas Distanz fotografiert, man sieht seine Lackfehler nicht.


    Aus der Nähe wirkt der Lack "gebraucht". Die letzten 20-30 Jahre hat jeder überall ein bischen lackiert. Interessanterweise immer mit dem gleichen Farbton. Der Vorbesitzer hat schon vor Jahren neue Kotflügel - selber - angefertigt. Eigentlich wollte er ausschliesslich nur neu streichen, und dazu den Rost entfernen. Der Rost am Kotflügel war 100% durchgehend, es war nichts mehr da, was man hätte streichen können. Man muss auch festhalten, hätte der Vorgänger nichts getan, wäre heute der ganze Traktor einen Fall für den XL-Abfallkübel.


    Dem letzten Besitzer kann man dankbar sein:thumbsup:, der hat für den Erhalt mit seinen einfachen Möglichkeiten, getan was er konnte. Der 2. Vorbesitzer war ein "böser" Traktoren-Metzger. Die damals schon etwas ältere Maschine wurde auf`s Äusserste belastet. Dieser D-500 wurde dazu missbraucht auf einem Steinbruch Steine zu brechen:supersad:. (Kein Witz). Wüsste man seine - ganze - Vorgeschichte, würde es einem schwindlig. Aber ein Hürlimann D-500 steht nicht gerade an jeder Strassenecke, und immerhin zu Dritt, haben wir nichts festgestellt, was eine Restauration in Frage stellte.


    Jedenfalls als ich den SLM zu Knüsel-Ibach angekarrte, hat mich der Chef wirklich böse angeschaut: "Restauriere dä Schiessdräck selber". Es sei - trotz seiner relativen Kleinheit - unendlich viel Arbeit, wer solle diese bezahlen? + Extrem schwierige, teils unmögliche Ersatzteil-Beschaffung. Man fand einen Kompromiss und auch der SLM läuft jetzt. Aber ich habe die Auflage, aus Winterthur nie mehr etwas anschaffen/bringen dürfen.


    Beim Hürlimann D-500 meinte der Chef, hier seien die Voraussetzungen für eine sinnvolle Restauration schon sehr viel besser gegeben. Die möglichen Defekte und Schäden überschaubar und reparierbar. Er gab grünes Licht dazu und ist optimistisch, dass der Kostenrahmen eingehalten werden kann.


    Auf meine Bitte hin, nicht jetzt schon anzufangen, ich hätte bis ende Jahr kein Traktoren-Geld mehr, meinten sie: Macht nichts, dann behalten wir ihn halt selber. Das tönt doch reichlich positiver, als die Winterthurer Geschichte. Welche aber letztendlich auch ein gutes Ende genommen hat. Ausser dass der Hugo einer der Chefs dort, darauf beharrte, - nach dem er persönlich eine Probefahrt absolvierte, - das sei ein gefährliches Objekt, 45 km/h sei völlig inakzeptabel und verantwortungslos, gemeingefährlich. Wurde er womöglich abgeworfen? 25 km/h die korrekte maximale Geschwindigkeit. Sie wundern sich, dass die SLM Traktoren damals überhaupt die offizielle amtliche Zulassung erhalten haben und noch mehr Erstaunen, dass zu dem horrenden Preis überhaupt Käufer gefunden wurden. (die Fa Knüsel baut ja selber die modernen Rigi-Trac Traktoren). Wil und Hinwil sei ja nicht all zu weit gewesen, und bestimmt hätte es auch lokale nahe Händler gegeben... Was auch immer, die SLM Traktoren-Epsiode dauerte ja auch nicht all zu lange, etwa 7 Jahre und bereicherten im Nachhinein die Schweizer Traktoren Geschichte.

  • Der Farbton Hellgrau per se scheint original zu sein, dann bleibt dieser Farbton auch weiterhin bestehen. Auch wenn ich mich noch daran gewöhnen muss. Orginalität kommt in der Priorität noch vor meinem eigenen Farbwunsch (Ae 6/6 grün).

    Uff! - Das freut mich jetzt aber. :)


    Du wirst die Entscheidung nicht bereuen. Und gewöhnen wirst Du Dich auch daran. Die Farbe ist getade bei Traktoren ein Teil ihrer Identität: Grün/gelb: John Deere, orange: Fiat, rot: Porsche, Hürlimann, grün: Bührer, blau: Ford, SLM... etc.


    Das Hellgrau des Industrietraktors passt genau in die Nachkriegszeit. Man sieht das Gefährt direkt vor sich, wie es in einem Mühlenbetrieb den mit Mehl-Säcken gefüllten Lastwagenanhänger zum hellgrauen(!) Berna-Schnauzenlastwagen fährt, wo er schliesslich umgekuppelt wird...;)

    Gruss Roger


    78 grüne Ae 6/6


    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Zur Hürlimann Farbgebungen:


    1929-1952 hellgraues Chassis und Carrosserie, rote Felgen und Kühlergrill

    1952-1958 grünes Chassis und Carrosserie, rote Felgen teilweise roter Kühlergrill

    1958-1979 grau mettallic Chassis, rote Carrosserie, Chrom zerblenden am Grill und seitlich

    Bei einigen roten war das Chassis und Carrosserie in rot gehalten.

    Ab 1979 waren dann wieder alle Hürlimann Traktoren grün mit schwarzem Chassis

  • Angefangen hat der Tag Obersupertoll. Der Hugo (von Knüsel) ist immer so vorsichtig, wenn es an das Limit geht, was einem die Behörden erlauben. Er traute sich nicht die Zahnräder zu bestellen, welche den Traktor etwas schnell(er) machen, bez. ich will ja nur dass, was das Pflichtenheft verspricht.


    Diese Bewilligung bekommst Du nie. Was kann ich dafür, wenn einer 1948 einen Traktor, geeignet für 60 km/h kauft und ihn für max. 38 km/h einsetzt, nur damit er Motorfahrzeugsteuern sparen kann und promt steht im Ausweis Typenschein 348. Konkret, Gesetze sind keine neue Erfindung: 1948 war 38 km/h ca. doppelt so schnell wie die erlaubte Höchstgeschwindigkeit für Traktoren von winzigen 20 km/h! LSVA gab es damals noch lange für Jahrzehnte noch nicht, aber durchaus Motorfahrzeug-Steuern und die waren im Verhältnis zum Einkommen vor 70 Jahren noch teurer wie heute!!! Dass die MFK-Steuer ständig erhöht werden, wie gewisse SVP Leute behaupten, stimmt nachweislich Gott sei Dank (noch?) nicht, hoffentlich bleibt es so.

    Wer schneller als die zugelassene übliche Kategorie fahren wollte, musste auch schon 1948 höhere Motorfahzeug-Steuern bezahlen. Von daher kann ich die vermutete Überlegung des Vorgängers gut nachvollziehen, "schleichen" zu wollen.


    Heutzutage wird mehr auf das Gewicht Wert gelegt, was die Steuerhöhe anbelangt, bez. es ist ein Algorithmus zwischen Hubraum, Gewicht und V/max, welcher mir im Detail unbekannt ist.

    Wenn ich keine LSVA bezahlen will, darf das gesamte Gewicht 3,5 T nicht überschritten werden. D.h. es bleiben beim Hürlimann 500 D von 3.1 Tonnen noch 400 Kilo für Anhänger UND Ladung übrig. Kommerziell uninteressant. Egal, falls das wesentlich wäre: noch ist der JCB nicht verkauft und der John-Deere 4755 darf offiziell 32 Tonnen ziehen, das dürfte für 99,9% möglicher Traktor Arbeiten mehr wie ausreichend sein.


    Wichtig ist, der zukünftige Hürlimann Industrie Traktor D-500 bekommt offiziell die Genehmigung, als Oltimer Hobby Fahrzeug (ohne LSVA) 60 km/h fahren zu dürfen, da er für diese Geschwindigkeit geprüft und ausgelegt wurde:thumbsup:. Jetzt ist wieder die Fa Knüsel am Zug, ob sie das hinbekommen werden.


    Ihr seid ja Optimisten, kaum stelle ich ein paar Fotos ins MoBa Forum, reden die schon von der Farbe:rolleyes:. Es wird noch Monate dauern. Einverstanden, es wird nichts mit grün, noch weniger mit sonst einer Farbe. Es kommt möglichst die der Zeit entsprechende Originalfarbe zur Verwendung. Selbst das ist knifflig, es gibt nur schon 1947 - 1952 = 3 x deutlich verschiedene Hellgrau zur Anwendung. Das 1. anfängliche sehr helle Grau ist wirklich nicht schön. Ich möchte ein Grau, welches ca. 1949/50 verwendet wurde, wunderschön mit einem Tick Olivbraun enthalten. Der Grill rot, die Kotflügel und Schutzbleche der Vorderräder schwarz.


    Aber noch ist es nicht so weit.

    Keine Ahnung aus was die alte originale Zylinderkopfdichtung ist?!? Kein Blech, kein Karton, kein Kupfer, irgend was ganz komisches es fühlt sich an wie alte Märklin Originalkarton mit irgend einem eingelegten Metall? in der Mitte. Jedenfalls hat das gefühlte Papier-Ding annhähernd 70 Jahre gehalten.


    Heute, die Ferienzeit würde passen, war ich im Roten Meer.

    Man muss dazu nicht nach Afrika, Ibach Schwyz reicht. Irgendwie wundere ich mich, wie gut der Motor bei den aktuellen Probefahrten gelaufen ist. Es gab auch keinen direkten Grund - im Gegensatz zum Getriebe - den Motor auseinander zu nehmen, jeder einzelne Zylinder erzeugte genügend und spielend Kompression. Aber es gab auch keinen Grund, dies nicht zu tun, wenn man langfristig Ruhe damit und Freude haben will. An die Rolls-Royce Märchen glaube ich schon lange nicht mehr, ALLES Mechanische benötigt seine Pflege.


    immerhin, innen sahen die Zylinder noch erstaunlich gut aus, aber aussen herum, in dem Motorblock waren Kiloweise(!) Schlamm und auf deren Aussenseite waren die Zylinder sehr rostig und extrem korrodiert anzutreffen, genau so sieht es im Roten Meer auf 40-50 Meter Tiefe aus. In keinem Fall würde dieser Zustand 60 km/h zulassen, ohne dass es früher oder später ernsthafte Schwierigkeiten geben würde und man müsste, alles was montiert wäre, wieder auseinander nehmen, dann lieber jetzt gleich richtig ausführen. Eine perfekte Lackierung reicht mir nicht, der soll auch und vor allem auch durch innere Werte glänzen. Bleibt zu hoffen, dass die Schrauben nicht ersetzt werden müssen, wenn doch, das wird eine langwierige knifflige Angelegenheit.


    Mal schauen , über das Wochenende wird der Motor durchgespült, damit sich der Schlamm löst und entfernt werden kann.

  • Keine Ahnung aus was die alte originale Zylinderkopfdichtung ist?!? Kein Blech, kein Karton, kein Kupfer, irgend was ganz komisches es fühlt sich an wie alte Märklin Originalkarton mit irgend einem eingelegten Metall?


    Bei präzis aufeinander passenden Teilen sind Papierdichtungen durchaus üblich. Z.B bei Drehschieber Vakuumpumpen. Ob das bei Motoren üblich war weiss ich nicht. Heute ist Dichtungspapier mit Fasern verstärkt, vor 70 Jahren war es bestimmt Metallgewebe.


    Bleibt zu hoffen, dass die Schrauben nicht ersetzt werden müssen, wenn doch, das wird eine langwierige knifflige Angelegenheit.


    Schrauben sind nun wirklich die simpelsten Maschinenbauteile. Wenn es sie nicht mehr gibt, nimmt man die Masse, macht die Zeichnung, ermittelt den Werkstoff und gibt am Schluss das Ganze einem Lohnfertiger oder Ausbildungsbetrieb in Auftrag. Kostet etwas aber sicher nicht die Welt.