Märklin einmal anders...

  • Ich spreche hier mal ein düsteres, aber leider nicht seltenes, Kapitel der guten alten Modelleisenbahn an: Falsche Lagerung. Die Folgen davon sind abgebläterte Farben bei Lokomotiven oder Korrosionsbefall. Ich meine damit nicht Krakelierungen sondern richtiger Rost wie bei diesen Blechwagen.




    Die landen dann nicht selten als "Geschenk" bei mir. Ich verwandle solche "Hässlichen Entchen" wieder in stolze Schwäne, die aber (nach einer stolzen Summe an Arbeitsstunden) etwas anders aussehen als die Märklin-Originale. Alles unverkäufliche Unikate, denn das ist reines Hobby, eben "Retro-Train" ;).


    Ich weiss, dass die BT Mitteleinstieg LS-Wagen hatte. Betrachtet man das aber im Zeitalter des Tinplate, wäre ein solcher (Märklin-) Zug durchaus möglich gewesen. Es dürfte der einzige Tinplatezug der Bodemsee-Toggenburgbahn in der Spur 00/H0 sein. Die Bemalung erfolgte von Hand und die Logos sind Decals. Der Blechwagen, der zum Steuerwagen auerwählt wurde, bekam eine selber geschneiderte Front aus Konservendosenblech angelötet. Auch der Schienenräumer ist aus Konservendosenblech, die Dachfortsetzung vorne ist aus Holz. Der Triebwagen war ein ausgeschlachteter vermalter SBB Bde 4/4 von HAG, dem ich nach der Bemalung mit Abklebetechnik ein BT-Logo aufpinselte.




    Wenn Euch das gefällt, werde ich in loser Folge in diesem Thread weiter über solche Arbeiten berichten ;)

    Gruss Bruno


    Ein Herz für alte Modellbahnen aus Holz, Metall oder Karton :love:

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  • Die Idee, aus Schrott- oder verbasteltem Rollmaterial Unikate herzustellen, ist auch meine Leidenschaft.

    Gerne hole ich Anregungen bei Forumisten mit demselben Gedanken. In diesem Sinne: Gerne weitere Bilder Deiner Elaborate. :)

    Gruss Roger


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    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Da bin ich ja hoch erfreut, wenn ich in bester Gesellschaft bin.


    Kurz auf ein Wort zur Avatar-Lokomotive:

    Eine V60 Lok ohne Gehäuse wurde mir halb geschenkt angeboten. Aus Konservendosenblech (siehe Wellen auf dem Dachfertigte ich das Gehäuse einer Altbaulok dafür. Vorne bekam die Lok alte Lampenhalter, welche so auch in der Carosserie ausgeschnitten wurden. Der Stromabnehmer ist isoliert und verdrahtet, so dass die Lok auch mit Oberleitung fahren könnte. Da als Geschenk vermalte Blechwagen zu mir kamen gestaltete ich daraus den Zug zur Lokomotive. Man beachte die gemalten Holzramenfenster beim ersten Wagenhinter der Lok...Ich habe nicht gezählt wie oft ich fluchend wegen meinen Augen unterbrechen musste beim bemalen derselben...


    Gruss Bruno


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  • hallo Retro-Train

    Besonders Dein Blech Leichtstahl-Steuerwagen gefällt mir gut.

    Bei mir ist es seit ca. 35-40 Jahren ein Vorhaben, Du hast es gemacht:thumbsup: und dann erst noch in "BT":thumbsup:


    Zum Zustand der Leichtstahlwagen möchte ich die "Endverbraucher" rehabilitieren. "


    Wenn nicht mutwillig ausgelöst, kann der Besitzer für das Rosten nichts dafür! Es war ein damaliger Märklin Fehler: Keine Grundierung? Falsche interne Roh-Lagerung. Bereits zu korrosiv, bevor das Blech lackiert wurde. Vorkrieg Blechwagen sind markant weniger betroffen, das Ende der Blech-Wagen Fertigung auch nicht. Es handelt sich oft um die Märklin Serien 346 - 348 ca. 1951/52 - 1964. Bei denen sind etwa 75% aller Modelle unterrostet. Aber selbst diese Wagen haben ca. 10 Jahre problemlos gehalten, es wären somit für die Fa. Märklin längstens keine Garantiefälle mehr gewesen.


    Falsche Lagerung trifft eher auf die Schaumstoffe zu! Auch hier, die Kundschaft kann per se rein gar nichts dafür und kann diesen Zerfallprozess auch nicht stoppen. Aber der Besitzer / Besitzerin könnte wenigstens dann und wann seine Modelle anschauen und die Kartons öffnen. Mindestens 1 x pro 10 Jahre wäre nicht zu viel verlangt... und bei Bedarf umgehend handeln.


    An Nachschub gebrauchter bespielter Modelle wird es in den nächsten Jahren nicht fehlen;)


    Gruss

    Hermann

  • Es handelt sich oft um die Märklin Serien 346 - 348 ca. 1951/52 - 1964. Bei denen sind etwa 75% aller Modelle unterrostet.

    Danke für Dein Kompliment. Ich hatte es auch lange vor mir hergeschoben und dann plötzlch zu mir gesagt: Mach's! Nicht irgenwann sondern jetzt. Die Nachkrieg D-Zug, Pullman- und Altbauwagen Wagen sind ebenso von Korrosionsgefahr betroffen und Märklin gibt leider keine Garantie gegen Durchrosten ;). Was in der Vergangenheit oftmals auch falsch gemacht wurde bei der Lagerung: Man hat als zusätzlichen Schutz die Wagen sorgfältig noch in Zeitungspapier eingewickelt oder wenn keine Verpackung mehr vorhanden war die Wagen in Zeitungspapier eingewickelt in einer Schachtel versorgt. Wenn der Lagerort etwas feucht war, nahm das Zeitungspapier diese Feuchtigkeit auf und es kam, was kommen musste... Bei Krakelierungen (die den Wagen Wertlos machen) bist Du nicht ganz machtlos: Mit herzhaftem Druck von Hand grosszügig Rostumwandler einmassieren. Dieser drückt so durch die Poren der Farbe und geht mit dem Rost darunter eine Verbindung ein. Danach musst Du den Wagen mit Seidenglanz-Klarlack lackieren damit er wegen des Rostumwandlers nicht glänzt. Ich hatte diese Idee vor 19 Jahren und einen Wagen so gemacht sowie detailiert fotografiert. Die Unterwanderung ist seither (wie ich im Vergleich des Wagens heute mit den Fotografien feststelle) nicht weiter fortgeschritten.


    Ein D-Zug und ein Gepäckwagen kamen teilweise mehr rostig als farbig an je einem der Wagenenden in meine Hände. So ein Korrosionsbild spricht eben für eine falsche Lagerung. Beim Gepäckwagen fehlten zudem die Drehgestelle und das Dach. Da (wie schon erwähnt) nur etwa ein drittel je Wagen rostig war, aber dies dafür so deftig, dass sie an einigen Stellen durchgerostet waren und ich schon ein D-Zug habe kam mir die Idee daraus einen Halbgepäckwagen zu fertigen. Im Löten bin ich weniger gut, aber von Aussen sieht das ja keiner. Jetzt folgt (symbolische) Mathematik, die jedoch Milimeter-Arbeit erfordert, damit Dach und Boden des Wagens wieder Passen am Schluss:



    Gruss

    Bruno

    Gruss Bruno


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  • Die Malerarbeiten waren ziemlich knifflig. Galt es doch den richtigen Farbton zu mischen: Farbmuster machen, trocknen lassen...Nachmischen (dunkler oder etwas heller) wieder ein Farbmuster trocknen lassen. Das kann so gut 3-5 Tage dauern. Der frisch gebackene Halbgepäckwagen ergibt zusammen mit einem Silberling (Märklin), 2 Städtewagen (Trix*) und einer V 200 an der Spitze einen Eilzug, wie er in Deutschland (auch) im Einsatz stand.


    *Nun, wie bringt man Trix Express Wagen ohne grossen Umbau dazu, auf Märklin-Gleisen zu fahren und dazu noch im Verbund mit Märklin-Wagen? Achsen tauschen Trix gegen Märklin Stiftachsen. Da Trix Express Kupplungen höher angesetzt sind als jene von Märklin und der Trix Drahtbügel eh fehlte, stellte ich selber als Übergang einen speziellen nach unten gerichteten/versetzten Federdrahtbügel her, der beim Märklinwagen sogar selber einkuppeln kann, wenn zwei Wagen zusammengeschoben werden...Okay, im 5. Anlauf hat es dann doch endlich hingehauen mit dem Draht richtig biegen in der Länge und Breite :D. Funktioniert jetzt aber dafür störungsfrei.


    Gruss Bruno


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  • Eigentlich war ich etwas entäuscht vom Tinplate-SBB-Wagenset 40661, weswegen ich es nicht gekauft habe. Die anders klassifizierten EW II Wagen hätten mich schon gereitzt, aber etwas stimmt in diesem Set (trotz Tinplate und dessen kleine Narrenfreiheit) gar nicht...



    Ich habe mich aber daran gemacht genau das zu berichtigen...Wäre Märklin auch auf diese Idee gekommen hätten sie mit gleich zwei verschiedenen SBB-Tinplate-Sets viel Geld verdienen können. Also, was stimmt hier nicht?

    Gruss Bruno


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  • Naja, an diesen Wagen stimmt eigentlich gar nichts. Schwierig zu beurteilen was davon du meinst: Drehgestelle? Länge? Fenstereinteilung? ;)

    Gruss Roger


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    Die Katze schläft im Lärm; nur die Stille weckt sie, wenn die Mäuse rascheln.

  • Ich gehe mit Roger einig, es scheint aber so als hätte Märklin einen WRm RIC auf „Einheitswagen“ getrimmt. Kann man machen, es wäre aber auch beim Vorbild möglich gewesen, dass diese Wagentypen zusammen verkehren.

    Abgesehen davon gab es keine Speisewagen der Bauart EW II.

    E Gruess


    Hänsu

    Ich halte Genauigkeit für poetisch


    (Robert Walser)

  • Nur: Ein Tinplate RIC-Speisewagen mit RIC-Personenwagen wäre möglich gewesen mit anders bedruckten Blech-Wagen aus dem Märklin-Programm. Fensteranzahl hätte zwar auch nicht gestummen aber wie schon erwähnt, das ist die kleine Narrenfreiheit des Tinplate, voila:


    Man nehme (rostige) Märklin 4069 Belgischer Liegewagen (französische Liegewagen und Le Capitol waren dieselbe Carrosserie) und gestalte sie um:



    Dabei habe ich darauf geachtet, dass kein Wagen gleich ist im Zug.

    Gruss Bruno


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